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17.07.2007 
Congstar

Telekom versucht es billig

von Stephan Dörner

Die Deutsche Telekom greift die oft preiswertere Konkurrenz mit einer eigenen Billigmarke an: Congstar. Doch lohnt sich das Angebot oder verdichtet die neue Marke nur den ohnehin schon kaum durchschaubaren Tarifdschungel? Handelsblatt.com hat verglichen – und kommt zu einem eher ernüchternden Ergebnis.

Kommt Congstar bei den Kunden an? Die gebeutelte Telekom bräuchte dringend einen Erfolg. Foto: dpaLupe

Kommt Congstar bei den Kunden an? Die gebeutelte Telekom bräuchte dringend einen Erfolg. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Der Verzicht auf das charakteristische „T“ im Markennamen ist Programm. „Wir haben darauf verzichtet, weil wir Zielgruppen erreichen wollen, die die Telekom so nicht anspricht“, sagte Geschäftsführer Alexander Lautz am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Marke in Köln. Mit Billigangeboten soll Congstar dem zuletzt von massivem Kundenschwund im Festnetz gebeutelten deutschen Telefon-Marktführer neuen Schwung geben. „Mit Congstar nimmt die Deutsche Telekom den Kampf gegen die Anbieter im Discount-Segment des Telekommunikationsmarktes auf“, sagte Konzernchef-Rene Obermann.

Schon 2010 soll das Tochterunternehmen, das bislang nicht einmal 50 Mitarbeiter hat, rund 1 Mrd. Euro Umsatz machen. Dazu wird aus dem bisherigen reinen DSL-Anbieter Congster die Marke Congstar, über die sowohl Festnetztelefonie als auch DSL- und Mobilfunkpakete angeboten werden.

Versteckte Kosten bei den Festnetz-Angeboten

Alle Congstar-Angebote im Festnetz setzen einen Anschluss der Telekom voraus, der im Falle eines einfachen ISDN-Mehrgeräteanschluss mit immerhin 24,57 Euro monatlicher Grundgebühr zu Buche schlägt. Wer auf den ISDN-Komfort wie zwei Telefonleitungen allerdings verzichten kann, kommt mit der monatlichen Anschlussgebühr von 16,37 Euro für einen analogen Anschluss deutlich günstiger weg. Darauf aufbauend bietet die neue Telekom-Tochter verschiedene Internet-Pakete an. Für die 2 MBit schnelle Congstar DSL 2000 Flat zahlt der Kunde 14,99 Euro. Wer eine schnellere Internet-Flatrate mit 6 MBit oder sogar ADSL2+ mit 16 MBit Download-Bandbreite benötigt, zahlt dafür 17,98 bzw. 19,98 Euro.

Für weitere 7,99 Euro ist außerdem eine Telefon-Flatrate zu haben, die über Voice-over-IP-Telefonie realisiert wird. Auch in diesem Fall bleibt jedoch der größte Kostenfaktor – die Zwangskopplung an den Telekom-Anschluss – bestehen. Die Bereitstellung der Angebote kostet einmalig 49,99 Euro, ein Modem will die Telekom ab Oktober gegen eine Versandgebühr von 9,99 Euro liefern.

Mobiles Starterpaket für 19,90 Euro

Das Mobilfunkangebot von Congstar richtet sich inbesondere an junge Menschen, die viel telefonieren und Kurznachrichten versenden. Congstar bietet es ebenso wie die Festnetztarife der neuen Marke ohne Mindestvertragslaufzeit an. Der Vertrag kann jeweils zwei Wochen vor Monatsende gekündigt werden. Es fallen weder eine Grundgebühr noch ein Mindestumsatz an. Bisher werden keine mit dem Vertrag gekoppelten Handys angeboten, was sich voraussichtlich aber bis Ende August ändern wird.

Die Bereistellung des Mobilfunkpakets inklusive 50 Frei-SMS kostet 19,90 Euro. Für weitere SMS und jede Gesprächsminute in alle Netze verlangt Congstar rund um die Uhr 19 Cent. Abgerechnet wird allerdings im kundenunfreundlichen Minutentakt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für wen sich Congstar lohnt

Vorteil: Flexibilität

Als Besonderheit stellte Geschäftsführer Lautz insbesondere die freie Kombinarbarkeit aller Congstar-Angebote heraus. Vor allem im Mobilfunkbereich sind die Optionen vielfältig: So kann für alle großen Mobilfunktnetze und das Festnetz eine Flatrate optional ergänzt werden. Auch hier zeigt sich das neue Angebot kundorientiert: Die Flatrates zu T-Mobile, Vodafone (jeweils 19,90 Euro im Monat), E-Plus, O2 (jeweils 14,99 Euro) und Congstar (4,99 Euro) gelten jeweils auch für Lizenznehmer der Netze wie blau.de oder Tochterunternehmen wie BASE von E-Plus. Eine Festnetz-Flatrate wird für 9,99 Euro angeboten.

Keine Preisrevolution

Auch die neue Billigmarke wird die Telekom wohl kaum aus ihrer Klemme befreien. Insbesondere der zwingend vorausgesetzte Telekom-Anschluss sorgt dafür, dass sich das Festnetz-Angebot eher im preislichen Mittelfeld bewegt. Bei vergleichbaren Leistungen bewegt sich das Preisniveau in etwa auf der Ebene von Mitbewerbern wie Alice DSL und Arcor. Eine ISND-Flatrate in Verbindung mit dem schnellsten DSL-Internetanschluss kostet beispielsweise bei allen drei Anbietern monatlich knapp über 50 Euro, wer auf ISDN-Komfort verzichten kann, bekommt die schnellste Komplettflatratepaket bei Congstar für 44,34 Euro.

Preiswerter ist beispielsweise 1&1: Eine 2 Mbit-Internetflatrate inklusive VoIP-Telefonflatrate ins deutsche Festnetz ist hier schon für 29,99 Euro zu haben, die schnellste Komplettflatrate mit 16 Mbit liegt bei 39,99 Euro. Nachteilig ist bei diesem Angebot allerdings die lange Vertragslaufzeit von zwei Jahren. Außerdem können günstige Call-by-Call-Vorwahlen für Ferngespräche ins Auslands mangelns Telekom-Anschluss nicht genutzt werden. Für die lange Vertragslaufzeit spendiert 1&1 den Kunden aber immerhin stark verbilligte Hardware. Auch Versatel bietet eine ähnliche Tarifstruktur.




DSL-Rechner Telefontarife Handytarife Stromtarife Gastarifrechner Internet


Für nur 31,95 Euro bietet Tele2 eine 16-MBit-Internet- und Telefonieflatrate bei einer moderaten Mindestvertragslaufzeit von 6 Monaten an. Dieses Angebot ist jedoch nicht überall in Deutschland verfügbar und auch hier können keine Call-by-Call-Nummern genutzt werden. Bei Congstar ist dies möglich.

Die Mobilfunktarife von Congstar sind ebenfalls keine Revolution, sie orientieren sich jedoch preislich an den aktuellen Untergrenzen der Discounter und bieten eine innovative Optionsvielfalt. Wer an einem günstigen Handyvertrag ohne Mindestumsätze und flexiblen Flatrate-Optionen interessiert ist, kann ohne Vorbehalte zugreifen.

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