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29.01.2007 
Elektrischer Reporter

Neue Ordnung

von Mario Sixtus

Die Welt dreht sich: Der Softwareunternehmer Michael Schuster prognostiziert das zunehmend vernetzte Denken. Firmen und Märkte müssen sich auf eine kleine Revolution einstellen, die vor nichts Halt macht. Prominente Beispiele dafür gibt es bereits.

Mario Sixtus, Elektrischer Reporter <br>(Foto: Christof Wolff)Lupe

Mario Sixtus, Elektrischer Reporter
(Foto: Christof Wolff)

Es gibt nichts amüsanteres als Zukunftsvisionen von gestern. Ob bienenkorbfrisierte Unteroffizier-Girlies an Bord des Raumschiffs Enterprise oder dampfgetriebene Luftschiffe: Jede Utopie ist durchtränkt vom Zeitgeist, der den Autor umgibt, und taugt nach einiger Zeit nur noch als Schmunzelvorlage.

Menschen neigen dazu, sich die Zukunft als eine etwas schnellere Variante der Gegenwart auszumalen. Unter dieser linearen Denkweise leiden nicht nur Science-Fiction-Autoren, sondern auch Entscheidungsträger. Etwa in der Musikindustrie: Niemand konnte sich dort vorstellen, dass Musikfreunde ihre Lieblingssongs in entstofflichter Form genießen.

Das Internet hat sein disruptives Potenzial bislang nur in Ansätzen gezeigt. „Diese Veränderungen werden nicht vor Unternehmen Halt machen“, sagt Michael Schuster, Mitgründer der Wiener Firma System One, und er prophezeit: „Das wird sehr viel weiter gehen, als wir uns vorstellen können.“ Softwareunternehmer wie er setzen darauf, dass die fortschreitende Vernetzung unser aller Denken beeinflussen wird. „Nichts in der Welt ist hierarchisch“, sagt Schuster. Das Denken und Handeln in strengen, quasimilitärischen Strukturen entspräche nicht unserer Natur und sei der Funktionsweise des Denkapparates entgegengerichtet.

Tatsächlich wird im Netz bereits fröhlich mit ungewöhnlichen Ordnungssystemen experimentiert: „Taggen“ ist etwa eine Methode, bei der beliebig viele Schlagworte einen Inhalt beschreiben, statt ihn in verästelten Kategorien abzulegen.

„Hyperlinks untergraben Hierarchien“, lautet die Nummer sieben der 95 Thesen des 1999 entstandenen „Cluetrain Manifests“, einer Proklamation, die den Wandel der Märkte im Internet-Zeitalter thematisiert. So revolutionär solche Töne klingen, Entwickler wie Michael Schuster begreifen sich nicht als Umstürzler. Sie versuchen, den Wandel einzuplanen, statt ihn zu ignorieren. „Meine Generation musste noch lernen, damit umzugehen“, sagt Schuster und meint die Handhabung von Webapplikationen. Die nachfolgende Altersgruppe, mit dem Web aufgewachsen, bringe ein anderes Denken mit.

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