RTL und Pro Sieben Sat 1 steuern bereits dagegen. Sie verfolgen zwei Strategien: Da sind zum einen Zukäufe von Internetfirmen sowie die Entwicklung hauseigener Onlineangebote und zum anderen der Ausbau von werbeunabhängigen Fernsehsendern. Die Zukäufe im Internet sind aber keine spektakulären Übernahmen, da der Investitionsspielraum begrenzt ist.
Für die TV-Konzerne ist der Aufbau neuer Geschäfte schwierig und langwierig. Das viel diskutierte Handy-TV ist dafür ein Beispiel. Die Branche hatte große Hoffnungen auf die Einführung des mobilen Fernsehens mit den technischen Standards UMTS und DMB gesetzt. Pro Sieben Sat 1 startete bereits im Oktober 2006 das erste mobile Fernsehprogramm für Handys. Auch der Informations- und Dokumentationskanal N24 ist schon lange über DMB auf dem kleinen Bildschirm eines Mobiltelefons zu empfangen. Doch das von Unternehmensberatern oft hochgelobte Handy-TV erwies sich bislang als Rohrkrepierer. Das soll sich nun ändern.
Der neue Standard DVB-H soll dem Handy-TV zum Durchbruch verhelfen. Rückenwind kommt auch von der Europäischen Kommission in Brüssel. Die Luxemburger Medien-Kommissarin und langjährige Journalistin Vivianne Reding will den Standard DVB-H europaweit durchsetzen.
Das Handy-Konsortium Mobile 3.0, an dem die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (Handelsblatt) und die Autorin beteiligt sind, plant, mit den mobilen Bildern endlich einen Massenmarkt zu erschließen. Wenn im Juni die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und in der Schweiz startet, sollen die bunten Bilder auf dem Handy bereits möglich sein. Der Medienkonsument soll voraussichtlich fünf Euro zahlen. Die Rolle der Fernsehkonzerne von der ARD über ZDF, Pro Sieben Sat 1 und RTL beschränkt sich bislang auf eine Zulieferrolle.
Das mobile Fernsehen steht und fällt mit den Mobilfunkbetreibern und Handyherstellern. Die TV-Branche kann dem ihr drohenden Bedeutungsverlust nur entgegenwirken, wenn sie den Schulterschluss mit den Telekomgiganten und Handy-Konzernen sucht. Doch noch sitzt die traditionelle Fernsehbranche auf einem hohen Ross. Viel zu lange haben die Senderchefs und TV-Produzenten geglaubt, dass sie mit ihren Inhalten am längeren Hebel sitzen. Doch das hat sich als Selbstbetrug erwiesen.
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