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12.06.2008  | Aktualisiert 24.06.2008, 14:20 Uhr 
Web 2.0-Firmen

Die Euphorie weicht der Ernüchterung

von Till Hoppe

Neue Werbemöglichkeiten und kostengünstig produzierte Inhalte - das Mitmachnetz bescherte seinen Betreibern bisher schnellen wirtschaftlichen Erfolg. Doch das ist Vergangenheit, sagt eine Studie von Sanford C. Bernstein. Die Experten glauben, dass insbesondere das Werbegeschäft im Netz abflauen wird.

Auch Google-Chef Eric Schmidt hat Zweifel am Erfolg der Web 2.0-Firmen. Foto: ReutersLupe

Auch Google-Chef Eric Schmidt hat Zweifel am Erfolg der Web 2.0-Firmen. Foto: Reuters

DÜSSELDORF. Die bislang verhaltenen wirtschaftlichen Erfolge der sogenannten Web-2.0-Firmen haben die Diskussion um das Geschäftsmodell des Mitmach-Webs neu entfacht. Zwar rechnen Analysten nicht damit, dass die Internet-Branche einen vergleichbaren Einbruch wie im Jahr 2001 erleben wird. Dafür seien die Geschäftsmodelle vieler Firmen inzwischen zu robust, schreiben die Experten von Sanford C. Bernstein in einer Studie. Sie erwarten allerdings, dass die imposanten Wachstumsraten der Werbung und des Handels im Netz spürbar sinken werden.

Web 2.0 – mit diesem Begriff sind viele Ideen und große Erwartungen verbunden. Populär gemacht hat das Schlagwort der Verleger Tim O’Reilly. Gemeint sind Internetseiten, auf denen die Nutzer Inhalte bereitstellen und die maßgeblich vom Austausch untereinander leben. Charakteristisch für diese Angebote ist die Tatsache, dass sie um so attraktiver werden, je mehr Nutzer sich beteiligen. Soziale Netzwerke sind eine wichtige Gattung des Web 2.0, aber auch Technologien, die eine Zusammenarbeit erleichtern – etwa von Nutzern gefütterte Datenbanken wie Wikipedia oder Blogs –, gehören dazu.

Gerade wegen ihrer in der Regel hohen Nutzerzahl und den klar erkennbaren Interessen gelten Web-2.0-Angebote in der Theorie als attraktive Plattform für Werbung. Die Realität zeigt indes, dass es nicht so einfach ist, Werbung zu platzieren. Die Nutzer lehnen Anzeigen auf den von ihnen erstellten Seiten ab, die Besucher nutzen die Annoncen – sofern vorhanden – kaum.

Das müssen auch immer mehr Internet-Manager erkennen. „Die Web-2.0-Architektur ist nicht für Umsatz ausgelegt. Dort ist das Geld nicht“, sagte Google-Chef Eric Schmidt unlängst in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Noch vor zwei Jahren hatte er 900 Mill. Dollar für das Recht bezahlt, Werbung in der Kontaktbörse Myspace zu vermarkten. Kurze Zeit später übernahm Google für 1,6 Mrd. Dollar das Video-Portal Youtube. Jetzt ist die Ernüchterung groß: „Myspace bringt uns nicht so viel Geld, wie wir gedacht haben“, klagt Schmidt. Solche Aussagen markieren einen Wendepunkt. Es ist das erste Mal, dass der Chef des größten Web-Konzerns öffentlich Zweifel an der lange gehegten Hoffnung bekundet hat, das Mitmach-Internet und die sozialen Netzwerke seien die Goldesel der Zukunft.

Noch freilich sind die Bewertungen und damit auch die Erwartungen an die größten Online-Gemeinden gigantisch. Der Softwarekonzern Microsoft und der chinesische Investor Li Ka-shing kauften kleine Anteile an Facebook, nach Nutzern das zweitgrößte soziale Netzwerk weltweit, und taxierten dessen Wert auf 15 Mrd. Dollar. Eine ähnliche Summe geben Analysten für den Marktführer Myspace an, der zum Medienkonzern des Milliardärs Rupert Murdoch gehört.

Die Hoffnungen der Kapitalgeber gründen vor allem auf den beeindruckenden Mitgliederzahlen der Netzwerke. Facebook bringt es etwa auf 70 Millionen Nutzer. In Deutschland registrierten sich rund neun Millionen bei den beliebtesten Seiten Studi VZ und Schüler VZ, die wie das Handelsblatt zum Holtzbrinck-Verlag gehören.

Angesichts solcher Preise schütteln inzwischen viele Beobachter im Silicon Valley, dem Mekka der Internet-Szene, den Kopf. „Man fragt sich, auf welchen Umsatzfantasien die basieren“, sagt Mitchell Kertzman von der Venture-Capital-Firma Hummer Winblad. Bisher sind die Einnahmen der Netzwerke überschaubar: Myspace wird im laufenden Geschäftsjahr rund 900 Mill. Dollar umsetzen, 100 Mill. weniger als geplant; Facebooks Umsatz soll bei etwa 350 Mill. Dollar liegen.

„Wer in seinem sozialen Netzwerk unterwegs ist, denkt eben nicht daran, eine Waschmaschine zu kaufen“, bringt Google-Chef Schmidt das Problem auf den Punkt.

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