_

Bußgelder angedroht: Aigner verlässt Facebook aus Protest

Verbraucherministerin Ilse Aigner macht ihre Drohung wahr und will ihr Profil im größten soziale Netzwerk Facebook „zeitnah“ löschen. Dem US-Unternehmen drohte die Ministerin mit Bußgeldern, falls es die Daten seiner Nutzer nicht besser vor dem Zugriff Dritter schützt. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar prüft unterdessen Gesetzesverstöße gegen die Website.

Ilse Aigner auf Facebook. Das Profil will der Verbraucherministerin zeitnah löschen. Quelle: dpa
Ilse Aigner auf Facebook. Das Profil will der Verbraucherministerin zeitnah löschen. Quelle: dpa

HB BERLIN. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner hat dem sozialen Online-Netzwerk Facebook mit gedroht, falls Sie werde nicht akzeptieren, dass das Unternehmen gegen Datenschutzrecht verstoße und die Privatsphäre der Mitglieder in weiten Teilen ignoriere, sagte die CSU-Politikerin am Donnerstag nach einem Treffen mit Facebook-Manager Richard Allen in Berlin. Zudem wolle sie sich selbst "zeitnah" abmelden.

Anzeige

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, der für Facebook in Deutschland zuständig ist, prüfe derzeit, inwieweit das Unternehmen deutsche Gesetze nicht einhalte. Bei einem Verstoß werde "auf alle Fälle ein Bußgeld fällig", sagte Aigner.

Die digitale Vernetzung bereichere zwar das Leben. "Aber wir müssen jederzeit die Kontrolle behalten können", sagte Aigner. "Ich glaube nicht, dass alle wissen, was da abgeht."

Nutzereinstellungen komplexer als Steuererklärung

Im Kern geht es der Ministerin darum, dass Facebook-Nutzer in der Grundeinstellung ihres Profils dem Unternehmen erlauben, dass sensible persönliche Informationen ungefragt veröffentlicht, weitergeleitet und vermarktet werden dürfen. Um dies zu verhindern, müssen die Mitglieder sich durch ein umfangreiches Menü klicken.

Mitunter sei eine Steuererklärung leichter als die vielen Einstellungen zur Privatsphäre, kritisierte die CSU-Politikerin. "Die Grundeinstellung muss restriktiv sein."

Aigner hatte den Schutz persönlicher Daten bei Google und Facebook wiederholt kritisiert. Facebook erklärte sich nach massiver Kritik von Internet-Nutzern und Verbraucherschützern zuletzt bereit, den Schutz der personenbezogenen Daten der weltweit mehr als 400 Mio. Mitglieder zu verbessern. Aigner sagte jedoch, sie habe weiter Zweifel, dass diese angebotenen Verbesserungen ausreichend seien. "Das Gespräch heute hat leider meine Skepsis bestätigt", sagte sie.

Zudem sprach sich Aigner für mehr Aufklärung aus. "Der Umgang mit Medien muss gelernt werden wie Verkehrserziehung", sagte sie mit Blick auf jüngere Nutzer. Ob auch andere Nutzer ihrem Austritts-Beispiel folgen sollten, müsse aber jeder selbst entscheiden. Aigner hat nach eigenen Angaben bei Facebook derzeit etwa 8 300 Unterstützer und 4 300 Fans.

  • 07.06.2010, 16:35 UhrAnonymer Benutzer: bernd r wehn

    Mir ist absolut schleierhaft was an den Netzwerken positiv sein soll? besser einen wahren Freund/in in Realität als 500 virtuelle "Möchte-gerne". bin zwar noch mit buisnessinfos auf twitter, aber selbst da frage ich mich: Muss ich wissen, ob sich "Miss ivanka T." heute morgen die Zähne geputzt hat? Und wer liest schon die tweets der 100 oder 500 denen er folgt ... wahrscheinlich keiner, like me! Wie gehabt - möglicherweise nötig für die USA aber der Rest der Welt könnte darauf verzichten!

  • 04.06.2010, 13:20 UhrAnonymer Benutzer: Mariana mayer

    Facebook ist doch für den Anwender kostenfrei oder nicht?
    Also irgendwie müssen die sich ja finanzieren, genau wie hier. Von mir oder dem allgemeinen bürger weiß der Staat auch alles und zwar nahezu lückenlos. Macht euch doch nichts vor.

    Das Problem liegt ganz woanders:
    in dem Moment wie durch die Weitergabe der Daten echter Missbrauch betrieben wird, z.b. in den USA : Google hat alle Häuser über neighbourhood abgelichtet und jemand schreibt dazu: Hier wohnt ein behinderter oder etwas ähnliches.
    im internet bildet sich nur das ab, was es im realen Leben schon immer gab.

    Übrigens Abschiebepraktiken in Deutschland, ganz genau werden die Personen erfasst und abgeschoben die mitten unter uns in der bevölkerung leben.
    Die Personen leben hier und plötzlich steht die Polizei vor der Türe und schiebt Jugendliche ins Niemandsland ab.

    Alles auch ohne Facebook möglich.

  • 04.06.2010, 13:05 UhrAnonymer Benutzer: emma

    Facebook und alle Social Media sind hype und werden zum bestandteil des täglichen Lebens. Frage für wen und wofür?
    Muß ich der ganzen Fangemeinde erzählen wie der Urlaub war oder wo ich mich gerade aufhalte? Wie wäre es denn mit telefonieren? Miteinander reden anstatt nur noch non verbal kommunizieren.
    Wer braucht denn Facebook? Wir werden langfristign noch schlechter kommunizieren und unsere "Social Skills " werden ebenfalls immer schlechter.

  • Die aktuellen Top-Themen
Ethik-Diskussion: Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Bei einer Tagung des Chaos Computer Club haben Hacker versucht, für sich eine neue Ethik zu formulieren. Doch die Szene streitet, was Hacker dürfen sollen.

Expo 2012: Viel High Tech, wenig Gäste

Viel High Tech, wenig Gäste

Mit einer Expo zur nachhaltigen Nutzung der Meere will Südkorea Gäste aus aller Welt ins Land locken. Allein im deutschen Pavillon stecken 15 Millionen Euro. Doch die ersten Besucherzahlen waren enttäuschend.

Dragon besucht ISS: Das Andock-Manöver in Bildern

Das Andock-Manöver in Bildern

Erstmals dockt an der Raumstation ISS etwa 350 Kilometer über der Erdoberfläche ein privat finanzierter Raumtransporter an. Die beeindruckenden Bilder zu einem Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

  • Video

Auto-Visionen Viel Power für wenig Euro - Mazda 3 MPS

Über das Design des sportlichen Japaners kann man streiten - über das Preis-Leistungsverhältnis nicht. Für weniger als 30.000 Euro bietet Mazda satte 260 Pferdestärken. Was sonst noch im MPS steckt, klärt unser Fahrtest.