25.10.2006

Videokonferenz-Technik: So fern und doch so nah

Bisher konnten Videokonferenzen den unmittelbaren menschlichen Kontakt nur grob umsetzen. Zu spürbar waren die Verzögerungen von Sprache, Gesten und Geräuschen – flüssige Interaktionen der Teilnehmer nur schwer möglich. Doch nun erreicht die Videokonferenz-Technik eine neue Dimension.

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LONDON. Einmal auf die Kurzwahltaste getippt, und nach ein paar Sekunden steht die Leitung nach New York. Und nicht nur die: Uns gegenüber sitzen plötzlich in voller Lebensgröße zwei Frauen und vier Männer, paarweise auf 65-Zoll-Bildschirmen. Sie sind so scharf, dass es schon fast surreal wirkt. Auge in Auge sitzen wir uns an einem ovalen Konferenztisch gegenüber, dessen eine Hälfte jedoch nur auf dem Plasma-Bildschirm existiert. Ohne spürbare Verzögerung kommen Sprache, Gesten und Geräusche an – wir könnten uns gegenseitig unterbrechen oder zuzwinkern.

Wer eine Präsentation des neuen Systems „Tele Presence“ von Cisco erlebt hat, der wird nicht mehr daran zweifeln, dass eine neue Ära der Videokonferenztechnik begonnen hat. Hochauflösendes Fernsehen und steigende Bandbreite in den Kommunikationsnetzen bilden die technische Grundlage für ein Konferenzerlebnis, das immer näher an einen unmittelbaren menschlichen Kontakt heranreicht.

Cisco hat jedes Detail unter Kontrolle gebracht: Die Wandfarbe ist ebenso exakt festgelegt wie die Beleuchtung, sogar den Konferenztisch hat der IT-Konzern selbst entworfen. Jeder Sitzplatz ist unter der Tischplatte mit Teilern abgegrenzt, damit niemand aus dem Bild rutscht. Sogar die Kamera mit drei Objektiven hat der eigentlich für Netzinfrastruktur bekannte Konzern selbst entwickelt. Insgesamt 25 Patente stecken hinter dem Konferenzraum, der pro Stück knapp 300 000 Dollar kostet.

„Die ersten Vorstandschefs, denen wir das gezeigt haben, haben nach drei Minuten gesagt: Das wollen wir haben“, strahlt Marketingchefin Susan Bostrom. Die ersten drei Installationen in London laufen bereits – bei großen Finanzinstituten in der City. Von ähnlich positiven Reaktionen berichtet Konkurrent HP, der schon seit Monaten ein ähnliches Produkt namens „Halo“ im Angebot hat. Doch Cisco erhofft sich von „Tele Presence“ viel mehr als einen Markterfolg in der Konferenztechnik: Der Konzern, bisher als Lieferant für den Endkunden unsichtbarer Netztechnik bekannt, will sich stärker als Marke für IT-Produkte ins Licht rücken. „Das ist für Cisco ein Flaggschiff- Produkt, mit dem sie Zugang zur Vorstandsebene kriegen“, sagt Dominic Dodd, Analyst bei Frost & Sullivan in Oxford. Und wenn die Verkäufer mal mit der im Gespräch sind, können sie sich gleich als Lieferanten mit umfassendem Angebot präsentieren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ob Tele Presence dem Videokonferenzmarkt wirklich nach vorne bringen kann.

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