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11.02.2008  | Aktualisiert 28.02.2008, 12:59 Uhr 

HB: Manchmal hat man das Gefühl, dass das gerade auf die Entscheider in Wirtschaft und Politik zutrifft. Ist das vielleicht sogar eine neue Form der digitalen Spaltung?

JW: Im Grunde ist das ein bekanntes Phänomen, es gibt eine mir rätselhafte Lücke im Kenntnisstand verschiedener Gruppen. Ich war einmal auf einem Zeitungskongress und nach meinem Vortrag fragte mich der Vorstand eines großen Verlages, ob es denn rechtmäßig sei, dass in Wikipedia auf fremde Seiten verlinkt werde. Es war für mich merkwürdig zu sehen, wie der Manager einer Branche, deren Geschäftsmodell einem großen Druck durch das Internet ausgesetzt ist, immer noch auf einer Informationsinsel sitzt und nicht mitbekommt, was um ihn herum geschieht.

HB: Müssen Manager auch selbst im Web aktiv sein, vielleicht mit einem eigenen Profil auf Facebook?

JW: Das ist eine sehr gute Frage. Manager müssen zumindest wissen was im Web passiert. Ich glaube, dass es in vielen Branchen sehr wichtig ist, dass die Führungskräfte online sind. Sie müssen nicht alle Instrumente und Plattformen selbst nutzen oder bedienen können. Aber sie müssen wissen, was sich tut: Nur so können sie den tiefgreifenden Wandel in unserer Kultur verstehen. Natürlich ist das je nach Branche unterschiedlich, aber viele Bereiche der Wirtschaft sind betroffen, und sei es indirekt, auch wenn einige noch gar nicht ahnen, dass sie sich wandeln müssen. Jeder sollte wissen, wie schnell beispielsweise die Stimmung der Verbraucher wegen kritischer Weblogartikel umschlagen kann.

HB: Ihre eigene Innovation, die Suchmaschine Wikia -Search hat in der Öffentlichkeit auch keine so gute Presse bekommen, was ist schief gelaufen?

JW: Es war für mich ganz interessant. In der breiten Presse hatten wir ein sehr positives Echo - aber in der Fachpresse und im Internet wurden wir in der Luft zerrissen.

HB: Wie kam es zu dieser unterschiedlichen Einschätzung?

JW: Wir selbst wollten den Beginn unseres Suchmaschinenprojektes bekannt geben und nicht den Start einer fertigen Suchmaschine. Die Erwartungen an uns aber waren so gewaltig. Da konnte es nur zu einer Enttäuschung kommen.

HB:
Wie lange werden Sie benötigen, bis Sie Wikia zu einer ausgereiften Suche entwickelt haben?

JW: Ich denke, wir werden mindestens zwei Jahre brauchen, wie wir auf dem aktuellen Stand der Suchmaschinentechnologie sind und die Qualität von Ergebnissen liefern können, wie wir sie von Yahoo oder Google kennen. In dieser Zeit werden wir kontinuierlich an der Verbesserung des Angebotes arbeiten. Leider haben wir nicht mehr den Luxus wie beim Start von Wikipedia, als wir uns quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Ruhe entwickeln konnten. Auf der anderen Seite ist ein hohes Maß an Interesse auch positiv, weil wir direkt die Reaktion der Nutzer berücksichtigen können.

HB: Wieviel Nutzer besuchen Wikia?

JW: Es sind mehr als 20.000 Nutzer im Social-Networking-Bereich von Wikia. Wir hatten fünf Millionen Suchanfragen am ersten Tag was allerdings auch mit der hohen Aufmerksamkeit durch die Presse zu tun hat. Mittlerweile dürften die Zahlen etwas darunter liegen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wikia wird kein Google-Killer

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