Dass auch Microsoft mit dieser Kombination zu Höchstform auflaufen kann, zeigt die Xbox. Sechs Jahre nach dem Marktstart ist die Xbox heute eines der wenigen coolen Produkte von Microsoft. Noch verbrennt die Sparte Geld. Von 2007 an soll sich das ändern.
Den iPod wollten Ballmer und Gates auch mit dem bewährten Konzept schlagen, sich nur auf die Software zu konzentrieren. Doch mit dieser Offenheit holte sich Microsoft eine blutige Nase. Seit November 2006 bietet Microsoft einen eigenen MP3-Player namens Zune an, zunächst freilich nur in den USA. Entworfen hat ihn Xbox-Schöpfer James Allard, genannt "J". Der 38-Jährige ist verantwortlich für Entwicklung und Design der Unterhaltungselektronik. Schon optisch verkörpert Allard das, wo Microsoft hin will: Mit seinen Hip-Hop-Klamotten des Kultdesigners Marc Ecko hebt sich der Glatzkopf ab vom Microsoft-Einheitslook aus unifarbenem T-Shirt und Khaki-Hose.
Viel wichtiger - er ist schnell. Allards Motto lautet: "Krieche, gehe, renne." So hat er es gehandhabt, als Microsoft gegen den scheinbar übermächtigen Rivalen Sony mit einer eigenen Spielkonsole antrat. Die erste Xbox hatte kaum Chancen gegen Sonys Playstation 2, aber Microsoft konnte lernen, worauf es in dem neuen Geschäft ankommt. Beim Nachfolger Xbox 360 hatte Microsoft bereits ein Jahr Vorsprung auf den Marktführer und rangiert inzwischen mit einem Marktanteil von 38 Prozent knapp hinter Sony - vor allem weil sich die Spieler online übers Netz zusammenschalten können.
Auf vergleichbare Weise will Allard den Zune gegen den übermächtigen iPod antreten lassen: Binnen nur acht Monaten stampfte Allards Team die erste Version des Musikplayers aus dem Boden. Noch ist das Gerät klobiger als das Apple-Pendant. "Wir haben ja erst angefangen", sagt Allard und verweist auf die Eigenschaft des Zune, drahtlos Musik und Fotos austauschen zu können - das kann der iPod bisher nicht.
Noch kommt Zune in den USA nur auf einen Marktanteil von zehn Prozent, der iPod hält rund 80 Prozent. Doch die Fähigkeit Microsofts, bisher getrennte Welten wie Computer, Fernseher, Telefon und Handy zu vereinen, ist das wohl größte Potenzial für den scheinbar so erstarrten Software-Giganten.
Die kommenden Monate werden dennoch hart. Voraussichtlich Mitte Juni startet Apple sein iPhone-Handy - das Gerät ist bereits vor Erscheinen der Inbegriff von Coolness. "Am iPhone ist doch nichts Besonderes", winkt Microsoft-Chef Ballmer genervt ab. "Außer der Marke hat Apple nichts in petto, was andere Anbieter nicht auch zu bieten hätten."
Das stimmt natürlich schon wieder nicht ganz. Immer schön cool bleiben, Mister Ballmer. So schlimm steht's doch gar nicht. Sie haben schließlich auch Ihre Ozzies, Allards, Ulbrichs und Kühlings.


