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Emotionsforschung: Warum im Netz so erbittert gestritten wird

Im Netz wird teilweise grob gestänkert und gezankt. Ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt stellt die Frage: Warum eigentlich? Ein Resultat der Forscher: Mit der Anonymität hat das nicht viel zu tun.

Ein grinsender Smiley: Wissenschaftler erforschen die Gefühlswelt des Netzes. Quelle: dapd
Ein grinsender Smiley: Wissenschaftler erforschen die Gefühlswelt des Netzes. Quelle: dapd

Wer in Foren, Blogs oder soziale Netzwerke schaut, der könnte denken, dass im Netz nur gestänkert, beleidigt und geflucht wird: Kommentarspalten füllen sich mit gegenseitigen Anfeindungen, die Emotionen quellen über, Wörter wie „Penner“, „Idiot“ und „Volltrottel“ zählen noch zu den harmlosen Beschimpfungen. Das hat vor kurzem Markus Beckedahl, Betreiber des populären Blogs netzpolitik.org, dazu gebracht, sich in seinem Text „Einfach mal die Kommentare schließen?“ über die Diskussionskultur zu echauffieren – und stieß damit eine Debatte an.

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Doch diese Debatte beschäftigt nicht nur die Netzbürger – sondern auch die Wissenschaft. Schon seit über drei Jahren widmet sich ein europäisches Forschungs-Konsortium dem Wesen von Netz-Communitys. Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen aus fünf EU-Ländern (Polen, England, Österreich, Slowenien, Deutschland) und der Schweiz analysieren die Diskussionskultur in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken. Emotionspsychologen, Informatiker, theoretische Physiker sowie Experten für Künstliche Intelligenz, Virtuelle Realität und Komplexe Systeme untersuchen unter dem Projektnamen „CyberEmotions“, warum teils so emotional gestritten wird – und was man dagegen tun kann.

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Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen realer und virtueller Diskussion ist: Im Netz treffen Menschen aufeinander, die sich nicht kennen. Diese Aussage mag banal klingen, doch aus ihr leiten sich Erkenntnisse ab, warum der Ton in Foren, Blogs und Kommentarbereichen oft so rau ist. Mit Anonymität hat das laut Psychologie-Professor Arvid Kappas von der Jacobs University in Bremen nämlich nicht viel zu tun.

Der an dem Projekt beteiligte Forscher hat dazu ein Experiment mit zwei Kleingruppen durchgeführt: Jede Gruppe besteht aus zwei Personen, die über das Internet zu einem Thema diskutieren sollten. Die eine Gruppe sollte sich vorher kennenlernen, fragen, wo die andere Person herkommt, was sie macht. Die andere Gruppe startete sofort in die Diskussion. Das Ergebnis: Die Personen, die sich vorher nicht über persönliche Dinge unterhalten haben, gingen rauer miteinander um als die, die sich vorher gegenseitig kennengelernt hatten.

Das spiegelt sich nach Untersuchungsdaten der Forscher auch in Internet-Communitys wieder: Die österreichische Nachrichtensite „derstandard.at“ zum Beispiel hat eine sehr rege Community; einige User diskutieren dort schon seit Jahren in den Kommentaren miteinander. Viele benutzen zwar Pseudonyme, doch sie kennen sich untereinander – und entsprechend reagieren sie weniger harsch aufeinander. „Wenn die User der Community wissen ‚Ach, das ist wieder der eine, der holt immer Marx aus der Kiste‘, dann verhalten sie sich ihm gegenüber mehr wie einem Bekannten“, sagt Kappas. „Ob der Benutzername nun ‚Steffen Meyer‘ oder ‚Anonymous‘ ist, ist fast egal.“

Aber eben nur fast.

  • 28.08.2012, 11:55 Uhrtabascoman

    Es ist ein sehr schmaler Grat zwischen "Diskussions-Kultur" und Zenzur!

    Daß dafür Brüssel Geld ausgibt, ist mir sehr klar.
    Und jedem sollte klar sein, daß genau diese Forschungsergebnisse -wie alles andere auch- mißbraucht werden können. Hier z.B. zur Meinungslenkung. Andererseits ist ja Meinungslenkung durch unsere medien nichts Neues. Beispiele? Was wäre Frau Merkel ohne ihre Hofberichtserstattung? Oder welche Rolle würde das Thema Umwelt spielen, wenn auch nachteilige Argumente zum tragen kämen?

  • 28.08.2012, 08:43 UhrEinanderer

    Interessanter - aber auch viel schwieriger - wird's wenn nicht die emotionale sondern die sachliche Qualität bewertet werden soll. Bei den vielen Verschwörungstheorien und Hassweltbildern wäre das mindestens genauso notwendig.

  • 27.08.2012, 14:23 UhrHermann.12

    Übrigens die Software, gehört verboten! wei lsie letztlich wie verbotene Schleichwerbung wirkt.

    H.

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