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01.01.2009 
Fernbedienung

Rettung naht im Krieg der Knöpfe

von Axel Postinett

In der Wohnung von Alexander Gruber in der Hamburger Hafencity herrscht das reine Chaos. Nur noch wenige Tage, bis der 35-jährige Jungunternehmer seine TV-Universal-Fernbedienung in Las Vegas auf der Konsumelektronikshow CES präsentieren will. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Fernbedienung muss sich neu erfinden – und entdeckt die Einfachheit.

DÜSSELDORF. Schier endlose Druckknopfwüsten auf grauem Plastik, versehen mit kryptischen Symbolen, in der Hand verwirrter und ratloser TV-Zuschauer werden dann der Vergangenheit angehören, schwärmt der gelernte Kommunikationswissenschaftler. Schon das Anheben wird das Gerät einschalten, danach braucht man es nicht mal mehr zu berühren. Den Daumen übers iPhone-große Bildschirmpanel nach links geschwenkt, und es geht ein Programm zurück, den Daumen nach rechts, und es geht voran. „Wir setzen auf Gestensteuerung“, sagt er. „Es muss alles so einfach wie möglich werden.“ Selbst Schütteln wird Befehle auslösen, oder drehen.

Zeroone, so heißt sein Unternehmen, und im East-Tower des Hilton-Hotels in der Spielerstadt in Nevada teilt sich der Vier-Mann-Betrieb eine teure Hotelsuite mit zwei anderen Unternehmen. Wenn sich Kunden aus der Elektronikindustrie finden, TV- oder Computerhersteller, Kabel-Unternehmen, dann soll es noch dieses Jahr richtig losgehen.

Zeroone hat sich einen der spannendsten Märkte ausgesucht, den die Zubehörindustrie derzeit zu bieten hat. Was heute schnöde TV-Fernbedienung ist, wird schon bald, so Gregor Bieler, Vice President Consumer Electronics Europa bei Logitech, die „Maus für das Haus“. TV, Internet, Musiksammlung und Waschmaschine, alles wird per Internetadresse (IP-Adresse) verbunden und zu steuern sein – mit der Fernbedienung.

Als die Infrarot-Fernbedienung vor 40 Jahren geboren wurde, war davon keine Rede. Sie bestand aus zwei Knöpfen: Kanalwahl, laut und leise. Was waren das für goldene Zeiten! Heute bevölkern Tastenmonster mit bis zu gut und gerne 60 Knöpfen die Wohnzimmer. Trotzdem legte die Fernbedienung in den Zeiten der passiven Ich-Glotz-TV-Ära eine ungeahnte Karriere hin. Sie alleine war es, die die berühmteste TV-Persönlichkeit seit Dieter Bohlen schuf: die Couchpotato. Phlegmatischer Mediennutzer und Werbung-Wegdrücker mit dem Zappter des Konsumkönigs in der Hand. Der Schrecken aller Werbetreibenden.

Jetzt geht die Entwicklung wieder in Richtung Einfachheit. Je mehr Funktionen dazukommen, desto deutlicher wird sichtbar, dass die alte Strategie am Ende ist: immer einfach einen neuen Knopf hinzuzufügen.

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