Größte Herausforderung
Google, so scheint es, kann nur noch Arroganz oder Größenwahn aus der Bahn werfen. "Unsere größte Herausforderung derzeit ist unser Wachstum", sagt Hölzle. An Bewerbungen, die wäschekörbeweise eintreffen, mangelt es nicht.
Aber haben die Kandidaten auch noch die richtigen Motive oder träumen sie nur vom schnellen Geld? "Wir haben immer sehr erfolgreich Wettbewerber aussortiert, denen es vorrangig ums Geld ging", sagt Hölzle. Die 400 Mitarbeiter, die richtig reich wurden, sind fast alle noch im Unternehmen.
Hobbypilot Schmidt hat sich einen Gulfstreamjet zugelegt, die Gründer eine gebrauchte Boeing 767. Aber ansonsten sind alle auf dem Boden geblieben. Sicher finden sich auf dem Parkplatz einige Porsche und Oberklasse-BMWs. Aber nicht mehr als anderswo im Silicon Valley. Das bevorzugte Fahrzeug bei Google ist der Prius, das umweltfreundliche Hybrid-Auto von Toyota. Die Gründer fahren es und geben jedem kaufwilligen Mitarbeiter 5000 Dollar Zuschuss.
Aufstieg unaufhaltsam?
Ist der Aufstieg von Google zum mächtigsten Medienkonzern somit unaufhaltsam? Fünf Autominuten von Google entfernt, im Zentrum von Mountain View, arbeitet ein kleines Startup namens Kosmix. Es hat erst 20 Mitarbeiter. Seine beiden Gründer sind Stanford-Absolventen und kennen Brin und Page. Sie arbeiten an der nächsten Generation von Suchmaschinen, die Suchresultate zusätzlich nach Themen ordnen. Die erste Version, die Themen zu Gesundheit, Politik und Reise listet, arbeitet gut, aber nicht fehlerfrei. Google ist schon seit Jahren an dieser neuen Art von Suchmaschine dran. Was ist, wenn Kosmix gelingt, was Google bisher nicht schaffte? Das Problem: Nur in 70 Prozent aller Fälle werfen sie bisher sinnvolle Resultate aus.
Vor zehn Jahren schien die Internetsuche entschieden. Damals war Altavista die erste Adresse. Niemand sah, wie sich das noch einmal ändern sollte. Dann kamen Brin und Page mit Google.
Der verwinkelte Stahl- und Glaskoloss des Googleplex steht auf dem ehemaligen Campus von Silicon Graphics. Das Unternehmen baute einst die besten Supercomputer und war die erste Adresse für talentierte Ingenieure. Aber das Management unterschätzte die Konkurrenz. Heute ist das Unternehmen nur noch ein Schatten von einst.
Gegen die Arroganz des Erfolgs ist niemand gefeit - auch Google nicht.

