Hauptargument der Kritiker von Open XML: Mit der ISO-Norm 26300 existiert bereits ein zertifzierter Standard für Office-Dokumente. Denn die Non-Profit-Organisation OASIS (Organization for the Advancement of Structured Information Standards) war schneller als der Großkonzern. Sie legte das Format der kostenlosen Office-Suite Open Office dem internationalen Standardisierungsgremium zur Verabschiedung vor. Dabei wurde von vorne herein darauf geachtet, dass der Standard herstellerunabhängig von allen Software-Anbietern umgesetzt werden kann. Der ausgesprochenen Einladung an Microsoft, an diesem Standard mitzuarbeiten, folgte eine Absage aus Redmond.
Bereits im November 2006 erhob das Gremium das freie Format zum internationalen Standard. Deshalb sieht es für Microsoft jetzt schlecht aus. Denn zwei Normen für den selben Anwendungsbereich führen das Prinzip von Standards ad absurdum. Das sieht auch die ISO üblicherweise so. Zudem gab es seit der Anerkennung von Open Document als ISO-Norm bereits einige Initiativen öffentlicher Verwaltungen rund um den Globus, auf das offene Format umzusteigen: unter anderem in Belgien, Großbritannien, Frankreich und dem US-Bundesstaaat Massachusetts. Selbst Microsoft konnte den Standard nicht ganz ignorieren und bietet immerhin ein » Plugin an, mit dessen Hilfe sich Open-Document-Dateien in Microsoft Office lesen und bearbeiten lassen.
Auch der Politik ist Microsofts Quasi-Monopol im Bereich der Office-Produkte und den Desktop-Betriebssystemen diesseits und jenseits des Antlantiks ein Dorn im Auge. Während das US-amerikanische Antitrust-Verfahren um die Jahrtausendwende allerdings im Sande verlief, lässt die EU-Komission nicht locker: Immer wieder haben die Wettbewerbshüter der EU dem Software-Riesen Vertragsstrafen angedroht, sollte er die Spezifikation der Netzwerkschnittstelle von Windows gegenüber Konkurrenten nicht offenlegen. Passiert ist seitdem wenig.
Weg der kleinen Schritte
In einem anderen Bereich hat sich Microsoft tatsächlich bewegt: Die neueste Version des Internet Explorers ist die erste, welche die vom W3-Konsortium festgelegten Webstandards für HTML, XHTML und CSS standardkonform umsetzt. Zuvor mussten Webdesigner ihre Seiten jahrelang an den Microsoft-Browser anpassen. Eine Website, die mit standardkonformen Browsern wie Mozilla Firefox und Opera korrekt angezeigt wurde, funktionierte im Internet Explorer noch lange nicht. Das Netz ist voll von Kommentaren frustrierter Website-Bauer, die sich über das oft kaum nachvollziehbare Verhalten des Browsers beschweren.
Doch Microsofts offenkundige Strategie, Browser-Konkurrenten aus dem Markt zu drängen, ist nicht aufgegangen: Spätestens seit der Open-Source-Browser Mozilla Firefox immer beliebter wird, setzen die Webdesigner wieder auf standardkonformes HTML, statt ihre Seite für den Microsoft-Browser zu optimieren. Als Ironie der Computergeschichte kann gelten, dass für den Internet Explorer 6 optimierte Webseiten im neuen Internet Explorer 7 dank der neuen Standardkonformität teilweise falsch angezeigt werden.
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