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12.01.2007 
Programm sucht billigste Verbindung

Router-Software drückt die Handy-Kosten

von Lars Reppesgaard

Billiger mit dem Handy telefonieren - dieser Wunsch lässt sich nun auch ohne umständlichen Providerwechsel erfüllen. Mit einem auf dem Handy installierten Tarifrouter, der bei jedem Anruf im Hintergrund nach der günstigsten Verbindung sucht, will die Hamburger Firma Cellity auf dem Telekommunikationsmarkt Fuß fassen.

So funktioniert das Low Cast RoutingLupe

So funktioniert das Low Cast Routing

HAMBURG. Die Nutzer könnten durch ihre Software zwischen 30 und 90 Prozent der Gesprächskosten einsparen, wirbt Cellity. Auch das Berliner Unternehmen Atelplus hat mit dem Dienst "Smart2talk" ein entsprechendes Angebot am Start. Im wesentlichen bestehen die automatischen Tarifrouter aus kleinen Softwarepaketen, die die Kunden auf ihrem Mobiltelefon installieren müssen. Der Austausch der SIM-Karte oder ein Anbieterwechsel sind nicht nötig. "Das ist so einfach wie das Herunterladen eines Klingeltons", sagt Nils Weitemeyer, einer der Gründer von Cellity.

Weitemeyers Anspruch: "Der Nutzer darf keinen Unterschied zu seinem alten Telefonieren merken." In der Tat tippt der Anrufer wie gehabt einfach die Zielrufnummer seines Gesprächspartners ins Handy. Im Hintergrund ermitteln die Tarifrouter währenddessen blitzschnell die günstigste Lösung für die angefragte Verbindung. Das erinnert ans Festnetz, wo schon etliche Unternehmen Call-by-Call-Verbindungen für den kostenoptimierten Verbindungsaufbau anbieten.

Least Cost Routing für Mobiltelefonate ist allerdings komplizierter zu realisieren als ein entsprechender Spardienst im Festnetz. Während Software im Festnetz das Gespräch einfach über die momentan günstigste Vorwahlnummer vermittelt, gibt es im Mobilfunk keine Call-by-Call-Anbieter, weil dafür die regulatorischen Voraussetzungen fehlen.

Die Betreiber der Tarifrouter setzen als Sparalternative deshalb auf das so genannte Arbitrageprinzip. Mit anderen Worten: Sie nutzen die Preisunterschiede zwischen dem Großhandelseinkauf von Telekommunikationskapazitäten und den Entgelten, die die Anrufer bezahlen. Bei der Anmeldung gibt der Nutzer den Tarif an, den er bei seinem Mobilfunk-Provider ausgewählt hat. Die Software analysiert die Vertragsbedingungen. "In jedem Vertrag gibt es günstige und teure Minutenpreise", sagt Cellity-Chef Weitemeyer. Meist sind etwa Gespräche ins Festnetz billiger als Telefonate in andere Mobilfunknetze, bei einigen Flatrate-Angeboten sind sie durch eine Pauschale abgegolten und verursachen keine Zusatzkosten. Die Software prüft bei jeder gewählten Nummer, ob es eine günstigere Alternative gibt.

Entdeckt der Tarifrouter Sparmöglichkeiten, zum Beispiel über günstige Festnetzkonditionen, wählt sich das Handy nach einem Impuls der Software über das Festnetz auf den Cellity-Server ein und leitet das Gespräch von dort aus zum Ziel. "Ist das nicht der Fall, wird über den bestehenden Mobilfunkvertrag telefoniert", erklärt Weitemeyer.

Der Tarif- und Vertragsdschungel im Mobilbereich bietet reichlich Platz für die Suche nach Schlupflöchern. Auf dem Cellity-Server sind mehr als 300 000 verschiedene Tarifkombinationen in Deutschland gespeichert, die andauernd aktualisiert werden. Die Festnetzkapazitäten, die Cellity benötigt, um Telefonate auf die eigenen Router und von dort aus weiter zu leiten, kaufen die Hanseaten zu Großhandelskonditionen von großen Telekommunikationsunternehmen. Cellity mietet dabei ausschließlich klassische Telefonleitungen an. "Die Sprachqualität ist bei den noch billigeren Voice-over-IP-Verbindungen zu schlecht", sagt Weitemeyer.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bei Cellity verfolgt man zunächst bescheidene Ziele.

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