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31.05.2007 
Bill Gates trifft auf Steve Jobs

PC-Typ kontra Apfel-Mann

Die Rivalität zwischen Microsoft-Gründer Bill Gates und Apple-Chef Steve Jobs ist fast legendär. Mit seinen Werbekampagnen nimmt Jobs den großen Konkurrenten immer wieder gern aufs Korn – aktuell beweisen dies aufs neue einige kleine Filmchen im Netz. Dennoch scheint es zwischen beiden ein Band zu geben, von dem vorher kaum einer etwas geahnt hätte.

Microsoft-Mitbegründer Bill Gates ist erstmals seit Jahren wieder auf seinen Konkurrenten Steve Jobs getroffen. Foto: dpaLupe

Microsoft-Mitbegründer Bill Gates ist erstmals seit Jahren wieder auf seinen Konkurrenten Steve Jobs getroffen. Foto: dpa

HB CARLSBAD. Die beiden Antipoden der Computerindustrie könnten unterschiedlicher nicht sein. Um so überraschender verlief ein Zusammentreffen der beiden auf einer Bühne im kalifornischen Carlsbad. Mit so viel Lob und Ehrerweisung füreinander hätte wohl kaum jemand in der Computerbranche gerechnet. „Wir haben unsere Ehe mittlerweile seit über zehn Jahren geheim gehalten“, antwortete der 52-jährige Jobs am Mittwoch auf die Frage, ob der Konkurrenzkampf zwischen den beiden vielleicht oft übertrieben dargestellt wurde. Der Scherz erntete beim ersten gemeinsamen Interview der beiden seit 14 Jahren schallendes Gelächter der Zuschauer – und einen etwas verwirrten Blick vom 51-jährigen Gates.

Wer aber bei dem mit Spannung erwarteten Treffen bei der jährlichen Technologie-Konferenz des „Wall Street Journal“ einen heftigen Schlagabtausch erwartet hatte, wurde enttäuscht: Stattdessen gab es scherzhafte Sticheleien und manchmal sogar eine fast sentimentale Stimmung, als sich die beiden an frühere Tage erinnerten. Das Treffen hatte etwas von einem historischen Ereignis. Denn selbst als Microsoft in den 90er Jahren mit dem Kauf von Apple-Aktien das angeschlagene Unternehmen rettete, waren sich die beiden nicht persönlich begegnet.

Ein wenig erinnerten der immer korrekt gekleidete Gates und der charismatische Jobs in seinem obligatorischen schwarzen Rolli an die aktuellen Apple-Werbefilmchen. Auch hier trifft ein PC, repräsentiert von einem Anzug tragenden Mann, auf einen Mac, der von einem lässigen Jugendlichen dargestellt wird. Dies sei aber gar nicht bösartig gemeint, versicherte Jobs. „Die Kunst hinter dieser Werbung besteht darin, dass sie nicht gemein ist, sondern dass diese Typen sich mögen.“

Gates sprach dagegen von der Bewunderung der Microsoft-Ingenieure für den Erfolg des Apple-Musikspielers iPod, als sie das Konkurrenzprodukt Zune entwickelten. „Und wir lieben sie, denn sie sind alle unsere Kunden“ witzelte darauf Jobs. „Der PC-Typ ist großartig“, behauptete er weiter. „Seine Mutter liebt ihn“, konterte Gates trocken. „Der PC-Typ ist derjenige, der alles zum Laufen bringt“, antwortete Jobs und versuchte damit erneut, Gates von der freundlichen Harmlosigkeit des Werbe-Humors zu überzeugen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Als Partner begonnen

Apple-Chef Steve Jobs hat beim Treffen mit Bill Gates die Samthandschuhe angezogen. Foto: dpaLupe

Apple-Chef Steve Jobs hat beim Treffen mit Bill Gates die Samthandschuhe angezogen. Foto: dpa

Als Partner begonnen

Gates und Jobs gehörten in den 80er Jahren zu den wichtigsten Pionieren einer völlig neuen Industrie. Die heutigen Rivalen hatten zwar als Partner begonnen, doch bereits früh trennten sich die Wege der beiden. Während der Gründer des weltgrößten Softwarekonzerns die Verbreitung des Personal Computers und seiner Software in jeden Haushalt der Welt zum Ziel hatte, konzentrierte sich Apple-Mitgründer Jobs auf die Entwicklung und Produktion maßgeschneiderter Computer.

An den wirtschaftlichen Erfolg von Microsoft reichte Apple zwar nie auch nur annähernd heran, doch technologisch war die kleine Firma aus Cupertino dem großen Riesen aus Redmond immer wieder einen Schritt voraus. So bekam ein Microsoft-Computer erstmals eine grafische Benutzeroberfläche, einen Desktop-Papierkorb und eine Maus, als das alles längst auf Apples Macintosh-Computern Standard war. Zur Zeit versucht Microsoft mit seinem Zune-Player, es Apple und dessen erfolgreichem iPod gleichzutun. Bei den ersten Vorstellungen des Geräts erntete Microsoft allerdings erst einmal spöttelnde Kommentare über das klobige Design in vielen Medien im Netz. Ein Erfolg bei den Kunden lässt bisher auch aus sich warten.

Einig zeigten sich die Kontrahenten in Carlsbad in Bezug auf ihre Prognosen zur Zukunft von Software. Dass in den kommenden Jahren leistungsfähige Software-Pakete durch neue Internet-Anwendungen überflüssig werden könnte, wie es manche Branchenbeobachter vorhersagen, glaubt keiner von ihnen. Ganz im Gegenteil werde zukünftige Software auch weiter immer leistungsstärker werden und immer besser und bruchloser die verschiedenen Internet-Dienste unterstützen.

Auf die Frage, was die beiden jeweils am anderen schätzen, sagte Microsoft-Gründer Gates, er würde vieles darum geben, einen solchen Geschmack wie Steve Jobs zu haben. Jobs Entscheidungen gründeten auf einem ausgeprägten Sinn für Menschen und Produkte. Jobs lobte dagegen die Wohltätigkeit seines Konkurrenten. „Ich glaube, die Welt ist ein besserer Platz, weil Bill realisiert hat, dass es nicht sein Ziel ist, der reichste Typ auf Erden zu sein“, sagte Jobs. Einen erheblichen Teil seines Vermögens stiftet Gates, der in der „Forbes“-Liste noch immer als reichster Mann der Welt geführt wird, seit Jahren für wohltätige Zwecke.

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