Hintergrund

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Cebit-Chef im Interview: „Die Cebit ist weltweit einzigartig“

Er holt die Hightech-Branche nach Hannover: Frank Pörschmann leitet die Cebit. Im Interview spricht er über die Rolle von Messen im Web-Zeitalter und die Skepsis deutscher Mittelständler gegenüber dem Cloud Computing.

„Die Cebit ist die weltweit größte ITK-Fachkonferenz“: Cebit-Chef Frank Pörschmann. Quelle: Lena Böhm für Handelsblatt
„Die Cebit ist die weltweit größte ITK-Fachkonferenz“: Cebit-Chef Frank Pörschmann. Quelle: Lena Böhm für Handelsblatt

Handelsblatt Online: Herr Pörschmann, das diesjährige Cebit-Motto lautet „Shareconomy“. Was soll das heißen? Helfen Sie uns doch mal bei der Übersetzung!

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Frank Pörschmann: Bei Shareconomy geht um das Phänomen des Teilens, etwa von Gütern, Wissen, Ressourcen, Kontakten und auch von Infrastrukturen. Das Motto adressiert damit einen durch die Technologie getriebenen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft und der Gesellschaft.

Ist es schon so weit? All das ist doch noch in den Anfängen.

Ihre Einschätzung teile ich nicht ganz. Schon heute wird mit IT-Unterstützung viel geteilt: Autos, Fahrräder, Wohnungen, Wissen, Informationen, Infrastruktur wie Cloud-Speicher. Das ist inzwischen ein eigenständiger Wirtschaftszweig, der das Potenzial hat, angestammte Industrie und Strukturen zu verändern. Privatleute tauschen bereits Güter für Milliarden von Euro – das ist ein Handelsvolumen, das der übrigen Wirtschaft entgeht.

Cebit 2013

Viele Unternehmen haben allerdings Vorbehalte gegenüber Cloud-Diensten, also der Speicherung von Daten auf fremden Servern oder der Nutzung von Software aus dem Netz. Wir wollen Sie auf der Cebit deren Bedenken zerstreuen?

Als Veranstalter der Cebit sehen wir unsere Aufgabe vor allem darin, das wichtigste Thema für die Entwicklung der digitalen Branche herauszuarbeiten und aufzuladen. Wir wollen einen Dialog herbeiführen. Was richtig oder falsch ist, entscheiden die Unternehmen selbst.

Cloud Computing kann Kosten sparen, die Administration erleichtern, trotzdem herrscht gerade bei kleineren Unternehmen viel Skepsis. Welche vertrauensfördernden Maßnahmen bietet die Cebit an?

Cebit-Chef Pörschmann mit den den Handelsblatt-Online-Redakteuren Christof Kerkmann (l.) und Thomas Trösch (r.). Quelle: Lena Böhm für Handelsblatt
Cebit-Chef Pörschmann mit den den Handelsblatt-Online-Redakteuren Christof Kerkmann (l.) und Thomas Trösch (r.). Quelle: Lena Böhm für Handelsblatt

Die Unternehmen zeigen auf der Cebit viele Felder, in denen Cloud-Technologie genutzt wird. Da gibt es große Unterschiede, je nach Nation, Größe des Unternehmens und Branche. Es gibt aber auch noch einige Hürden, etwa unterschiedliche Gesetze in einzelnen Ländern. Internationale Studien aber zeigen: Der deutsche Mittelstand kann durchaus noch aufholen...

…sollte er das denn? Mancher Unternehmer befürchtet ja nicht zu Unrecht Cyberattacken.

Cyberattacken sind eine Gefahr für alle Datensysteme – unabhängig von der Cloud. Diese Anwendungen sind sogar meist sicherer als eine eigene Lösung. Der deutsche Mittelstand kann zur Stärkung seiner internationalen Wettbewerbsposition diese Effizienzpotenziale sicher noch intensiver nutzen. Das ist im Interesse der IT-Industrie, aber auch einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.

Aus Sicht der Cebit ist spannend, die Unterschiede herauszuarbeiten. Wo können wir voneinander lernen? Wo ist Vorsicht tatsächlich angebracht? Bei der Datenhaltung haben wir zum Beispiel in den USA und Deutschland unterschiedliche Rechtssysteme, wer ein Cloud-System nach deutschen Standards betreiben will, ist automatisch mit dem US-Recht in Konflikt – und umgekehrt.