Bewerbungsmarathon
6000 Mitarbeiter hat Google jetzt schon, aber noch immer muss jeder Kandidat einen Bewerbungsmarathon laufen. Entschieden wird von der sechsköpfigen Prüfungskommission im Konsens. Nicht mal die Gründer selbst dürfen eigenmächtig Mitarbeiter einstellen. Auch nicht Google-Vorstandschef Eric Schmidt, der Brin und Page seit fünf Jahren als Seniorpartner und Supervisor zur Seite steht.
"Ich darf nur vorschlagen, welche Mitarbeiter ich gern hätte", sagt Urs Hölzle, gebürtiger Schweizer und Architekt von Googles mächtigem Computernetzwerk. "So behalten wir alle das große Ganze im Auge." Der Ex-Professor aus der Nähe von Basel ist einer der ersten Mitarbeiter. Ab und zu bringt er Yoshka mit zur Arbeit in sein verglastes Büro, Googles "Top Dog" - ein achtjähriger Leonberger, dessen Fell noch struppiger ist als der schwarze Bart seines Besitzers. Hunde sind bei Google erlaubt, Katzen nicht. Pro Woche verbringt Hölzle fünf Stunden damit, Bewerbungsunterlagen durchzusehen. Nicht für seine eigene Abteilung, sondern für die der Kollegen.
Nicht böse, aber knallhart
Gerade hat er Udi Manber, den Chef der Suchmaschine A9, abgeworben. A9 gehört zum Online-Händler Amazon. Mehrere Wochen hatte Hölze allein gebraucht, um den bekannten Internetexperten dazu zu überreden, seine Bewerbungsunterlagen einzureichen. Die Prüfungskommission akzeptierte Manber. Seitdem ist Amazon-Chef Jeff Bezos, einer der ersten Google-Investoren und Freund der Gründer, leicht vergrätzt. Aber so ist eben das Geschäft - nicht böse, aber knallhart.
An Härte hat es Brin und Page nie gemangelt. So viel Reichtum und Macht hat noch nie jemand in so kurzer Zeit ange- häuft. Beide stammen aus einem akademischen Elternhaus. Brins Vater Michael, der mit seiner Familie 1979 von Moskau in die USA übersiedelte, lehrt Mathematik an der Universität von Maryland. Brins Mutter Eugenia arbeitet als Wissenschaftlerin bei der US-Raumfahrtagentur Nasa. Pages verstorbener Vater war Professor für Informatik. Sein Bruder Carl junior ist ein Dot.com-Millionär, der das von ihm mitgegründete Unternehmen Egroups im August 2000 für 432 Millionen Dollar an Yahoo verkaufte.
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