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Attentate in Norwegen: Wenn Hacker Helden spielen

Mit seinen Attentaten hat der Terrorist Anders Breivik ein von ihm verfasstes Manifest berühmt gemacht. Im Internet kursieren etliche Kopien. Hacker wollen nun die Verbreitung stoppen, indem sie den Inhalt fälschen.

Aktivisten des internationalen Netzwerks "Anonymous" posieren in Berlin hinter ihren Masken. Quelle: dapd
Aktivisten des internationalen Netzwerks "Anonymous" posieren in Berlin hinter ihren Masken. Quelle: dapd

BerlinDas Hacker-Kollektiv Anonymous attackiert das „Manifest“ des norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik. Ein am Dienstag verbreiteter Aufruf zu einer „Operation UnManifest“ fordert dazu auf, das Manifest mit dem Titel „2083 - A European Declaration of Independence“ im Internet zu finden, drastisch zu verändern und dann weiterzuverbreiten. In der Menge der Fälschungen soll das ursprüngliche Dokument schließlich untergehen. 

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„Sorgt dafür, dass Anders ein Witz wird, dass niemand ihn mehr ernst nimmt“, erklärten die Verfasser. Die Gruppe variierte für den Aufruf die letzten beiden Zeilen ihres Mottos, so dass es nun dort heißt: „Wir alle verzeihen keinen Mord, wir alle vergessen nicht die Opfer.“ In seinem „Manifest“ breitet Breivik seine islam- und fremdenfeindliche Ideologie aus. Der 32-Jährige hat am vergangenen Freitag mit einer Bombe Teile des Osloer Regierungsviertels zerstört. Dabei wurden mindestens acht Menschen getötet. Zwei Stunden später erschoss er auf der Insel Utøya mindestens 68 Teilnehmer eines sozialdemokratischen Jugendlagers.

Die lose Gruppe Anonymous rekrutiert sich aus einem Bilder-Chat, einem sogenannten Imageboard, namens 4chan. Anonymous beschreibt sich selbst als "lebendiges Bewusstsein" und besteht nicht aus einer festen Gruppe von Leuten. Es sind überwiegend Jugendliche, die einen extremen Humor teilen, sich gegenseitig mit Bildern schockieren und einen eigenen Slang entwickelt haben. Statt der normalen Internet-Abkürzung "LOL" ("Laughing out loud", lautes lachen) nutzen die meisten 4chan-Chatter beispielsweise die Verballhornung "Lulz". Informationen über die Chat-Kultur sammeln sie in einem offenen Wiki namens Encyclopedia Dramatica.

  • 26.07.2011, 18:41 Uhr

    Individuen aus einer bestimmten politischen Ecke haben ja wohl regelrecht auf einen Breivik gewartet.
    Wenn man das Rauschen im Blätterwald beobachtet, drängen sich Parallelen zum Reichstagsbrand förmlich auf.
    Aus der Geschichte nichts gelernt?

  • 26.07.2011, 19:16 Uhr

    >>Nicht zuletzt ist das wohl dem überwiegend jungen Alter der 4Chan-Chatter geschuldet.<<

    Nun, dem überwiegend jungen Alter. Ich nehme an wir würden uns alle wundern wenn wir das wahre Alter der Teilnehmer kennen würden.

    >>Wenn Hacker Helden spielen<<
    Wie lautet denn der Titel wenn Berufspolitiker wieder einmal nach der allumfassenden Überwachung sämtlicher Staatsbürger schreien?
    "Die Stasi ist zurück?"

    Die einen versuchen etwas zu tun bzw. zu ändern und treten für Ihre Überzeugung ein. Wenn auch anonym.
    Die anderen stolpern von Symptom zu Symptom, verbreiten Angst und Schrecken, stellen dabei auch gerne mal Ihre Unfähigkeit und Ihr Unwissen zur Schau, verstecken sich bei all dem aber bequem hinter Ihrer Immunität.

  • 26.07.2011, 20:10 Uhr

    Gute Antwort.

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