Spaßvideos journalistisches Konzept entgegengesetzt
Doch Bloggen war irgendwie nicht der richtige Dreh und bald war der Gedanke geboren, der unendlichen Flut von Spaßvideos im Internet ein journalistisches Konzept entgegenzusetzen. Das Projekt nahm im Sommer 2006 mit der Sixtus-Mail an die Handelsblatt.com-Redaktionsleitung mit dem Betreff: „Butter bei die Fische“ seinen Anfang.
Das darin vorgestellte Konzept eines „innovationsjournalistischen Angebots mit Fokus auf dem Internet und dessen gegenwärtigen und zukünftigen Auswirkungen auf Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft“ wurde nach „harten und erbarmungslosen Verhandlungen (O-Ton Sixtus)“ gemeinsam beschlossen und Sixtus schlüpfte fortan in die Haut des Elektrischen Reporters. Nicht ohne vorher einen autodidaktischen Crashkurs in digitaler Videotechnik bei viel Kaffee und wenig Schlaf zu absolvieren.
Wenn er seitdem einmal wöchentlich mit dem Mikro in der Hand seine Zuschauer „daheim an den Empfangsgeräten“ begrüßt, dann immer vor einer Video-Retro-Kulisse in Schwarz-Weiß, zusammengeschnitten aus Schnipseln alter Science Fiction Filme.
Thesen sind überhaupt nicht Retro
Überhaupt nicht Retro sind dagegen die Thesen, die seine Gäste aufstellen. Allesamt Internt-Vordenker, wie der US-Rechtsprofessor Lawrence Lessig, oder die Autoren David Weinberger und Peter Glaser. Ihnen räumt der Elektrische Reporter höflich alle Zeit ein, die sie brauchen, um auch schwierige Themen einleuchtend zu erklären. Was der Zuschauer damit anfängt, ist ihm übrigens im wahrsten Sinn des Wortes selbst überlassen, denn der Elektrische Reporter ist unter dem Creative Commons-Abkommen lizenziert und sendet über die „angeschlossenen Funkhäuser“, also Videoplattformen wie Sevenload und Youtube in die Welt hinaus. Das heißt: Wer Auszüge aus den Videos weiter verarbeiten will, darf das als Privatmann grundsätzlich tun.
Derzeit bereitet Mario Sixtus alias Elektrischer Reporter eine Recherchereise in die USA vor und verabschiedet sich bis zur nächsten Folge mit: „Das war es auch schon liebe Zuschauer, ich wünsche Ihnen eine Inspirierte Woche, bleiben sie uns gewogen und schalten Sie auch das nächste Mal wieder ein, ihr Elektrischer Reporter.“

