Mit der Übernahme von Bea Systems
hat Oracle
in Zukunft zwei Middleware-Produkte mit unterschiedlichen technischen Ansätzen im eigenen Haus. Das ist eine Herausforderung, die man getrost als schwieig bezeichnen darf.
Oracle
-Chef Larry Ellison hat sich wieder einmal durchgesetzt. Bea Systems
lässt sich nach einigen Monaten Widerstand kaufen. Doch dafür muss der Datenbank-Mogul tief in die Kasse greifen. Oracle
will für die restliche Aktien je 19,375 Dollar in bar bezahlen. Das sind insgesamt 8,5 Milliarden Dollar. Eine stolze Summe dafür, dass Bea Systems
den im Oktober vergangenen Jahres noch starken Widerstand aufgibt.
Das im Silicon Valley ansässige Softwarehaus Bea Systems
hat sich vor allem als Anbieter von Middleware einen Namen gemacht. Middleware nennt man in der IT-Branche eine Softwareschicht, die zwischen verschiedenen Anwendungsebenen eine Verbindung herstellt. Weblogic von Bea Systems
ist mit Weblogic in diesem Markt vertreten. Wichtigster Konkurrent ist Websphere von IBM
. Zur anderen Kategorie gehören Netweaver von SAP
und Fusion von Oracle
.
Mit dem jüngsten Deal des extrem ehrgeizigen Ellison ist das Thema Middleware zurück im Rampenlicht der Computerindustrie. Durch die Übernahme von Bea will der Manager Oracle
noch stärker zu einer führenden Kraft der IT-Industrie machen.
Bei der Ankündigung einer geplanten feindlichen Übernahme spielten in den Berichten der Wirtschaftsblätter vor allem die finanziellen Aspekte für Investoren eine Rolle. Dabei geht es vor allem um den Finanzier Carl Icahn, der als stärkster Aktionär von Bea schon seit geraumer Zeit zum Verkauf drängte. Doch diese Deals können nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten oder der Prämisse schierer Größe (Wachse oder verschwinde) betrachtet werden.
Hinter allen Versuchen stecken aber auch massive Entwicklungen in der IT-Technik, die es zu beachten gilt. Ging es bei der geplanten Übernahme von Business Objekts durch SAP
um Business Intelligence, so geht es nun bei dem Bea-Deal um infrastrukturelle Middleware - ungeachtet dessen, dass Bea mittlerweile auch einige Business-Programme in seinem Portfolio hat.
Dafür lohnt sich ein Blick zurück. Vor einigen Jahren standen Middleware-Programme stärker in Rampenlicht. Themen wie Applikations-Server und Service-Orientierung machten die Schlagzeilen in den IT-Gazetten. Das waren Vorstufen zu den heutigen SOA-Kampanien (Service Orientierte Architektur). Seit dieser Zeit liefern sich zwei große Player, IBM
mit Websphere und Bea mit Weblogic einen scharfen Wettbewerb um Firmenkunden auf der Ebene der Systemplattform.
Mit der Übernahme von Bea hat Oracle
nun zwei Middleware-Produkte mit unterschiedlichen technischen Ansätzen im eigenen Haus. Das ist alleine schon technisch eine Herausforderung. Dazu kommt das Problem der Integration. Die beginnt mit der Frage, ob eine maschinenorientierte Middleware bei einer klassischen Softwarefirma wie Oracle
, die ja vom Datenbankmanagement her kommt, gut aufgehoben ist.
Die Herausforderungen wird also sein, ein Konzept zu entwerfen, das möglicherweise die Produkte Weblogic und Fusion verbindet, so fern dies überhaupt möglich ist. Eine Alternative könnte auch die Betonung einer starken Trennung beider Produkte sein. In jedem Fall muss Oracle
sowohl Kunden wie an Investoren überzeugen, das man das vielschichtige Thema gut beherrscht. Dies scheint eine ziemlich schwierige Aufgabe zu sein.

