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15.01.2008 
Konkurrenz für Wikipedia

Google will Wissen schaffen

von Axel Postinett

Der Web-Gigant Google weitet seinen Machtbereich aus. Mit der Web-Enzyklopädie „Google Knol“ will der Suchmaschinenbetreiber Wissen selber schaffen statt nur organisieren. Das Konzept von Knol ist nicht neu - und bislang auch nicht sonderlich erfolgreich.

Google weitet seinen machtbereich aus Foto: apLupe

Google weitet seinen machtbereich aus Foto: ap

DÜSSELDORF. Früher wollte Google nur „das Wissen der Welt digital organisieren und zugänglich machen“. Heute ist es dem Suchmaschinengiganten nicht mehr genug, nur auf fremdes Wissen zu verweisen: Mit der Web-Enzyklopädie „Google Knol“ werden bald in großem Stil von Google kontrollierte Inhalte auf den Servern liegen, um sie – mit passender Werbung versehen – an den Web-Nutzer zu bringen. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt nach der Übernahme der Videoplattform Youtube vom Weborganisator zum Web-Inhalteanbieter.

Anders als bei der Wissensdatenbank Wikipedia sollen bei Knol nur namentlich genannte Autoren schreiben. Die sollen auch allein für ihre Inhalte verantwortlich sein. Es darf mehrere „Knols“ zum gleichen Thema geben, um die Konkurrenz zu stärken. Die Autoren werden an Werbeeinnahmen aus Anzeigen beteiligt werden, heißt es. Google hat im dritten Quartal 2007 rund 4,2 Mrd. Dollar umgesezt, fast ausschließlich mit Online-Textanzeigen, die an Suchworte geknüpft sind.

Googles Problem heute: Die ersten Treffer bei einer Google-Suche sind regelmäßig Verweise auf Wikipedia-Seiten. Dort kann Google aber nicht werben, da die Mutter Wikimedia eine Non-Profit-Organisation ist und anzeigenfrei bleiben muss.

Knol soll die Toppositionen der Trefferlisten zurückerobern und die Position im Online-Werbemarkt damit ausbauen. „Ein Knol zu einem Thema soll das erste sein, was der Suchende im Internet aufrufen will“, schreibt Projektmanager Udi Manber im Google-Blog. Man werde Knols keine Sonderbehandlung in den Trefferlisten einräumen, aber sie „da platzieren, wo sie hingehören“. Darin habe man viel Erfahrung.

Das dürfte für kleine Knol-Konkurrenten letztlich eine Herabstufung nach sich ziehen. Zumal das Google-Angebot durch den finanziellen Anreiz und die Namensnennug Qualitätsprobleme und Vandalismus (bösartige Verfälschungen) vermeiden will, die Wikipedia in Verruf bringen. Das könnte eine Höherbewertung von Knols nach sich ziehen.

Knol greift eine Idee von Wikipedia-Aussteiger Larry Sanger auf. Dessen Enzyklopädie „Citizendium“ ist ebenfalls gemeinnützig, seit einem Jahr online und setzt auf namentlich bekannte Experten. Bislang ist Citizendium allerdings wenig erfolgreich.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, der eine Wikipedia-Suchmaschine als Google-Konkurrenten plant, gibt sich derweil betont gelassen: „Google macht viele coole Sache“, erklärte er. „Aber viele davon stellen sich dann doch als nicht wirklich so großartig heraus.“ Google hatte unter anderem ohne großen Erfolg versucht, Yahoo bei E-Mails anzugreifen und mit „Orkut“ gegen die Social-Networking-Plattformen Myspace und Facebook zu konkurrieren.

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