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Farmville: Das Milliardengeschäft mit der Zeitverschwendung

Ein absurd anmutendes Spielprinzip ist zu einem weltweiten Hype auf dem sozialen Online-Netzwerk Facebook geworden: Millionen Nutzer rund um den Globus päppeln ihre virtuellen Pflanzen auf oder kümmern sich liebevoll um Kühe, die nur digital existieren. Hersteller Zynga ist milliardenschwer und wird von Investoren umworben. Doch das lukrative Geschäftsmodell hat eine Achillesferse.

von Stephan Dörner
77 Millionen Nutzer von Facebook und MySpace begeistern sich für Farmville. Quelle: Pressebild
77 Millionen Nutzer von Facebook und MySpace begeistern sich für Farmville. Quelle: Pressebild

DÜSSELDORF. Farmville ist bei weitem nicht das erste Browserspiel – aber das bisher mit Abstand erfolgreichste. Rund 77 Millionen Nutzer von Facebook und MySpace verbringen laut Herstellerangaben derzeit Zeit mit der Aufzucht virtueller Pflanzen. Die größte Konkurrenz macht sich der Onlinespiele-Anbieter dabei selbst, denn auch die nächsten Vertreter in der Hitliste der erfolgreichsten Netzwerk-Spiele kommen von dem US-Unternehmen. Für Jugendliche, denen die Aufzucht von Bohnen und Möhrchen zu brav ist, hat Zynga beispielsweise „Mafia Wars“ im Angebot: Dort kümmern sich die Spieler ebenfalls um Pflanzen – die werden in diesem Fall jedoch als Drogen verkauft. Insgesamt kommt Zynga damit laut eigenen Angaben auf derzeit über 230 Millionen Spieler.

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Mein Haus, mein Traktor ...

Hinter dem Erfolg von „Farmville“ steckt ein einfaches Prinzip: Der Spieler wird durch schnelle Erfolgserlebnisse am Anfang mit Punkten belohnt, die er durch die Aufzucht von Pflanzen und deren Ernte erhält. Diese Gewinne lassen sich reinvestieren, zum Beispiel in neues Saatgut oder im späteren Verlauf des Spiels auch in eine Vielzahl von Farmhäusern oder immer besseren Traktoren. Wer seine Freunde auf Facebook dazu überredet, ebenfalls mitzuspielen, kann von diesen Geschenke erhalten. Es lohnt sich also, so viele Freunde wie möglich zu überzeugen.

Geld verdient Zynga in dem Moment, wenn die meist jungen Spieler zu ungeduldig werden: Wer sich das Farmhaus nicht mühsam durch das Ernten immer neuer Früchte verdienen will, kann auch mit echten Geld nachhelfen – und so bei den virtuellen Bekanntschaften mit dem schöneren Haus oder dem größeren Trecker prahlen. Online funktioniert die Welt nicht anders als im richtigen Leben.

Rasantes Wachstum und hohe Margen

Damit ist Zynga ist eine Firma, die aus dem Vertrödeln von Zeit ein Milliardengeschäft gemacht hat: Laut Unternehmensangaben plant Zynga die Ausgabe von zwei Millionen Vorzugsaktien zu einem Ausgabepreis von 12,87 US-Dollar pro Stück. Bei rund 360 Millionen erwarteten Aktien schätzt sich das Unternehmen damit selbst auf einen Wert von 4,6 Milliarden Dollar, wie das Wall Street Journal schreibt.

Der US-Unternehmer Steven Carpenter nennt Zynga in einer Reihe von Youtube, Twitter und Groupon als eines der Unternehmen, die es mit am schnellsten von der Gründung zu einem Wert von über einer Milliarde Dollar schafften. Carpenter beziffert diesen Zeitraum für Zynga auf gerade einmal 19 Monate. Anders als Youtube oder Twitter sei es dem Startup aber gelungen, während dieser Zeit auch hochprofitabel zu werden, rechnet Carpenter für das US-Technologieblog Techcrunch vor. Zahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht. Carpenter schätzt den Umsatz auf rund 600 Millionen Dollar im Jahr, gibt aber zu, dass diese Schätzung eher hoch ausfällt. Der Umsatz könnte auch nur die Hälfte betragen. Die Nettomarge schätzt der Unternehmer auf 30 Prozent. Zum Vergleich: Für Facebook wird der Umsatz 2009 zwischen 500 und 700 Millionen Dollar geschätzt.

  • 29.12.2010, 18:31 Uhrphotografisch

    Ja, mit Second Lifa hatten wir das alles doch schin mal. Das sich Leute immernoch dafür begeistern lassen, mit echtem Geld virtuelle Güter zu kaufen ist echt traurig. Dann sollen sie es lieber nem Penner in den Hut werfen, damit ist der Welt um einiges mehr geholfen!

  • 18.05.2010, 01:34 UhrMichael Zwahlen

    Spaß, Hobby, Geld, virtuelle Welten und Realitäten vermischen sich und das ist ein Trend, der sicher bleibt. Die Frage ist also nur, welche Firmen dieses am schnellsten erkennen und in ein dauerhaftes Geschäftsmodell umwandeln können. Wir betreiben Community basierte Geschäfte in einem (global gesehen) kleinen Markt erfolgreich seit zehn Jahren. Zynga ist auf einem guten Wege dazu, einen weitaus größeren Markt zu erschließen. Und das nicht nur bei "meist jungen Spielern".

  • 17.05.2010, 13:39 UhrJonas

    Noch 'ne DotCOM blase. Redet noch irgendjemand von Second Life ? Also Leute, wer Geld verbrennen will, kauft diese Aktien.

    Einzig nett ist die Überschrift: Ja, solche Spiele sind Zeitverschwendung.

    > Online funktioniert die Welt nicht anders als im richtigen Leben.

    Hmm, Herr Dörner, nicht von ihnen auf andere schliessen. Seit dem jeder weiß, daß teure Autos i.A. Firmenwagen sind "der Mann hat gar kein Auto", Trecker auf Kredit gekauft werden, hat sich die echte Welt gewandelt.

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