Die hohe Relevanz offener Formate hat offenkundig auch der Deutsche Bundestag erkannt. Wer sich die Entschließung des höchsten deutschen Parlaments zur Empfehlung offener Standards in der öffentlicher Verwaltung aber genauer durchliest, für den drängt sich der Eindruck auf, dass hier deutliche Zugeständnisse an Microsoft gemacht wurden. Standards gelten nach der Bundestags-Definition als offen, sobald sie den Austausch zwischen verschiedenen Plattformen und Applikationen ermöglichen und ausreichend dokumentiert sind. Dazu reicht es aus, wenn Software-Unternehmen ihre Schnittstellen unter „fairen und diskriminierungsfreien Konditionen“ freigeben, wobei unklar bleibt, was das bedeutet.
Der FFII brandmarkt das Gesetz der großen Koalition als „Lex Microsoft“. Open-Source-Software werde so vom Wettbewerb ausgeschlossen, da mit der Nutzung der proprietären Schnittstellen Lizenzkosten und Patentabkommen verbunden seien. Der Verein dokumentiert den gesamten Fall ausführlich in seinem » Wiki.
Auch die Opposition krisitiert die Bundestags-Resolution: „Das ist so, als würde man umweltfreundliche Autos fördern wollen, indem man Benzinschluckern wie den großen Sportgeländewagen Q7, X5, Touareg und wie sie alle heißen das Label umweltfreundlich gewährt,“ sagte Grietje Bettin von Bündnis'90/Die Grünen.
Anders sieht die Lage in Japan aus: Dort hat die Regierung in der letzten Wochen beschlossen, künftig echte offene Standards wie Open Document gegenüber proprietären Formaten vorzuziehen und läutet damit ein Umdenken ein: Bisher war auch in Japan Software bevorzugt worden, die mit den verbreitesten Formaten zusammenarbeitet.
Ausgang ungewiss
Es bleibt spannend im Kampf der Formate. Selbst wenn die ISO den neuen Microsoft-Standard ablehnen sollte, könnte die enorme Marktmacht der Redmonder durchaus dazu führen, dass die Microsoft-Monokultur erhalten bleibt. Dem gegenüber stehen Bestrebungen vieler Regierungen der Welt, offene Formate zu fördern und in den eigenen Verwaltungen durchzusetzen, um sich aus der kostspieligen Abhängigkeit von Microsoft zu lösen.
Ein anderes IT-Schwergewicht hat hat sich bereits positioniert: IBM gilt als klarer Unterstützer des Open-Document-Formats der Microsoft-Gegner. Und auch Google hat ihn in seine Online-Office-Suite eingebaut – neben dem Microsoft-Standard.


