IT + Internet

_

Digitale Kunst: Wenn die Kopie das Original ist

Während die Musikindustrie unter den illiegalen Tauschbörsen im Internet hauptsächlich leidet, ist das Medium Internet für Künstler Segen und Fluch zugleich.

hiz DÜSSELDORF. Die Musik- und Filmindustrie klagt über Tauschbörsen, die ihre Produktionen tausendfach über das Internet verbreiten. Dies verursache gigantische Einnahmeausfälle. Einen Standpunkt, den mal leicht nachvollziehen kann. Die Argumentation mancher Tauschbörsennutzer, dass die CDs und DVDs zu teuer angeboten werden, hilft nicht aus dem digitalen Dilemma.

Anzeige

Eine andere Sparte, die sich weniger spektakulär in der Öffentlichkeit präsentiert, ist von den Errungenschaften modernen Technik genauso betroffen: Die Kunst.

„Mit dem Einzug des Internet in die Wohnzimmer hat sich auch die Kunstrezeption grundsätzlich verändert“, stellt der Maler- und Aktionskünstler Hermann Josef Hack fest. „Der Konsument hat keine Möglichkeit zwischen Original und Kopie zu unterscheiden“

Dieser Zustand setzt den Künstlern existentiell zu. Hard- und Software haben den Künstlern neue Werkzeuge und damit neue Ausdrucksmöglichkeiten an die Hand gegeben. Nachdem die ersten Berührungsängste mit dem Computer überwunden sind, finden sie bis dahin nicht gekannte Ausdrucksformen. Auch wenn mancher Maler die dritte Dimension, zum Beispiel das Aufbringen der Farbe auf ein Bild, vermisst.

Ist erst einmal die "Angst" vor der Technik verflogen und klappt die Bedienung der Software reibungslos, entstehen echte Kunstwerke wie Grafiken, Bilder, Animationen oder Musikstücke in künstlerischer Perfektion.

Hier beginnt das Dilemma: Ein Original von Picasso, van Gogh oder Rubens wird von Kunstsachverständigen anhand der Machart und der verwendeten Materialien erkannt. Kopien unterscheiden sich immer vom Original. Bei der "digitalen" Kunst ist das anders. Es gibt keine Kopie, sondern nur Originale oder nur Kopien. Ein kopierter Datensatz ist das Kunstwerk. Und jeder, der die gleiche Apparatur einsetzt, kann es in gleicher Qualität reproduzieren. Beliebig oft!

Die Rechtsprechung ist auf diese Probleme weltweit genauso wenig vorbereitet wie Kunstsammler oder -konsumenten. Wie definieren wir Original und Kopie? Wie stellen wir sicher, dass Elektronik-Kunst in Ihrem Wert erhalten bleibt? Copyright, Gebrauchsmusterschutz und Patente sind zum Schutz von digitalen Kunstwerken ungeeignet. Sie sind vor dem Computerzeitalter entstanden.

Hermann Josef Hack, der seit Anfang der neunziger Jahre mit interaktiven Projekten die neuen Medien zum Werkstoff seiner Kunst macht, verewigt nicht nur deswegen seine Werke wieder als „Handarbeit“ auf Leinwand oder Folie. Bei seinen Aktionen nutzt er aber weiterhin die Vorzüge moderner Technik, damit seine Botschaft über das Internet weltweit verbreitet wird.

„Man kann die Vorteile der neuen Medien nicht nutzen und zugleich die Maßstäbe der alten anlegen. Meine Kunst, die sich der Ubiquität und kostenlosen Verfügbarkeit des Internet bedient, verschenkt sich an die Nutzer bewusst und begrüßt die Partizipation breiter Kreise als Erweiterung des Beuys’schen Kunstbegriffs der sozialen Plastik: Jeder Nutzer ein Künstler“, so Hack, „je größer die Verfügbarkeit solch medialer Kunstformen ist, desto wertvoller wird das von Hand gemalte oder gezeichnete Werk. Insofern ist mir um die Zukunft der traditionellen Medien nicht bang.“

  • Die aktuellen Top-Themen
Archäologie: Das Grab der Keltenfürstin

Das Grab der Keltenfürstin

Die Grabkammer der Keltenfürstin von der Donau gilt als einer der bedeutendsten archäologischen Funde in Deutschland. Noch längst sind nicht alle Rätsel der Grabanlage unterhalb der Heuneburg gelöst.

Bilder der Woche: So wird der Mensch zum Gecko

So wird der Mensch zum Gecko

Geckos gelten als wahre Kletter-Koryphäen – ihre mit feinen Härchen versehenen Füße haften auf praktisch jedem festen Untergrund. Forscher haben diese Klebefüße nun nicht nur nachgebaut, sondern sogar noch verbessert.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer