
DÜSSELDORF. Schon über 23 000 Nutzer haben sich dem von allen im Bundestag vertretenen Parteien geschmiedeten Bündnis "Privacy Now!" angeschlossen. Sie fordern als Gruppe auf Facebook strengere Datenschutzrichtlinien für das soziale Netzwerk. Auch Verbraucherschützer haben die Anbieter sozialer Netzwerke bereits seit längerem ins Visier genommen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert insbesondere die unklaren Datenschutzbestimmungen. Als Beispiel nennt Falk Lüke, Referent für Verbraucherrechte in der digitalen Welt bei dem Verband, die Importfunktion für Adressbücher bei Facebook. Es sei unklar, was genau mit den so importierten Daten passiert. "In jedem Fall bleiben sie gespeichert, so lange man nicht selbst aktiv dafür sorgt, dass sie gelöscht werden", so Lüke gegenüber Handelsblatt Online.
Der Blogger Enno Park bemängelt den Datenaustausch mit dem E-Mail-Anbieter GMX: Nachdem er eine E-Mail verschickt hatte, bekam er Name und Foto des E-Mail-Besitzers dank der GMX-Facebook-Kooperation frei Haus.
Die Skepsis der Datenschützer ist nicht unbegründet: Im November 2007 zeigte das soziale Netzwerk mit dem Werbenetzwerk Beacon, "wo die Reise hingeht", wie es Lüke ausdrückt. Damals setzte Facebook ein Werbesystem auf, das personenbezogene Werbung auch durch Daten von fremden Websites generierte. Erst nach massiven Protesten der Nutzer stellte Facebook das Webesystem im September 2009 ab.
Derzeit diskutiert Facebook eine Änderung der Datenschutzbestimmungen. Dabei gingen die Vorschläge "wieder einmal in die falsche Richtung" schreiben die politischen Initiatoren der Protestgruppe "Privacy Now", der Politiker aller Bundestagsfraktionen angehören. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen schließt sich dieser Kritik an. "Unter anderem wird derzeit die Erhebung von Standortdaten diskutiert", so Lüke. Wie das technisch geschehen soll - über die IP-Adresse, Triangle-Techniken bei mobilen Geräten oder sogar der Zugriff auf GPS-Daten - sei bisher nicht klar.