
HANNOVER. Zum Auftakt der Computermesse Cebit in Hannover zeigt die IT-Branche neue Zuversicht. Die Krise sei überwunden, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer am Montag bei der Messe, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero am Abend eröffneten. Spanien ist Partnerland.
Merkel betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass die Politik und die Unternehmen gemeinsam den schnellen Ausbau der Kommunikations- und Informationstechnologie in Deutschland vorantreiben müssten. Kernelement sei dabei auch die ländliche Versorgung mit schnellen Internetverbindungen. „Ende des Jahres sollen 99 Prozent der Haushalte mit einem Breitbandanschluss ausgestattet sein“, betonte Merkel. Bis 2014 sollen dann drei Viertel der Haushalte an Hochleistungsnetze mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde angeschlossen werden.
Dem von Bitkom-Präsident Scheer geforderten „Internet-Minister“ erteilte die Bundeskanzlerin allerdings eine Abfuhr. „Ich glaube nicht, dass die Wirksamkeit eines solchen Staatsministers die Lösung ist“, sagte sie.
Nach Berechnungen von Bitkom wird der Umsatz mit Informationstechnik in diesem Jahr in Deutschland um 1,4 Prozent auf 64,4 Mrd. Euro (63,5 Mrd. 2009) zulegen, das ist knapp eine Milliarde mehr als im Vorjahr. 2011 sei sogar mit einer Steigerung von 3,8 Prozent auf 68,8 Mrd. Euro zu rechnen. Da die IT-Industrie in der Krise deutlich weniger geschrumpft sei als andere Branchen, werde die IT-Branche allerdings nicht so stark wachsen wie andere Bereiche, sagte Scheer.
Der weltweit größte IT-Markt wird in diesem Jahr die Europäische Union mit 28 Prozent Marktanteil sein. In einer nach Ländern unterteilten Bitkom-Rangliste rangiert Deutschland mit 5,6 Prozent auf Platz vier hinter den USA, Japan und dem aufstrebenden China.
Das Wachstum in Deutschland kommt vor allem durch Unternehmen, die in der Krise ihre IT-Investitionen aufgeschoben haben. Nach wie vor gut sei aber auch die Nachfrage der Verbraucher nach Handys und mobilen Computern. Während das produzierende Gewerbe noch unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise leide, sei die Finanzwirtschaft derzeit der größte Investor, sagte Scheer. Aber auch die Nachfrage von Energieversorgern und der öffentlichen Hand steige. „Von der Erholung profitieren Anbieter von Software und IT-Services am stärksten“, sagte Scheer.
Auch die Bundesregierung will das Thema IT vorantreiben und bis zum Sommer eine „digitale Strategie“ vorlegen. Ziel sei, von Deutschland und der EU aus ähnlich wie früher beim Mobilfunk mit GSM jetzt auch im Breitbandbereich einen internationalen Standard zu setzen, heißt es in Regierungskreisen. Dafür soll die Infrastruktur in den Bereichen Verwaltung, Energie, Verkehr, Gesundheit und Bildung mit öffentlicher Hilfe ausgebaut werden. Ein Schwerpunkt liegt laut Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) auf „smart grids“ (intelligenten Stromnetzen) und dem „Cloud-Computing“ (Rechnerkapazitäten, Datenspeicher).
Bereits 2009 hatte die Bundesregierung den Ausbau der Breitband-Verkabelung in Deutschland zu einem Schwerpunkt im Krisen-Konjunkturpaket gemacht. Mit der neuen IT-Strategie will die Politik nun aber auch Kritik aus der Wirtschaft entkräften. So hatte Scheer in den vergangenen Tagen die Internetpolitik der Bundesregierung als „unkoordiniert“ kritisiert.