Der aktuelle Webbrowser von Microsoft
gilt mittlerweile als reichlich veraltet. Vor allem im Vergleich zu den aggressiven Neulingen Firefox und Opera, die dem Altmeister kräftig Marktanteile abgenommen haben. Mit der neuen Version Internet Explorer 7.0 soll jetzt aber alles besser, sicherer und schöner werden.
DÜSSELDORF. Das Handelsblatt hat sich eine Vorab-Version des deutschen IE7 schon einmal angeschaut. Voraussichtlich ab Mittwoch soll der IE7.0 "Beta" auf den Servern von Microsoft
für den allgemeinen Download zur Verfügung stehen. Vorab ein wichtiger Hinweis: Jede "Beta-Software" eines Herstellers kann noch mehr oder weniger schwere Mängel haben. Es wird daher dringend davon abgeraten, Beta-Software auf PC zu installieren, die beruflich genutzt werden, in Firmennetzen installiert sind oder wichtige Funktionen ausführen. Vor der Installation sollte immer eine Datensicherung durchgeführt werden.
Die Installation des IE7-Beta auf einem Fujitsu-Siemens Scaleo E mit Windows XP Professional (Servicepack 2) verlief problemlos. Als erstes verifiziert das Programm, ob die installierte Windows-Version ordnungsgemäß registriert wurde. Danach werden Einstellungen und Favoriten aus einer eventuell vorhandenen Vorgängerversion des Explorers übernommen. Ältere Versionen von Windows - wie 98 oder 95 - werden nicht mehr unterstützt.
Als erstes fällt die aufgeräumte Oberfläche mit weniger Knöpfen und Symbolen angenehm auf. Auf Wunsch kann aber auch ein "Klassikmodus" eingestellt werden, der dann wie der IE6.0 aussieht.
Der IE7 beherrscht jetzt das "Tabbed Browsing", das Opera und Firefox so beliebt gemacht hat. Dabei werden gleichzeitig mehrere Fenster im selben Browser aufgemacht und über kleine Karteikartenreiter angewählt. Microsoft
fügt jetzt noch einen praktischen Vorschaumodus für Webseiten hinzu, wie er von Powerpoint-Präsentationen bekannt ist. Die jeweils angeklickte Seite wird dann Bildschirm füllend geöffnet.
Mehrere Webseiten können in der deutlich überarbeiteten Favoritenverwaltung zusammengefasst und als Startordner festgelegt werden. Morgens öffnen sich dann alle wichtigen Seiten - zum Beispiel E-Mailprogramm, Börsen- und Nachrichtenseiten - wie von Zauberhand ein einem Rutsch. Eine Suchbox am rechten oberen Rand ermöglicht die Direktsuche in Suchmaschinen wie Google
, MSN oder Yahoo. Die Standardeinstellung kann verändert werden. Wer heute eine Google
-Suchbar im alten Explorer hat, bekommt Google
auch als Standard wieder.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die wichtigsten Neuerungen sind unsichtbar.
Die Verwaltung so genannter RSS-Feeds - individuelle Nachrichten-Ticker - wird automatisiert, funktionierte in der vorliegenden Version aber nicht einwandfrei. Später sollen Seiten mit RSS-Feed angezeigt und per Klick abonniert werden können.
Eine (überfällige) Verbesserung stellt die Druckvorschau dar, bei der störende URL-Zeilen am oberen oder unteren Rand vor dem Druck ausgeblendet werden können. Die Seiten werden an die Papiergröße angepasst. Angenehm für Sehbehinderte: Bei gedrückter "Strg"-Taste wird, wie auch beim Browser Opera, per Dreh am Mausrad jede Webseite stufenlos vergrößert.
Die wichtigsten Neuerungen sind aber unsichtbar. Die Verwaltung von so genannten "Sicheren Verbindungen" mit Zertifikaten wird verbessert. Ist von einem Zertifikatsnehmer kaum etwas bekannt, bekommt er einen schlechteren Rang als einer, der Daten wie Anschrift oder Sitzland beim Zertifizierer hinterlegt.
Per Datenbank ("Whitelist") und heuristischer Analyse (Abklopfen auf bekannte Merkmale typischer Phishingseiten) will Microsoft
den Datendieben das Handwerk legen. Werden bei einer Webseite mehrere kritische Merkmale erkannt, wird ein Warnmeldung angezeigt. Das System ist derzeit aber noch nicht voll eingerichtet, erklärte eine Microsoft
-Sprecherin auf Anfrage.
Praktisch: Wird der Internet-Sicherheitslevel (Menüs "Extras" - "Internetoptionen" - "Sicherheit") im Einzelfall für spezielle Seiten auf ein kritisches Maß herabgesetzt, wird gewarnt, wenn das Level auch später beibehalten wird. Ein Klick reicht dann, um den Sicherheitslevel wieder auf "Mittel" zurückzusetzen.
Im Praxistest arbeitete der IE7, das erste wirkliche große Update des Browsers seit 1999, flott vor sich hin. An die neuen Annehmlichkeiten gewöhnt man sich schnell. Allerdings auch dashalb, weil man so manches davon bereits bei Opera und Firefox lieb gewonnen hat. Die finale Version des IE7 für Windows XP soll noch 2006 erscheinen.


