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24.04.2007 
Essay

Generation Web 0.0

von Thomas Knüwer

Während unlängst das „Web 2.0“ ausgerufen wurde, gibt es immer noch erstaunlich viele Deutsche, die überhaupt keinen Zugang zum Internet haben. Gerade bei Entscheidungsträgern kann dieses Defizit zu groben Fehleinschätzungen führen.

Bei deutschen Entscheidern macht es häufig nicht "klick" - viele sind noch immer offline. Foto: apLupe

Bei deutschen Entscheidern macht es häufig nicht "klick" - viele sind noch immer offline. Foto: ap

Michael Glos ist „Bundesminister für Wirtschaft und Technologie“. Wer solches auf seine Visitenkarte schreibt, von dem erwarten die meisten Bürger wohl, dass er die grundlegende Anwendung von Alltagstechniken beherrscht. Telefonieren zum Beispiel, Autofahren, E-Mail-Schreiben oder Internet-Surfen.

Wer hier zustimmt, dem kann das offene Bekenntnis von Michael Glos während der IT-Messe Cebit nur mit Verwunderung aufnehmen: „Das Handy zu bedienen ist schon viel“, sagte der Minister zu Spiegel Online. „Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen.” Man weiß nicht, was mehr verblüfft: Dass ein Minister Mühe hat, mit dem Handy umzugehen? Dass er keine E-Mails verschickt? Oder dass er darüber sogar erleichtert ist?

Allein ist Glos mit seiner Haltung nicht. Weite Teile der deutschen Entscheider tummeln sich weder im Web 2.0 noch im Web 1.0 – sie gehören zur Generation Web 0.0.

Zum Beispiel Werner Müller, Chef des Mischkonzerns RAG. Keinen Computer hat er im Büro. Die „wesentlichen Inhalte“ des Internets lasse er sich „vorlegen“, erzählt er ohne Argwohn in einem Video für den Branchentreff „Tag des Wirtschaftsjournalismus“.

Oder Jörg Zierke. Dem Chef des Bundeskriminalamtes wurde bei einem Fachgespräch der Grünen zum Thema Bürgerrechte vom Dresdner Datenschutzprofessor Andreas Pfitzmann vorgeworfen: „Mit dieser Unbefangenheit über Informatik reden kann nur jemand, der nicht mit Informatik arbeitet.“ Zierkes entwaffnend naive Antwort: „Ich sage auch nur, was mein Mitarbeiter aufschreibt.“

Medientheoretiker philosophieren seit den ersten für Normalbürger erschwinglichen Personalcomputern über die „digitale Spaltung“ der Welt: Eine Kluft, sagten sie, entstehe zwischen den reichen, digitalisierten Nationen und den armen Staaten ohne flächendeckende Internetversorgung. Ebenso könnte sich dieser Graben innerhalb von Ländern auftun – zwischen Städten mit guter Online-Anbindung und schlecht verkabelten ländlichen Gegenden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine digitale Spaltung existiert

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