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23.04.2008 

„Ich blogge, also bin ich“, schreibt ein Blogger in erkenntnisreicher Online-Philosophie. Ganz offensichtlich hat dieses „Ich“ bei seinesgleichen einen hohen Stellenwert. Durchschnittlich mehr als zweimal pro Blogeintrag taucht in den untersuchten Texten das Wort „ich“ auf, fast zehnmal so häufig wie in einem vergleichbaren journalistischen Text.

Auffallend ist aber nicht nur die Liebe zum eigenen Ich. Offenbar neigen Blogger dazu, die Wichtigkeit ihrer Aussagen nachdrücklich zu betonen. Nahezu doppelt so oft wie Journalisten von Zeitungen oder Zeitschriften unterstreichen sie ihre Feststellungen mit einem Ausrufezeichen. Blogger verwenden auch besonders gern Begriffe englischer Herkunft – statistisch gesehen viermal so häufig wie Verfasser von gedruckten Kommentaren. Pro Blog-Eintrag werden damit im Schnitt mehr als acht solcher Anglizismen gezählt.

Wer ein Weblog verfasst, stellt gern die eigene Person in den Vordergrund. Sind Blogs also das Medium für selbstverliebte Internet-Narzissten? Sind Blogger wichtigtuerische Egoisten? Wohl eher nicht, denn die Ichbezogenheit liegt in der Natur der Weblogs, die schließlich zunächst als Internet-Tagebücher definiert sind. Und in jedem Tagebuch spielt das Ich des Schreibers eine herausragende Rolle. Im Journalismus dagegen gilt es traditionell als unfein und als stillos, die Person des Autors in den Mittelpunkt zu rücken. Der Journalist soll kommentieren, einordnen, informieren. Aber er soll sich selbst als Persönlichkeit zurücknehmen. Das Wörtchen „ich“ ist zu vermeiden. So lernen es Journalistenschüler seit Generationen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: „100 000 Blogger in Deutschland“

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