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Cebit-Motto Shareconomy: Ich will nicht teilen!

Die Technologie-Branche ruft auf der Cebit die „Shareconomy“ aus und propagiert das Teilen übers Internet. Über Schwierigkeiten redet sie dabei aber nicht – und auch nicht über die Lust am eigenen Besitz. Ein Kommentar.

Bei der Eröffnungsfeier der weltweit größten Computermesse Cebit stand das Thema Teilen im Mittelpunkt. Quelle: dpa
Bei der Eröffnungsfeier der weltweit größten Computermesse Cebit stand das Thema Teilen im Mittelpunkt. Quelle: dpa

HannoverBitkom-Präsident Dieter Kempf selbst hat noch so seine Zweifel. Menschen seines Geburtsjahrgangs, meinte der 60-Jährige, hätten es nicht so mit dem Teilen im Internet. Doch davon ließ er sich nicht weiter irritieren und verkündete zum Auftakt der Cebit: „Wir wechseln von einer Welt des Besitzens in eine Welt des Teilens.“

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Hätte Kempf doch mehr auf sein Bauchgefühl gehört! Denn das Messemotto „Shareconomy“, das diesen Trend auf den Punkt bringen soll, lässt nicht nur für ihn viele Fragen offen.

Die Cebit im Überblick

  • Eröffnung

    Die Messe wird 4. März von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Polens Premier Donald Tusk offiziell eröffnet. Polen ist in diesem Jahr Partnerland der Cebit. Außerdem will der Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Thomas Enders, den rund 2500 Eröffnungsgästen den ersten europäischen Mars-Rover „Bridget“ präsentieren.

  • Dauer

    Die Cebit 2013 dauert vom 5. bis zum 9. März. Mit der fünftägigen Laufzeit halten die Veranstalter am Umfang der beiden Vorjahre fest. 2010 war die Messe um einen Tag verkürzt worden, um die Kosten der Aussteller zu senken.

  • Leitthema

    Das Leitthema der Messe lautet 2013 „Shareconomy“. Die Veranstalter greifen damit ein Trend-Thema auf: Das Teilen von Wissen, Ressourcen, Gegenständen und Erfahrungen mit Hilfe des Internet. Es kann dabei um Wohnungen, Autos oder Rasenmäher gehen - aber auch im kooperative Arbeitsmodelle, bei denen das Netz die Entfernung überbrücken kann.

  • Aussteller

    In diesem Jahr stellen rund 4100 Unternehmen aus 70 Ländern ihre Produkte und Neuentwicklungen in Hannover vor.

  • Cebit als Arbeitsmarkt

    So umfangreich wie noch nie ist in diesem Jahr der Bereich, bei dem Firmen um Nachwuchs werben. Allein in Deutschland sind nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom mehr als 40.000 Stellen für IT-Fachkräfte unbesetzt. Neben einer Stellenbörse soll auch der „Recruiting Day“ am 9. März Firmen und Bewerber zusammenbringen.

Zum einen krankt es daran, dass es so schwammig ist. Der Technologie-Branchenverband Bitkom fasst unter dem Kunstbegriff Shareconomy etliche sehr unterschiedliche Dinge zusammen: das Teilen von digitalen Inhalten wie Texten, Fotos und Musik, die gemeinsame Nutzung physischer Güter, außerdem die Beteiligung an kommerziellen, kulturellen oder sozialen Projekten über das Internet.

Wer seinen Freunden bei Facebook Urlaubsfotos zeigt, ist nach Lesart des Verbandes damit genauso Teil des proklamierten Trends wie jemand, der bei Airbnb ein Zimmer vermietet oder bei Kickstarter für ein soziales Projekte Geld spendet. Auch das Cloud Computing (selbst schon mal ein – gelungenes – Leitthema der Messe), bei dem Nutzer oder Firmen beispielsweise ihre Dokumente oder Fotos online lagern, zählt der Bitkom dazu. Dabei geht es hier nicht um eine Kultur des Teilens, sondern lediglich eine effiziente Speicherung von Daten.

Cebit-Dossier zum Download Wirtschaften nach dem Facebook-Prinzip

Mit dem Leitthema Shareconomy ruft die weltgrößte IT-Messe Cebit zum großen Datentauschen auf. Damit das auch klappt, müssen IT-Dienstleister allerdings noch einige Hürden nehmen.

Weil überall irgendetwas geteilt wird, springen zahlreiche Cebit-Aussteller auf den Trend auf. Wir sind alle Shareconomy! Das lenkt jedoch den Blick ab von der eigentlichen Ökonomie des Teilens – nämlich Portalen wie Airbnb, Carzapp oder WhyOwnIt, über die Nutzer Wohnraum, Autos oder Werkzeuge zur Verfügung stellen. Im Netz-Sprech hat sich dafür der Begriff kollaborativer Konsum eingebürgert.

  • 05.03.2013, 07:06 UhrFredi

    Natürlich stellt man seine privaten Daten weltweit zur Verfügung, um dann seine daten - natürlich im Rahmen der Terrorismusbekämpfung - von den Geheimdiensten durchleutet zu bekommen.
    Wenn ich bedenke, daß es Software gibt, die z.B. Gesichter im Netz sucht, so kann ich mir vorstellen, was mit den Daten im Netz passiert.
    Kürzlich hat Facebook mitgeteilt, daß keine Daten mit zu viel Haut gewünscht sind - damit zugegeben, daß alle Daten überwacht werden.
    Und auch das Abmahngesinde wird nicht lange brauchen, dieses Geschäftsfeld zu entdecken. Diese Abmahnpest wird auch in Cloud und Share wüten!
    Wer diese Datenüberwachung durch die Konzerne und deren Regierungen wünscht, der ist mit Cloud und Shareeconomy gut beraten.
    Alle anderen sollten Ihre paar TB Daten auf dem heimischen Computer belassen, und den Zugang zum Netz verhindern. Dabei ist man gut beraten, nicht nur auf eine Softwarefirewall zu setzen.

  • 05.03.2013, 08:24 UhrDaniel_Berger

    Dem Bürger soll Tausch- und Mangelwirtschaft als "cool" und trendy verkauft werden. Böse Menschen könnten meinen, dass der Michel auf den kommenden Sozialismus und die damit einhergehende Kollektivierung eingestimmt werden soll.

  • 05.03.2013, 08:34 UhrWolfsfreund

    "...das Teilen von digitalen Inhalten wie Texten, Fotos und Musik, die gemeinsame Nutzung physischer Güter, außerdem die Beteiligung an kommerziellen, kulturellen oder sozialen Projekten über das Internet."
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    "Teilen", die neue "Sozialromantik", kreiert durch FB und Konsorten. Geht's noch? Wer meine Texte oder Bilder (auch für privat) nutzen will, hat dafür ein lizenzbasiertes Nutzungshonorar zu bezahlen und mein Privateigentum ist genau das: Eigentum. Teilen ist nicht, und schon gar nicht den Wohnraum: "My home is my castle" und Fremde haben da nichts, aber auch gar nichts zu suchen! Schon bei dem Gedanken an Fremde, an Eindringlinge in meinem Heim wird mir übel.