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Blogger-Meinungen: Ein magisches Gefängnis namens iPad

Apples iPad sorgt auch unter Bloggern für Wirbel: Die Gemeinde der Techniknerds nimmt das jüngste Kultobjekt nicht nur mit Jubel auf. Während die einen von ihren magischen Momenten mit den iPads schwärmen, fürchten andere um die Freiheit des Webs.

Magisch oder ein Rückschrtritt? Blogger streiten über das iPad. Quelle: Reuters
Magisch oder ein Rückschrtritt? Blogger streiten über das iPad. Quelle: Reuters

DÜSSELDORF. Bei der Vorstellung von Apples neuem Hoffnungsträger am 27. Januar rauschte so mancher enttäuschter Kommentar die Twitter-Timeline der Apple-Fans herunter: „Kein Flash, kein USB – kein iPad für mich“, war der Tenor manch eines Enttäuschten. Zum Verkaufsstart am vergangenen Samstag schienen die Einwände dann fast vergessen. Technikfreaks aus den gesamten USA warten in der Schlange vor dem nächstgelegenen Apple Store – und twittern fleißig von ihren iPhones.

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Selbst aus Übersee lockt Apple seine Fans – wie beispielsweise Timo Hetzel aus München. Am 2. April kündigt er seinen iPad-Kurztrip an: „Zurück in 72h“. Weniger als 24 Stunden später zeigt er seinen Twitter-Followern stolz seine Beute: Sechs iPads. Die hysterische Stimmung im Apple Store an diesem Samstag bannt er auf Video.

Die vernetzte Welt von Twitter scheint wie gemacht für Apples Spiel mit dem Hype: Schnell postet jeder Apple-Jünger, der was auf sich hält, die Bilder der ergatterten iPads im Netz, die „New York Times“ bloggt live und „sogar Oma hat eins“ – die virale Marketing-Maschinerie läuft. „Apple, das ist doch diese PR-Agentur mit angeschlossener Merchandising-Abteilung“, kommentiert der deutsche Blogger Sascha Lobo den Hype am Dienstag lakonisch.

Der erste Tweet, der den erfolgreichen Kauf eines iPads vermeldet, kommt von einem Deutschen: „Yep. First iPad sold goes to Bavaria“, verkündet Journalist Richard Gutjahr stolz um 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf Twitter. In seinem Blog dokumentieren mehrere Videos seine „iPad-Erfahrung“, bei der er einen in den USA landesweit bekannten Profi-Ansteher durch seine Vorbestellung schlug, obwohl er nicht der erste in der Schlange war.

„Ein bisschen schwer und ein bisschen magisch“

Viele der technischen Einwände sind schnell vergessen, sobald die Nutzer ihre iPads in den Händen halten. „Es ist sehr schnell, ein bisschen schwer und ein bisschen magisch“ fasst ein Blogger auf „ReadWriteWeb“ seine Eindrücke zusammen. Viele andere sind ähnlich begeistert. Bei den Gadget-Bloggern von „Engadget“ ist man voll des Lobes: „Das iPad ist mehr als ein Produkt, es ist ein Statement, eine Idee und potentiell eine Antriebsfeder in der Welt der Consumer Eletronics“. Andere sehen die Sache nüchterner: „Es ist ein großes iPhone“, bringt es ein Nutzer auf dem kollaborativen US-Technikblog „Slashdot“ auf den Punkt. Auch er beschreibt das 680-Gramm-Tablet-PC als überraschend schwer. Sein Fazit: Für den Poweruser ist das iPad mangels verfügbarer Anwendungen derzeit nichts.

Die Partner der Venture-Capital-Firma Kleiner Perkins Caufield & Byers loben das iPad als Zukunftstechnologie. In einem Gastbeitrag für das renommierte US-Technikblog „Techcrunch“ schreiben sie: „Wir glauben, es wird die Welt beherrschen“. „Ich habe es angefasst, gehalten, gestreichelt. Es fühlt sich großartig an. Es fühlt sich an, als fasse man die Zukunft an“. Nüchterner ist da die Firma Ifixit: Sie haben hinter die Magie des iPads geschaut und listen trocken dessen technische Komponenten auf.

