Die Bundesnetzagentur hat am Dienstag in Mainz die Versteigerung der so genannten Wimax-Frequenzen für den funkgestützten breitbandigen Internetzugang gestartet. Sechs Bieter buhlen um die Pakete.
Bei Wimax werden die Datenpakete auch über große Entfernungen gefunkt. Der Empfänger benötigt dazu eine spezielle Antenne. Foto: dpa
HB MAINZ. Bei der Versteigerung haben die beteiligten Unternehmen bis Dienstagnachmittag mehr als 51,2 Millionen Euro geboten. „Dieses Verfahren hat eine erhebliche Bedeutung für die deutsche Wirtschaft“, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, vor Beginn der Auktion in Mainz. Um die Wimax-Frequenzen bewerben sich insgesamt sechs Unternehmen aus Deutschland, Italien und Luxemburg.
Wimax erlaubt es, ganze Regionen per Funk und mit Geschwindigkeiten wie bei DSL an das Internet anzuschließen. Es sei die Hoffnung der Politik, dass mit Hilfe der neuen Technik die weißen Flecken in Deutschland bei breitbandigen Internetzugängen beseitigt werden, erklärte Kurth. An der Versteigerung nehmen ausschließlich Unternehmen teil, die bislang weder als Festnetzbetreiber noch als große Mobilfunkanbieter auf dem deutschen Markt tätig sind. Zugelassen zur Auktion wurden die Firmen Clearwire Europe, Deutsche Breitband Dienste (DBD), EWE TEL, Inquam Broadband, MGM Productions und Televersa Online.
Bundesrepublik in 28 Regionen eingeteilt
Zum Zweck der Versteigerung wurde die Bundesrepublik in insgesamt 28 Regionen eingeteilt, in welchen die Bieter jeweils vier Frequenzpakete ersteigern können. Die Versteigerung verlief am Dienstag zunächst schleppend. Auf 25 der insgesamt 112 Frequenzpakete wurde bis zum späten Nachmittag kein Gebot abgegeben. Hart umkämpft waren lediglich die Frequenzen für die Regionen Weser-Ems, Bremen, Hannover sowie Oberbayern.
Nach sechs Bieterrunden zeichnete sich bis zum Dienstagnachmittag ab, dass die luxemburgische Firma Clearwire sowie die deutschen Unternehmen DBD und Inquam versuchen werden, bundesweit Frequenzen zu ersteigern. Die übrigen drei Bieter tauchten nur in einzelnen Regionen mit Höchstgeboten auf. Mit rund zwei Millionen Euro wurde am meisten für die Frequenz in der Region acht geboten, die neben Bonn, Düsseldorf und Köln auch Teile des Ruhrgebiets umfasst.
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„Neue Chancen für neue Marktteilnehmer“
Die Auktion findet in den selben Räumen statt, in denen 2000 nach gleichem Verfahren auch die UMTS-Frequenzen versteigert wurden. Allerdings werde die Versteigerung diesmal schneller ablaufen als bei der vielbeachteten UMTS-Versteigerung, sagte Behördenchef Matthias Kurth. Vor sechs Jahren hatten sich die großen Mobilfunkanbieter in drei Wochen hartnäckig überboten und sich Lizenzkosten in Milliardenhöhe aufgebürdet.
Kurth sagte, die breitbandige Funktechnologie biete neue Chancen für neue Marktteilnehmer. Unternehmen, die bei der Auktion erfolgreich sind, müssten bis 2009 insgesamt 15 Prozent und bis 2011 insgesamt 25 Prozent aller Gemeinden in ihrem Gebiet mit Hilfe der neuen Technik an das Internet angeschlossen haben. Allerdings gehe er davon aus, dass der Netzaufbau schneller vonstatten gehe, sagte der Präsident: „Wir setzen auf das ökonomische Kalkül der Anbieter.“ Bislang gibt es in Deutschland große ländliche Gebiete, in denen über Festnetz kein DSL angeboten wird. Hier könnte Wimax die Lücke schließen.
„Wir vergessen keinen Bürger“
Der Chef der Deutschen Breitband Dienste (DBD), Fabio Zoffi, sagte, sein Unternehmen wolle in den kommenden fünf Jahren rund eine Milliarde Euro in den Aufbau eines bundesweit flächendeckenden Wimax-Netzes stecken: „Wir vergessen keinen Bürger, der heute kein DSL hat.“ DBD wolle die Zahl seiner Kunden von derzeit rund 15 000 im kommenden Jahr auf mehr als 100 000 und in fünf Jahren auf mehr als eine Million steigern: „Wimax hat das Potenzial, eine neue Mobilfunkindustrie zu schaffen.“ Wie lange die Wimax-Auktion dauern wird, ist derzeit unklar. Die Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen im Sommer 2000 dauerte drei Wochen und spülte insgesamt rund 50 Milliarden Euro in die Kasse des Bundes.
Telekom und Arcor von Wimax nicht überzeugt
Nach Pilottests distanzierten sich sowohl die Deutsche Telekom als auch Arcor von der Wimax-Technik, weil sie diese als unwirtschaftlich ansehen. Es sei eine notwendige Konsolidierung eingetreten, sagte Kurth.


