Aktie auf dünnem Eis
Auf welch dünnem Eis sich die Google-Aktie bewegt, zeigte sich zuvor bereits Mitte Februar. Zwar verkündete Google da für das vergangene Quartal einen Gewinnanstieg um 82 Prozent - dennoch brach der Aktienkurs ein. Denn gerade hatte in den USA eine Diskussion darüber begonnen, ob Aktien von Internetunternehmen überbewertet sind (Kasten Seite 110). Kurz darauf kündigte Google an, seinen Dienst in China einer Selbstzensur zu unterwerfen, um die Machthaber in Peking milde zu stimmen. Auch das erschütterte das Vertrauen in Google.
Auch Telekomkonzerne wie die Deutsche Telekom und die US-Gesellschaft AT&T nehmen Google stärker ins Visier. Ihnen stößt sauer auf, dass sie Milliarden in neue Netze investieren - und Internetunternehmen wie Google den Rahm abschöpfen. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke will sie deshalb künftig zur Kasse bitten, wenn sie sein Glasfasernetz nutzen wollen. Vor allem aber attackieren Konkurrenten wie der Softwaregigant Microsoft oder das Internet-portal Yahoo die Dominanz von Google. Yahoo setzt dabei im Gegensatz zu Google voll auf Personalisierung. Dienste wie Mein Yahoo mit auf jeden Einzelnen zugeschnittenen Nachrichten, Bildern oder Videos sollen dem Nutzer den Weg durch den Dschungel an Informationen weisen - gemäß dem Motto: "Es ist Dein Internet".
Wettlauf der Systeme
Einen Wettlauf der Systeme muss Google auch mit Microsoft ausfechten. Der Softwarekonzern setzt vor allem auf die schiere Verbreitung seiner Massenprodukte Office und Windows. "Ich mache mir Sorgen wegen Microsoft", gestand Google-Mitgründer Brin, nicht gerade ein ängstlicher Zeitgenosse, jüngst dem US-Nachrichtenmagazin "Time". "Ich habe keine Bedenken, mit ihnen zu konkurrieren, aber sie haben gesagt, sie wollen Google zerstören."
Als ob Brin und Page die Angriffe schon längst vorausgesehen hätten, ist ihr Googleplex in Mountain View wie eine Burg gestaltet. Alle fünf Gebäude sind über verglaste Brücken miteinander verbunden. Den Burggraben bilden die Parkplätze rund um das Gebäude. Die Zufahrten werden neuerdings von Wächtern kontrolliert. Im Innenhof ist ein von Bäumen und Rasen flankierter Beachvolleyballplatz aufgeschüttet, der an eine Terrasse mit Sonnenschirmen grenzt. In der Google-Burg ließe sich eine längere Belagerung wohl verkraften. Die Kühlschränke in der Cafeteria sind voller Getränke und mit Snacks gespickt. Statt labbrige Pizza und Cola gibt es hier frisch zubereiteten Salat, Lachs und Perrier. Vom Foyer geht es nach rechts zur Sushibar, nach vorn über eine riesige Holztreppe in die obere Etage. Dort liegt ganz hinten die Büro-Lounge der Gründer.
So sieht das Paradies aller Internetfreaks aus. Hier arbeiten sechs Milliardäre und hunderte von Multimillionären. Jede Woche kommen derzeit 50 neue Mitarbeiter hinzu. Noogler heißen sie intern, New Googler. Es sind die Besten der Besten; sie haben einen Intelligenzquotienten jenseits von 130, Interviews und Tests bis zum Umfallen überstanden.
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