Die Blogger von „Engadget“ glauben ebenfalls an eine große Zukunft für das iPad: Der Tablet-PC könnte das bedeutendste Gerät sein, das Apple je auf den Markt gebracht hat, weil es einer völlig neuen Geräteklasse zum Durchbruch verhelfen könnte, schreiben sie. Wie auch auf anderen Blogs wird vor allem das Design, das brillante Display und das Bedienfeeling gelobt. Selbst zum Lesen von E-Books soll es laut „Engadget“ problemlos geeignet sein: „Nach einiger Zeit sahen wir keinen Bildschirm mehr, wir sahen ein Buch“, loben die Gadget-Spezialisten die Qualität des Displays. Viel Lob quer durch alle Blogs erntet Apple auch für die Akkulaufzeit des Geräts: Trotz intensiver Nutzung berichten sie, hielte das iPad sogar länger als die von Apple versprochenen 10 Stunden durch.

Uneinigkeit herrscht über den Anwendungszweck des neuen Geräts. „Endgagdet“ stellt Apples mitgelieferte Bürosotware iWork heraus, mit der sogar „dröge Businessman-Inhalte“ leicht zu erstellen seien. Der neuseeländische Blogger Grant Jacobs glaubt dagegen, das iPad sei vor allem „zum Konsumieren von Inhalten, nicht zum produzieren“. Erste Web-Daten, die „Techcrunch“ am Montag veröffentlichte, scheinen das zu belegen: Das iPhone wird überwiegend unter der Woche während der Arbeitszeit genutzt, das iPad am Wochenende.

„Das iPad ist ein Rückschritt“

An der Technik gibt es meist nur im Detail Kritik. So bemängeln viele, dass sich das iPad nur an wenigen Macs über den USB-Adapter aufladen lasse. Schwerwiegender ist da schon eine Kritik, die nicht technischer Natur ist: Nicht wenige Technikverliebte, die mit der Freiheitskultur des Internets aufgewachsen sind, stinkt Apples Kontrolle über die Inhalte. Apple hatte sein restriktives Modell mit dem iPhone eingeführt: Nur Anwendungen aus Apples eigenem App Store dürfen auf dem Gerät laufen. Wer dort seine Programme anbieten darf, entscheidet Apple – und verdient an jeder verkauften „App“ kräftig mit. Nicht wenige fürchten, dass diesem geschlossenen Geschäftsmodell mit dem iPad der Durchbruch gelingen könnte. Statt Webapplikationen, die auf jeder Plattform laufen, dominiert dann Apple den Markt der „Apps“.

Der US-Medienprofessor Jeff Jarvis bringt die Bedenken vieler Netzaffiner auf den Punkt: „Das iPad ist ein Rückschritt. Es macht uns wieder zu Zuschauern“, schreibt er in seinem Blog „Buzz Machine“. Als Beispiel führt er die „App“ des „Time Magazine“ an: „Es ist schlechter als das Web: Wir können es nicht kommentieren, nicht remixen, nicht heraus klicken, nicht hinnein verlinken – und sie denken, das sei 4,99 Dollar in der Woche wert“. Einen gemäßigteren Standpunkt vertritt der Blogger Alex Payne. Er fordert Apple unter anderem dazu auf, den Nutzern zu erlauben, wenigstens selbst programmierte Software kostenlos auf ihren iPhones und iPads zu installieren.

Jeff Jarvis' Einwände teilt Cory Doctorow, der mit „Boing Boing“ eines der bekanntesten Blogs der USA führt. Er erklärt seinen Lesern, warum er sich kein iPad zulegen wird und es ihm seine Leser gleich tun sollten: iPad und iPhone seien eine „Wal-Martisierung des Softwarevertriebs“. „Apple nutzt DRM (Digital Rights Management) um zu kontrollieren, was du auf deinen Geräten laufen lassen kannst, was bedeutet, dass Apples Kunden ihren 'iContent' nicht zu konkurrierenden Geräten mitnehmen können und Apple-Entwickler können nicht unter ihren eigenen Bedingungen verkaufen“, schreibt er erbost.

Allerdings war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Gemeinde der Nerds aus Apples Gefängnis befreit. Schon am Samstag behauptet der erste, Apples Restriktion geknackt zu haben. Zum Beweis veröffentlichte er via Twitter ein Video des geknackten iPads, auf dem sich damit auch nicht von Apple autorisierte Software ausführen lässt.

Will it blend?

Die für viele Nerds wichtigste Frage bei jedem neuen Gadget wurde übrigens auch schon beantwortet. Sie lautet „Will it blend?“ („Lässt es sich mixen?“). Beantwortet wird die Frage regelmäßig für jedes neue Gadget von dem gleichnamigen Blog, der viralen Marketingkampagne eines Mixer-Herstellers. Auch andere nutzen den Hype um das iPad als virtuelle Trittbrettfahrer. Das Youtube-Video einer Gruppe von Schuljungen, die den iPad mit einem Baseballschläger maltritieren, wurde schon von über einer halben Millionen Internetusern angesehen.

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