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07.05.2008 
Neues Internet-Protokoll

Viel Platz im Web

Es kommt Bewegung ins Web: Mit dem neuen Internet-Protokoll IPv6 wächst die Zahl möglicher IP-Adressen beinahe ins Unendliche. Der neue Standard verspricht viel Platz im Internet - wird aber auch Kosten verursachen.

HB FRANKFURT/MAIN. Langsam, aber unausweichlich wird es eng im Internet. Das für den Datenverkehr im Netz grundlegende Internet-Protokoll IPv4 ermöglicht 3,7 Milliarden Adressen - bei einer Weltbevölkerung von 6,7 Milliarden sind das deutlich zu wenig. In dieser Woche wollen rund 200 Teilnehmer einer Fachkonferenz in Potsdam die Lösung für das Problem vorantreiben: IPv6 hat mit 340 Sextillionen Adressen praktisch unendlich viel Platz.

Das Internet-Protokoll (IP) ist ein zentraler Standard für die Selbstorganisation des weltweiten Datennetzes. Es ermöglicht eine eindeutige Identifizierung für jedes an das Internet angeschlossene Gerät. Bisher gilt im Netz die IP-Version vier: IPv4 wurde bereits 1981 festgelegt. Es legt die Adressen in einem Datenblock mit einer Länge von 32 Bit ab: Vier Folgen von maximal drei Ziffern zwischen 0 und 255, die durch Punkte abgetrennt werden. Damit sind 4,3 Milliarden. Internet-Adressen möglich, von denen allerdings 600 Millionen reserviert sind, so dass nur 3,7 Milliarden übrig bleiben.

Sehr viel mehr Platz bietet Version 6: IPv6 vergrößert den Datenblock auf 128 Bit, was mehr als 340 Sextillionen Adressen ermöglicht, aufgeteilt in acht Zahlenblöcken. IPv6 wurde bereits im Dezember 1998 als Standard verankert, nachdem die Mängel der Version vier deutlich geworden waren. Richtig in die Gänge gekommen ist IPv6 aber nicht, erklärt Konferenzleiter Christoph Meinel, der das Hasso-Plattner-Institut (HPI) an der Universität Potsdam leitet. Vor allem in den USA hielt sich die Begeisterung in Grenzen - die dort eingerichteten Netze verfügen ja auch über etwa 74 Prozent aller derzeit vergebenen IP-Adressen. Für China und andere asiatischen Ländern sei der Druck der Adressenknappheit aber sehr viel stärker, erklärt Meinel. Daher werde IPv6 dort sehr viel massiver vorangetrieben.

„Inzwischen kommt auch in den USA und bei uns Bewegung hinein“, sagt Meinel. Als treibende Kräfte nennt er den Trend zum „Internet der Dinge“, also der Netzanbindung von elektronischen Geräten aller Art vom Stromzähler bis zum Kühlschrank. Interessant ist das neue Protokoll auch für mobile Anwendungen. Für Handys und andere mobile Geräte gebe es bislang keine feste IP-Adresse, erklärt der Informatiker. Das erschwert die Entwicklung von Web-Anwendungen, die ein Gerät gezielt ansprechen müssen. „Das wird alles mit IPv6 möglich“, sagt Meinel.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Never touch a running system

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