Und an Ambitionen mangelt es Microsoft ebenfalls nicht. Über sechs Milliarden Dollar gab der Konzern 2006 für Forschung und Entwicklung aus, da kann selbst der doppelt so große Computergigant IBM gerade mal mithalten.
Trotzdem kommen die Innovationen anderswo her - sei es die Suche im Internet (Google) oder der nächste Megaseller in der Unterhaltungselektronik (Apple). Beides Märkte, in die Microsoft seit Jahren investiert - und in denen die Redmonder bisher nur Geld verloren haben. 100 Millionen iPods hat Apple seit Oktober 2001 verkauft und damit 19 Milliarden Dollar umgesetzt.
Paradoxerweise scheint es ausgerechnet das Gute in Microsoft zu sein, das dem Unternehmen zu schaffen macht. Apple gleicht einer Diktatur: Was richtig und gut ist, entscheidet Jobs. Schon die Furcht vor seinem Zorn und Spott treibt eine Menge Innovation. Ballmer hat ebenfalls eine beeindruckende Präsenz. Aber Microsoft orientiert sich an einer Demokratie. Ex-Microsofties loben meist ihren Ex-Arbeitgeber, klagen aber über die wuchernde Bürokratie. Vieles wird in Dutzenden Komitees beredet und zerredet - von den Farbkombinationen von Windows Vista bis zur Startmelodie des neuesten Betriebssystems.
"Microsoft", sagt Jobs, "hat einfach keinen Geschmack."
So etwas wurmt Ballmer gewaltig. Still und leise hat er dem Konzern daher einen Kraftakt in Sachen Innovationen verordnet. Microsofts Forscher dürfen nun ihre Fantasie ausleben, ihren Ideen Gestalt geben und wie die Jungs von Apple unsichtbare Software mit Hardware ummanteln.
Wie im "Haus der Zukunft" und dem "Zentrum der Informationsarbeit" - dem Büro der Zukunft. Angesiedelt sind die Utopien auf mehreren Hundert Quadratmetern im Konferenzzentrum des Hauptquartiers. Das ist das Allerheiligste. Kaum jemand von außen durfte es bisher sehen. Im ersten Stock geht es links nach der Rolltreppe in einen Seiteneingang, der von einer Rezeptionistin bewacht wird. Sie nimmt Besuchern Kameras und Fotohandys ab, denn es herrscht Fotografierverbot. "Viele glauben, dass Microsoft nicht visionär sei", sagt Designer Russ Burtner. Ein fensterloser Raum, der wie das Lagezentrum eines Geheimdienstes anmutet, soll Zweifler bekehren. Er ist mit Großbildschirmen und Projektoren gepflastert, auf denen Bilder und Grafiken im Windows-Vista-Stil flimmern.
Unter futuristischem Zischen gehen E-Mails ein, öffnen sich Dokumente. Burtners Planspiel dreht sich um einen Pharmakonzern, der ein neues Medikament produzieren will und gleichzeitig die Genehmigungen der Aufsichtsbehörde einholt. Die Zukunft à la Microsoft ist supereffizient und vollelektronisch. Anfragen werden sofort beantwortet, selbst von den Behörden, alles ist transparent, der Konzernchef kann bei Bedarf mikromanagen, bis in die Fabrik hinein. Der Produktionsleiter ist mit einer Computer-Schaltzentrale ausgestattet, die sich Hollywoods Bühnenbildner nicht besser hätten ausdenken könnte.
Lesen Sie weiter auf Seite 4: Der berührungsempfindliche Schirm liest Dokumente ein.

