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20.11.2008 
Online-Bibliothek Europeana

EU macht Google Konkurrenz

von Eric Bonse

Europäische Union hat ihre neue Online-Bibliothek Europeana auf den Weg gebracht. Neben Büchern bietet Europeana auch Zugriff auf alte Zeitungen und Original-Manuskripte sowie Fotos, Gemälde und Filme. Eine kostenlose Konkurrenz zum Projekt des Internet-Konzerns Google - doch der steht Europeana gelassen gegenüber.

Bis 2010 soll die Online-Bibliothek auf 10 Millionen Werke anwachsen. Foto: webLupe

Bis 2010 soll die Online-Bibliothek auf 10 Millionen Werke anwachsen. Foto: web

BRÜSSEL. Die Europäische Union hat am heutigen Donnerstag ihre neue Online-Bibliothek lanciert. Unter den schönen Namen Europeana kann der Leser zwei Millionen Objekte - darunter die Deklaration der Menschenrechte, Baudelaires „Blumen des Bösen“ oder Originalbriefe von Wolfgang Amadeus Mozart – suchen und lesen. Damit macht die EU der Buchsuche des amerikanischen Internet-Konzerns Google Konkurrenz – zumindest theoretisch. Denn während Bücher bei Google zwar gesucht, meist aber nur gegen Bezahlung gelesen werden können, ist der neue EU-Dienst kostenlos.

Neben Büchern bietet Europeana auch Zugriff auf alte Zeitungen und Original-Manuskripte sowie Fotos, Gemälde und Filme. Der größte Teil der Werke (52 Prozent) stammt aus französischen Museen und Bibliotheken, da Frankreich in der Digitalisierung führend in Europa ist. Deutschland liegt mit einem Prozent weit abgeschlagen noch hinter Großbritannien (10 Prozent) oder Luxemburg (1,5 Prozent). Das werde sich allerdings bald ändern, heißt es in der Brüsseler EU-Kommission. 300 000 Objekte warteten derzeit auf ihre Digitalisierung, bis 2010 soll die europäische Online-Bibliothek sogar 10 Millionen Werke anbieten.

Damit liegt die EU zwar immer noch weit hinter Google, das schon jetzt über 7 Millionen Bücher verzeichnet. Doch der Wunsch, zum US-Giganten aufzuschließen, ist offensichtlich. Die französische Regierung, die das Projekt vorgeschlagen und vorangetrieben hat, sah in Europeana ursprünglich sogar ein Gegenmodell zum kommerziellen Suchdienst aus den USA. Es gehe nicht an, dass Google die Kulturschätze Europas plündere, um sie hinterher gewinnträchtig zu vermarkten, hieß es lange in Paris.

In Brüssel ist davon jedoch keine Rede mehr. Europeana sei „keine Konkurrenz zu Google“, sagte Jill Cousins, der das EU-Projekt betreut. Vielmehr seien beide Dienste „komplementär“. Ähnlich scheint dies auch Google zu sehen. Der Start der EU-Bibliothek sei eine „gute Nachricht“, heißt es im Weblog des US-Dienstes. Google wolle sogar mit Europeana kooperieren. „Digitalisierungs-Projekte wie Europeana geben ein starkes Signal an Autoren, Verlage, Bibliotheken und Technologiefirmen, dass man zusammenarbeiten und den Zugang zum kollektiven Wissen der Welt demokratisieren kann“, schreibt Projektleiter Santiago de la Mora.

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