
KölnComputerspieler gelten nicht gerade als sonderlich sozial: Hartnäckig hält sich das Klischee des Spiele-Nerds, der im stillen Kämmerlein vor sich hin daddelt und sich dabei ausschließlich von Pizza und Softdrinks ernährt. Doch der Andrang auf der Computerspielmesse Gamescom - dieses Jahr werden 254.000 Besucher erwartet - zeigt: Computerspiele sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Jetzt sollen sie durch das Internet noch sozialer werden. Social Gaming heißt das Zauberwort, das etwa Anleger dazu bewegt, eine Firma wie Zynga ("Farmville") mit 13,8 Milliarden Dollar zu bewerten.
So viel Erfolg macht neidisch: Der Chef des Spieleschmiede Activision, einem Urgestein der Szene, verkündete auf der Gamescom fast schon trotzig, dass er die Bewertungen der Social-Game-Firmen für völlig überzogen hält. Die Konkurrenz bei Electronic Arts war da schneller – und hat schon 2009 für geschätzte 275 Millionen Dollar die Firma Playfish erworben. Seitdem ist Electronic Arts auch auf sozialen Netzwerken wie Facebook, MySpace und Google Plus präsent.
Geld verdient die Spieleindustrie in Zukunft vor allem im Internet. Der Trend Online-Gaming geht mit allerlei Fachbegriffen und Modewörtern einher - wir erklären die Wichtigsten.
Als Browsergames werden Spiele bezeichnet, die direkt im Internetbrowser spielbar sind. Für bestimmte Browsergames muss allerdings einmalig ein sogenannter Plug-In wie Flash installiert werden. Der neue HTML-Standard HTML5 macht derartige Spiele auch ohne Plug-In möglich.
Bei vielen Arbeitgebern dürften Browsergames nicht besonders beliebt sein. Als Google am 23. Mai 2010 sein Startseiten-Logo in eine spielbare Version des Games „Pac Man“ verwandelte, verweilten die Nutzer im Durchschnitt gut 36 Sekunden länger auf der Seite. Daraus errechnete Google eine „verlorene Arbeitszeit“ von fast fünf Millionen Stunden.
Sowohl Casual als auch Social Games wie Farmville und MMOs werden häufig in Form von Browsergames angeboten.
Hier lädt sich der Nutzer ein Programm (umgangssprachlich App genannt) auf sein Smartphone oder auf den Tablet-PC, um spielen zu können. Der stärkere Wettbewerb bei den Smartphone-Betriebssystemen kurbelt auch die App-Branche an.
Die mobilen Spiele werden zunehmend kostenlos zum Download angeboten. Oft sind das aber nur Appetithappen. Wer alle Level spielen will, muss die Vollversion kaufen. Die Deutschen gaben im ersten Halbjahr 2010 gut 15 Millionen Euro für Spiele-Apps aus. Besonders beliebt: „Angry Birds“ von der finnischen Firma Rovio. Die zornigen Vögel sind bereits auf über 250 Millionen Smartphones gelandet.
MMO (auch MMOG) steht für Massively Multiplayer Online Game. Die erfolgreichste MMO-Unterkategorie sind die MMORPGs - Multiplayer-Rollenspiele wie „World of Warcraft“. Bei typischen MMOs spielen sehr viele Spieler über das Internet in einer „Spielewelt“. Diese virtuelle Welt wird von den Spielern ständig verändert, die oft enge Beziehungen untereinander unterhalten und sich typischerweise in Gruppen, oft „Clans“ oder „Gilden“ genannt, zusammenschließen.
MMOs sind entweder Browsergames oder clientbasiert, was bedeutet, dass ein Programm (Client) auf dem Computer installiert werden muss – dafür steigt dann auch die Spielqualität. Weltmarktführer bei MMOs ist seit vielen Jahren „World of Warcraft“ das von der US-Firma Activision Blizzard vertrieben wird.
Hinter diesem Modebegriff verbergen sich simple Spiele für Millionen: leicht zu spielen, mit schnellen Erfolgserlebnissen und kooperativen Elementen. Oft sind es Denk- und Ratespiele, aufgehängt an bekannten Marken wie etwa „Wer wird Millionär“.
Die allermeisten Casual Games erfordern keine besondere Hardware, laufen also auch auf alten Rechnern oder Handys und sind kostenfrei spielbar. Typischerweise bezahlt ein gewisser Anteil der Casual Gamer für den Download einer Premium-Version oder einen Premium-Zugang, so dass sich die Spiele insgesamt rechnen.
Als eines der ersten Casual Game gilt „Solitaire“, das schon in den 90ern millionenfach gespielt wurde. Im Online-Zeitalter sind Casual Games aber erst richtig populär geworden. Einen weiteren Schub erhielten sie durch das soziale Netzwerk Facebook.
Als Social Games werden Spiele bezeichnet, die überwiegend über Soziale Netzwerke gespielt werden. Die Idee: Wer sowieso schon mit seinen Freunden vernetzt und häufig online ist, will ab und zu vielleicht auch mit diesen oder gegen diese spielen. Dabei werden Pflanzen gepflegt, Tiere gehegt, Mafia-Kriege ausgefochten oder Städte geplant – die Vielfalt kennt keine Grenzen. Die Hemmschwelle ist zudem niedrig, da fast alle Spiele direkt im Browser funktionieren und kostenlos sind.
Geld verdienen Hersteller wie der klare Marktführer Zynga vor allem mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten, sogenannten Items. Das kann ein neuer Traktor sein, ein Raumschiffantrieb, eine neue Frisur…
Allein unter den Facebook-Nutzern haben wohl über 300 Millionen schon einmal ein Social Game gespielt. Genauso schnell wie Dutzende Millionen von Nutzern für Spiele wie Farmville, Mafiawars oder Cityville gewonnen werden, lässt oft die Aufmerksamkeit auch wieder nach. Im Juni 2010 wurde die Zahl der Spieler mit 70 Millionen angegeben, ein Jahr später waren es noch etwa 38 Millionen.
VIele der Social Games sind gleichzeitig auch Casual Games, da sie wenig komplex sind.
„Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Karten auf allen Plattformen auszuspielen: So erreichen wir auch Frauen, Social Gamers und Casual Gamers", sagt der Deutschlandchef von Electronic Arts, Jens Coenen.
Sein Unternehmen hält die exklusiven Rechte zur Vermarktung der Bundesliga in Computer- und Videospielen. Jedes Jahr kann EA diese Lizenzen in einen neuen Teil der FIFA-Serie verwandeln, der für Playstation, XBox und PC erhältlich ist. Jetzt kommen soziale Netzwerke und Browserspiele dazu – und damit auch Spieler, die sonst nicht mit der FIFA-Serie in Kontakt gekommen wären. Social Gaming soll die Branche beflügeln.