04.05.2007

Online-Portale: Geld verdienen in Zeiten der Weblogs

Die Suche nach kreativer Vermarktung von Online-Inhalten geht weiter. Der Online-Dienst Shoppero ist ein weiterer Versuch, mit Inhalten, die in Weblogs und Sozialnetzwerken entstehen, Geld zu verdienen – und gleichzeitig die Nutzer als Autoren zu beteiligen.

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Unternehmer setzen auf Weblogs. Illustration: Nils FliegnerLupe

Unternehmer setzen auf Weblogs. Illustration: Nils Fliegner

DÜSSELDORF. Nico Lumma ist enttäuscht: „Es sieht so aus, als ob ich so circa alle drei Monate einen neuen tragbaren Computer aus dem Hause Apple bräuchte, kann man da ein Abo abschließen, bei dem ich die übrig gebliebenen Teile dann einfach beim Apple-Händler an der Ecke ausklinke und mir einen neuen ergreife?“

Früher hätte er sein Leid mit einem Dutzend anderer Menschen geteilt. Denn so vielen Bekannten berichten frustrierte Kunden durchschnittlich über ihre Unzufriedenheit, sagt die Kommunikationsforschung. Heute gibt es das Internet. Und so hat Lumma Tausenden von Lesern sein Apple-Leid geklagt – in seinem Weblog Lumma.de.

Genau solche authentischen Verbrauchersorgen – und natürlich auch Lobeshymnen – will Lumma nun zu einem neuen Geschäftsmodell machen. Heute wird der Internet-Experte, der Geschäftsführer mehrerer kleiner Startups aus dem Umfeld des Werbevermarkters Orangemedia ist, auf dem Branchentreff Next07 in Hamburg eine neue Kreation vorstellen: Shoppero.

Dass solche Modelle entstehen, beweist, dass der kräftig wachsende Markt der Online-Werbung vor einem Umbruch steht. 1,9 Mrd. Euro sollen deutsche Unternehmen 2006 in Internet-Werbung investiert haben, schätzt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Der weitaus größte Teil davon wird danach bezahlt, wie oft eine Werbung gesehen oder angeklickt wurde. Deshalb versuchen die großen Nachrichtenportale, ihre Klickzahlen mit Massenware wie Bildergallerien nach oben zu treiben. Doch verschiedene neue Programmiermöglichkeiten bieten nun Anwendungen, in denen die Nutzer nur in ihrem eigenen Browser navigieren. Folge: Der Anbieter bekommt diese Klicks gar nicht mehr mit – die Berechnungsgrundlage vieler Internet-Werbeformen muss sich ändern.

Auch Shoppero-Chef Lumma sieht eine „sich verändernde Werbewelt“. Er will von Nutzern erschaffene Inhalte „veredeln“. Wie das gehen soll? Wer ein Weblog betreibt und über Konsumgüterprodukte schreibt, kann diese Kritiken bei Shoppero einstellen. „Ob er den Text nur dort veröffentlicht oder auch auf seinem Blog, bleibt dem Autor überlassen“, erklärt Lumma. Die Leser seines Blogs macht der Schreiber per Link auf den Shoppero-Artikel aufmerksam. Folge: Viele Weblogs werden auf Shoppero hinweisen und das Angebot so bei Google nach oben drücken. Die Suchmaschine bevorzugt Seiten, auf die andere Internet-Seiten verlinken. Somit sollen Surfer, die auf der Suche nach Produktinformationen sind, auf Shoppero stoßen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schon vor dem Start sieht sich das Geschäftsmodell heftigen Attacken ausgesetzt.

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