Wer den falschen Serverstandort für seinen Internetauftritt gewählt hat, verringert seine Chancen dramatisch, bei einer Google-Suche gefunden zu werden. Das hat weitreichende Konsequenzen für international tätige Unternehmen.
An welcher Stelle eine Website bei Google auftaucht, wird entscheidend durch den Standort des Servers beeinflusst. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Ihre Webseite taucht bei Google immer ganz hinten auf und Sie wissen nicht warum? Vielleicht haben Sie den falschen Hoster irgendwo in einem weit entfernten Land ausgewählt oder Ihre amerikanische Muttergesellschaft lässt die deutsche Webseite in einem kalifornischen Datencenter hosten. So etwas bestraft Google mit Punkteabzug.
Das lokale Hosting von Webseiten steigert die Ergebnisse im Google-Ranking um bis zu 30 Prozent, wie eine Studie von NTT Europe Online in Auftrag gegebene Studie festgestellt hat. Der lokale Serverstandort – möglichst noch verbunden mit einer lokalen Länderdomain - hat demnach nachweislich eine positive Auswirkung auf die Resultate der Suche in Google.
Die Relevanz einer Webseite bei Google wird durch den so genannten Page-Rank bestimmt. Er ist nur in Grundzügen bekannt, die genaue Zusammensetzung ist ein so gut gehütetes Geheimnis wie das Rezept von Coca Cola. Denn eine ganze Branche ist nur darauf spezialisiert, Internetauftritte auf „Google-Relevanz“ hin zu frisieren. Sehr zum Leidwesen des Internetgiganten, der versucht die Ergebnisse möglichst – aus seiner Sicht - unverfälscht dazustellen.
„Vor allem international tätige Unternehmen und Online-Agenturen haben uns immer wieder gefragt, wie sie durch die Wahl des Serverstandorts für Managed Hosting ihre Google-Rankings verbessern können. Bislang gab es nur Vermutungen, aber keine Belege“, erklärt Oliver Harmel, Marketing Direktor Central Europe bei NTT Europe Online in Frankfurt.
Und das sind die wichtigsten Hosting-Faktoren laut NTT Europe. Ermittelt wurden die Daten von der britischen Online-Marketing-Agentur Effective Digital:
Ein lokales Hosting der Websites. Dazu gehören die physikalische Präsenz der Server im Zielmarkt, wahlweise ein „virtuelles lokales Hosting“ sowie bei Bedarf der Einsatz eines Content Delivery Network (CDN): Ein CDN ist ein Netz lokal verteilter Server, mit denen Rich-Media-Inhalte, beispielsweise Flash Movies, ausgeliefert werden.Liegt ein Video bei einer Suchmaschine auf einem Zwischenspeicher des Landes, aus dem die Nutzeranfrage kommt, wird es durch den Suchroboter höher bewertet.
Der Domainname in der lokalen Sprache und die lokale Domainendung – in Italien beispielsweise wird eine Webseite mit einer .it-Domainendung höher gelistet als eine Seite mit .com/it.
Die IP-Adresse des Webservers. Suchmaschinen stufen lokale Seiten innerhalb eines geografischen Raums höher ein. Das insbesondere dann wichtig, wenn eine Webseite keine Country Code Top Level Domain hat.
Die Sprache der Dateinamen, die Texte auf den Seiten und der Metatags. Die Sprache ist ein Schlüsselelement zur Beurteilung der Relevanz einer Webseite. Zielland einer Webseite und verwendete Sprache - zum Beispiel in den Metatags - sollten möglichst identisch sein.
Die Herkunftsländer der Backlinks. Die Third-Party-Links verstärken die Glaubwürdigkeit und die Bedeutung einer Webseite. Hat eine deutsche Webseite nur Verlinkungen auf etwa russisch oder kanadisch gehostete Seiten, gilt das offenbar als weniger relevant.
Die Erkenntnisse aus der Studie hat NTT Europe Online auch für sich selber genutzt, erklärt Harmel im Gespräch mit dem Handelsblatt: "Schon ein oder zwei Verbesserungen im Page-Rank sind für uns bares Geld. Die wichtigste Erkenntnis für uns war, dass es da Parameter bei Hosting, Domain-Auswahl und Content-Delivery gibt, die wir bisher nicht beachtet hatten."


