Jörg Stadler hat direkt gewechselt. Schon als die erste Betaversion des Web-Browsers Firefox im Netz stand, hat sie sich der Manager in der Supercomputer-Division von NEC auf seinen Laptop geladen. Und seit gut zwei Wochen nun nutzt er den Internet-Explorer (IE) von Microsoft
nur noch dann, wenn es gar nicht mehr anders geht. Etwa um Web-Seiten von Microsoft
aufzurufen um mit der hausinternen CRM-Software von Siebel zu arbeiten. "Firefox ist einfach schneller und leichter zu bedienen", sagt Stadler. Bislang ist er rundum zufrieden.
HB DÜSSELDORF. So wie Jörg Stadler haben bislang rund fünf Millionen Web-Surfer dem allgegenwärtigen Internet-Explorer von Microsoft
den Rücken gekehrt, wenn man den Analysen der Web-Statistiker Statone.com glauben darf. Der kumulierte Marktanteil der Microsoft
-Browser (5.X, 5.5 und 6.0) wäre demnach von über 95 auf unter 90 Prozent gefallen.
Auch Dirk Freytag von der Adtech AG in Dreieich beobachtet den rasanten Aufstieg des alternativen Browsers. Adtech betreibt für ihre Kunden Server, auf denen Internet-Werbung (zum Beispiel Banner für Webseiten) zum Abruf bereitgehalten wird. Bei einer Anforderung überträgt der anfragende Browser des Web-Surfers einen Datensatz, aus dem man auch den Hersteller erkennen kann.
Nach den jüngsten Erhebungen aus Millionen von Anfragen pro Tag hat der Feuerfuchs einen Marktanteil von 4,56 Prozent und damit die Firefox-Mutter Mozilla (2,36 Prozent) und den norwegischen Konkurrenten Opera (1,05 Prozent) aus dem Stand hinter sich gelassen. Das könnte hauptsächlich für die börennotierte Opera Software ASA zum Problem werden, die für das dritte Quartal 2004 zwar ein Umsatzplus von 36 Prozent auf 24 Mill. norwegische Kronen gegenüber dem Vorjahresquartal gemeldet hat, aber auch den Verlust (Ebit) von einer auf 2,4 Mill. Kronen vergrößert hat. Doch auch Microsoft
muss Federn lassen. Firefox (Download unter www.getfirefox.de) liegt zwar hoffnunglos hinter Microsofts
"IE 6.0" (80,45 Prozent), kommt aber auf Sichtweite an den Internet-Explorer der Version 5.5 heran (5,28 Prozent).
Gerade bei der Ablösung alter Explorer-Versionen, sehen Marktforscher ein großes Feld für alternative Browser, da die neuesten Microsoft
-Browser nicht mehr für alte Betriebssysteme angeboten werden, aber viele Kunden - hier vor allem Unternehmen - nicht das Betriebssystem wechseln wollen, nur um in den Genuss der neuesten Browsersoftware zu gelangen.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein Erfolg der Open-Source Gemeinde
Der Erfolg des Firefox ist ein Erfolg der Open-Source Gemeinde. Die Mozilla Foundation, Entwicklerin von Firefox und aus dem frühen Internet-Pionier Netscape entstanden, ist eine gemeinnützige Organisation, die sich die Unterstützung von Projekten auf Basis so genannter "Open Source"-Software wie zum Beispiel Linux zur Aufgabe macht. Open-Source-Entwickler dürfen - verkürzt ausgedrückt - die Arbeit anderer umsonst nutzen, wenn sie sich verpflichten, ein dadurch entstandenes Software-Tool im Gegenzug auch wieder der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen.
Auch Stefan Richter von der Hamburger Software-Firma Freiheit.com ist ausgewiesener Firefox-Freund. Der Softwarehersteller gehört zu den 2403 Spendern, die auf der Web-Seite www.firefox-kommt.de zusammen rund 48 000 Euro für eine ganzseitige Zeitungsanzeige gespendet haben, die demnächt geschaltet werden soll. Gut 59 Prozent der Spenden kommen nach Angaben der Webseitenbetreiber von Studenten.
Eine frei zugängliche Alternative zum Microsoft
-Browser ist nach Meinung von Richter nötig, um den den Zugang zum Web zu garantieren. "Wenn Microsoft
morgen beschließen würde, dass der Internet- Explorer Geld kosten soll, müssten 90 Prozent der Surfer zahlen", so Richter. Ein häufig genannter Grund für die Abkehr vom Microsoft
-Browser ist die Angst vor Viren und Trojanern (Schadprogramme, die "Hintertüren" im Rechner öffnen, um danach häufig selbsttätig weitere Schadprogramme nachzuladen). Laufend verunsichern neue Meldungen über kritische Sicherheitslücken Microsoft
-Anwender.
Dass gerade der Microsoft
- Browser so häufig Ziel von Netzattacken ist, liegt nach Einschätzung von Sicherheitsexperten auch an der Marktmacht des Internet-Explorers: Es ist für jeden Hacker lohnender, einen Virus zu programmieren, der 90 Prozent der Rechner befallen kann, als einen für fünf Prozent.
Dennoch wäre der Firefox auch bei einer größeren Verbreitung besser geschützt als der Internet Explorer, sagt Richter. Schon weil der Quellcode von Firefox offen zugänglich ist, können mehr Nutzer aktiv nach Fehlern suchen als beim Internet-Explorer. Dessen Code kennt nur Microsoft
.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Was macht Firefox so attraktiv?
Was macht Firefox so attraktiv?
Schlank und schnell: Die Software ist gerade mal 4,5 Megabyte groß und auf das Surfen im Web spezialisiert.
Leichter Zugriff auf Seiten: Anstatt ein eigenes Browser- Fenster für jede Webseite zu öffnen, können mehrere Webseiten in einem Browser-Fenster angezeigt werden. Der User kann zwischen den Seiten bequem wechseln.
Werbe-Blocker: Ermöglicht es, individuell Pop-up-Fenster zu blockieren oder zuzulassen.
Flexibler Cookie-Manager: Der Nutzer kann einfacher festlegen, welche Websites Cookies setzen dürfen und welche nicht.
Download-Manager: Downloads laufen im Hintergrund ab. Der Verlauf kann über ein separates Fenster kontrolliert werden.

