Er hat den Kampf noch nicht aufgegeben. Bill Gates persönlich stellte vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts neue Versionen des glücklosen Mediaplayers Zune vor. Vor einem Jahr hatte Microsoft den Kampf mit dem Marktführer Apple aufgenommen, aber es hatte noch nicht einmal für einen Achtungserfolg gereicht. Das soll sich jetzt ändern.
„Wir stehen zu dem Gerät“, so Gates auf der Präsentation in Redmond. Konkurrent Apple hatte vergangenen Monat neue iPod-Modelle präsentiert. Nach Analysen des US-Marktforschers NPD lag Zune in den USA im ersten Halbjahr 2007 mit drei Prozent Marktanteil nur auf dem vierten Platz. Microsoft hat nach eigenen Angaben bislang rund 1,2 Mill. Stück des ersten Modells verkauft. Apple hat in mittlerweile sechs Jahren über 100 Mill. iPod verkauft.
Damit liegt Apple einsam in Führung, im US-Markt mit über 70 Prozent im ersten Halbjahr 2007, gefolgt von Sandisk, dem einzigen Verfolger mit mehr als zehn Prozent Marktanteil. Sandisk konzentriert sich auf einfache Musikspieler im unteren und mittleren Preissegment.
Auch wenn die Zahlen ernüchternd sind, kann Gates das Musikgeschäft nicht so einfach einstellen. Zune habe eine strategische Position im Aufbau der digitalen Unterhaltungssparte des Softwarekonzerns, bestätigt er. „Vor zwanzig Jahren haben wir die Zukunft Microsofts auf ein Paket aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation verwettet – und haben die Art verändert, wie die Menschen arbeiten“, zog der Microsoft-Chairman Parallelen. „Heute wetten wir große Beträge auf Videospiele, Musik und Video und werden die Art verändern, wie sich die Menschen unterhalten.“
Mit der Videospielekonsole Xbox360 hat sich Microsoft in den USA bereits auf den zweiten Platz hinter Nintendo („Wii“) vorgekämpft, noch vor Sonys Playstation 3. Der Internet-Spieledienst „Xbox Live“ hat weit über eine Millionen zahlende Abonnenten. Windows Vista als TV-Zentrale, Xbox und Zune als Spiele- und Media-Zentralen sollen in Zukunft gemeinsam ein multimediales Ökosystem bilden.
Gates kündigte neue, kleinere Varianten des Zune-Players an, die mit vier und acht Gigabyte Flash-Speicher ausgestattet sind. Der Zune mit 30-Gigabyte-Festplatte bekommt einen Bruder mit 80-Gigabyte-Platte. Die neuen Versionen werden ab November für 149 Dollar bis 249 Dollar angeboten. Während die erste Version noch von Toshiba gebaut wurde, wurden die neuen Modelle von Microsoft entwickelt und bei Flextronics gebaut, wo auch die Xbox360 montiert wird.
Zugleich wird der Shop „Zune Marketplace“ – Konkurrent zu Apples iTunes – umgebaut. Erstmals wird es Lieder ohne Kopierschutz geben. Bislang hatte der Zune-Shop auf ein eigenes Kopierschutzformat gesetzt. Die Öffnung von iTunes für Musik ohne Kopierschutz und der Start eines kopierschutzfreien Online-Shops bei Amazon hatten das Umdenken erzwungen.
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Angesichts der enormen Finanzreserven Microsofts halten Analysten es für möglich, dass sich Zune auf lange Sicht „durchbeißen“ kann: „Wenn sie bereit sind, über einen längeren Zeitraum in das Marketing zu investieren, gibt es Chancen auf Platz zwei“, glaubt etwa Michael Gartenberg von Jupiter Research. Diesen zweiten Platz will Robbie Bach, Chef von Microsofts Unterhaltungselektronik, bereits im Weihnachtsgeschäft 2007 erreichen. Zwar nennt er keine konkreten Absatzziele, aber er geht davon aus, dass alleine zwei Drittel der Verkäufe auf die neuen Flash-Player entfallen werden.
Doch der Wettbewerb wird noch schärfer: „Der Siegeszug von Musik ohne Kopierschutz wird das wichtigste Ereignis der Branche in 2007“, sagt John MacFarlane, Chef von Sonos gegenüber dem Handelsblatt. Sonos produziert ein gleichnamiges Musik-Center als Konkurrent zu Microsofts Windows-Media-Center. Der Wegfall des Kopierschutzes werde es vielen Hardwareherstellern ermöglichen, wieder auf den Zug aufzuspringen, den sie nach dem Erfolg von iTunes und iPod schon als abgefahren ansehen mussten. Damit steigen auch wieder die Chancen für Anbieter wie Sony, iRiver oder Creative. Weder Apple noch Microsoft Zune wollten ihre Kopierschutzplattformen oder Musikshops für Drittanbieter öffnen.
Zune 2.0
Neue Hardware
Drei neue Speichervarianten stehen zur Auswahl, vier, acht oder 80 GB. Bis acht GB gibt es Flash-Speicher statt Festplatte. Ein neues zentrales Bedienelement agiert wie ein Sensor-Knopf. Durch Wischen mit dem Finger über den Sensor in Form eines Vierecks mit abgerundeten Kanten bewegt man sich schnell durch Menübäume, ein Druck auf den Knopf springt immer nur einen Menüpunt weiter.
Zusammenspiel mit Vista
Alle neuen Microsoft-Player werden im Zusammenspiel mit einem Windows Vista-PC direkt TV-Sendungen aufzeichnen können.
Social Networking
Mit Zune Social soll im November eine Social Network für Musikfreunde im Internet starten. Zune Social wendet sich gegen Dienste wie Myspace.com oder Last.FM und ergänzt den Online-Shop „Marketplace“.
Neuer Shop
Jetzt auch mit Liedern ohne Kopierschutz, so wie bei iTunes oder Amazon.com. Die Bedienoberfläche wurde völlig überarbeitet.
Update für alte Geräte
Zune-Player der ersten Generation (30 GB Speicher) sollen per Software-Update angepasst werden können.
Zune in Europa?
Solange es noch nicht einmal in den USA läuft, plant Gates offenbar noch keine weitere regionale Expansion.

