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23.05.2007 
Internet-Browser

Firefox macht der Erfolg zu schaffen

Der Internet-Browser Firefox hat auf seinem weltweiten Eroberungszug dem Konkurrenten Internet Explorer von Microsoft Marktanteile abgejagt und wirft obendrein auch immer mehr Umsatz ab – das bringt jedoch die Balance des Open-Source-Projekts ins Wanken.

Der Internet-Browser Firefox macht Microsofts Internet Explorer Konkurrenz.Lupe

Der Internet-Browser Firefox macht Microsofts Internet Explorer Konkurrenz.

bn BERLIN. An der Entwicklung des Internet-Browsers Firefox haben rund 2000 Menschen mitgearbeitet – die meisten von ihnen haben dafür keinen Cent bekommen. Das zeichnet so genannte Open-Source-Anwendungen wie den Firefox aus: Sie werden nicht von einem festen Stab von Programmierern entwickelt, sondern von einer offenen „Community“ im Internet, üblicherweise ohne Bezahlung. Nun hat aber die Mozilla-Stiftung, die das Projekt Firefox koordiniert, ein ungewöhnliches Problem: Der Konkurrent von Microsofts Internet Explorer ist erfolgreich – und Mozillas Einnahmen steigen rasant an.

Der Umsatz der Stiftung kletterte von sechs Millionen Dollar im Jahr 2004 auf 52 Millionen im Jahr darauf (die Zahlen für 2006 hat Mozilla noch nicht veröffentlicht). Das stellt die Stiftung – die qua Rechtsform keinen Gewinn machen darf – vor die Frage, was sie mit all dem Geld anfangen soll und wie sie gleichzeitig ihre Unabhängigkeit und den Non-Profit-Gedanken wahrt.

Mozilla befindet sich dabei in guter Gesellschaft: Auch die Internet-Enzyklopädie Wikipedia kämpft mit der schwierigen Balance zwischen wachsendem Erfolg einerseits und dem „Community“-Gedanken und finanzieller Unabhängigkeit andererseits. Bislang lebt Wikipedia im Wesentlichen von Spenden, doch mit Blick auf die große Nachfrage und zukünftige Ziele denken die Gründer des Online-Lexikons seit einiger Zeit darüber nach, Anzeigen auf der Seite zu verkaufen.

Marktanteil deutlich gesteigert

Firefox hat seinen weltweiten Marktanteil in den vergangenen Jahr deutlich gesteigert auf derzeit rund 15 Prozent. Der Internet Explorer, im Jahr 2002 mit 97 Prozent fast ein Monopolist, kommt auf 78 Prozent, Apples Browser Safari auf rund fünf Prozent. Besonders beliebt ist der Firefox in Deutschland: Hier zu Lande nutzt jeder Dritte den Mozilla-Browser für den Zugang ins Internet, wie eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Onestat im vergangenen Jahr herausfand.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Google zahlte Millionen – Geheimes Abkommen

Google zahlte Millionen

Das Geld stammt bei Mozilla vor allem aus einem Vertrag mit Google: Der Suchmaschinen- Gigant zahlte mehr als 100 Millionen Dollar, damit seine Seite als Standard-Startseite beim Firefox vorinstalliert ist. Mozilla hat mittlerweile 90 Mitarbeiter und neben deren Gehältern will die Stiftung mit den Einnahmen „Community“-Projekte bezahlen, ohne bislang konkret zu benennen, was das ist. Geld an die vielen Helfer aus der „Community“ zu verteilen, kommt nicht in Frage, denn daraus könnten eine Menge Probleme erwachsen. Etwa das, wer wieviel bekommt, wo doch mancher mehr und ein anderer weniger zur Weiterentwicklung des Firefox beigetragen hat.

Bei der Suche nach einer Lösung für das Problem mit dem Geld setzte Mozilla – wie bei der Weiterentwicklung seines Browsers – zunächst auf die „Community“. „Wir haben sie erstmal gefragt, was wir mit den Einnahmen anfangen sollen – aber die Community hatte auch keine überzeugende Idee“, sagte Mitchell Baker, Präsidentin der Mozilla Stiftung, der „New York Times“.

Geheimes Abkommen mit Google

Nicht nur die Einnahmen aus dem Abkommen mit Google bringen Mozilla in eine Zwickmühle. Um die damit verbundenen Aufgaben, etwa in steuerlicher Hinsicht, bewältigen zu können, hat die Stiftung eine Tochterfirma gegründet. Doch damit ging ein Stück der Transparenz verloren, die für gewöhnlich eines der Grundmerkmale von Open-Source-Projekten ist und die auch im so genannten Mozilla- Manifest verankert ist. Das lag unter anderem daran, dass Google darauf bestand, dass das Abkommen zwischen den beiden Partnern geheim bleibt.

Daraus entstand dann eine Diskussion darüber, inwiefern die Weiterentwicklung von Firefox noch unabhängig ist oder ob Google darauf Einfluss nimmt. Die Mozilla-Stiftung weist letzteres zurück. Doch Skeptiker vermuten weiterhin, dass Google mit Hilfe des Browsers Firefox sein noch relativ junges Geschäftsfeld der Web-basierten Software-Anwendungen ausbauen möchte und es dabei gelegen kommt, wenn an der Vormachtstellung des Konkurrenten Microsoft und seines Internet Explorers gerüttelt wird.

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