IT + Internet

_

GPS-Konkurrenz: Chinas Positionssystem ist schon einsatzbereit

Das amerikanische Navigationssystem GPS hat zumindest in Fernost einen ernstzunehmenden Konkurrenten. Chinas Beidou-Satelliten arbeiten bereits regional, während Europa weit hinterherhinkt.

Das Jiuquan Satellite Launch Center im Nordwesten Chinas: Mit dem neuen Beidou-Navigationssystem macht das Land dem aus den USA kommenden GPS Konkurrenz. Quelle: dpa
Das Jiuquan Satellite Launch Center im Nordwesten Chinas: Mit dem neuen Beidou-Navigationssystem macht das Land dem aus den USA kommenden GPS Konkurrenz. Quelle: dpa

PekingDie erste Ausbaustufe des chinesischen Positionssystems "Beidou" ist seit wenigen Tagen fertiggestellt. Am Wochenende folgte nun eine konkrete Aufforderung an internationale Elektroanbieter, die Signale der Beidou-Satelliten für ihre Produkte zu nutzen. „Die Funktionsweise von Beidou ist mit GPS vergleichbar, die Nutzung ist jedoch preiswerter“, sagt Ran Chengqi, Chef des China Satellite Navigation Office.

Anzeige

Auf der Homepage der Betreiber steht nun ein Dokument, das die Struktur der Funksignale für Fachleute erklärt. Zudem ist eine E-Mailadresse freigeschaltet, über die sich interessierte Anbieter von Geräten mit Navigationsfunktion über die Nutzungsweise informieren können. Das gilt als Einladung an Elektroanbieter weltweit, Beidou zumindest als Alternative zu GPS zu unterstützen.

Mit 16 Satelliten in Erdumlaufbahnen deckt Beidou die Region Ostasien bis hinunter nach Australien ab. Weltweit wird es erst 2020 verfügbar. Das Beidou-System, das auf Englisch auch „Compass“ genannt wird, liefert die Position mit einer Genauigkeit von zehn Metern. Das ist etwas besser als der bisherige Marktführer GPS.

Auch die EU arbeitet an einem eigenen Positionssystem, das noch höhere Präzision erreichen soll. Doch „Galileo“ liegt nach Streitigkeiten zwischen den europäischen Trägern deutlich hinter dem Zeitplan. Es soll erst 2014 zumindest teilweise nutzbar werden.

Weltraum

Der Aufbau eines einen Navigationssystems lohnt sich für China gleich mehrfach: kommerziell, militärisch und fürs Prestige. Der Markt für Positionsdienste in China liegt derzeit bereits bei knapp 15 Milliarden Euro und soll in den kommenden acht Jahren auf 60 Milliarden Euro steigen. Satelliten-Betreiber Ran Chengqi schätzt, dass sich in drei Jahren bis zu einem Fünftel der Navigationsgeräte in China an den Beidou-Satelliten orientieren.

Auch das chinesische Militär hat darauf gedrängt, ein eigenes Navigationssystem zu bekommen. Auch wenn im Alltag nichts davon zu merken ist: Die Generäle im Pentagon haben die Kontrolle über die Genauigkeit des GPS und können es jederzeit regional ausfallen lassen. Die chinesische Volksbefreiungsarmee kann sich also gerade im Ernstfall nicht auf die Satelliten des großen Konkurrenten Amerika verlassen.

Dazu kommt das Bedürfnis der aufstrebenden Weltraumnation China, ihr neu erworbenes Weltraum-Können einzusetzen. Peking wollte ursprünglich an Galileo teilnehmen, war dann jedoch vom Misstrauen und den internen Querelen der Europäer genervt. Im Jahr 2006 fiel dann nach mehrjährigen Tests die Entscheidung, selbstständig ein Konkurrenzverfahren zu entwickeln. Schon ab dem folgenden Jahr schickte die chinesische Weltraumbehörde regelmäßig Satelliten für den Aufbau von Beidou in ihre Umlaufbahnen. Es lief dabei bisher alles technisch glatt, schneller als der Zeitplan und unter dem Kostenvoranschlag.

  • 05.01.2013, 15:09 UhrBundesbuerge

    Nun ja, wir haben uns bzw. unsere alternativlose Regierung, dazu entschlossen Banken und Investoren zu retten, da bleibt nichts übrig für Technikentwicklungen. Kosten von 5 Milliarden in 10 Jahren? Da lachen unsere Bankenretter doch nur!

  • 02.01.2013, 15:53 Uhrtomiboy

    Wie ist die ISIN der BEIDOU BETREIBER???? Ich find überhaupt nichts darüber auf dem ganzen Internet.

    oder halt
    China Navigation Satellite Office


    find nix!

  • 31.12.2012, 15:23 Uhrulrichhauck

    Vor einer Woche hat China die längste Trasse für Hochgeschwindigkeits-Züge mit 2300 km in Betrieb genommen.
    Jetzt das eigene Satelliten- Positioniersystem lange vor Europa !!
    Die Europäer träumen noch von " High-Tec-Europa ".
    Die Musik spielt doch schon lange woanders !!

  • Die aktuellen Top-Themen
Malediven: Was tun, wenn das ganze Land im Meer versinkt?

Was tun, wenn das ganze Land im Meer versinkt?

Ein Staat kämpft gegen den Untergang: Unter dem Einfluss des Klimawandels müssen die Bewohner der Malediven notgedrungen neue Ideen entwickeln, um ihr Inselreich zu retten. Niederländische Experten sollen helfen.

Verspäteter Start: Privater Raumfrachter „Dragon“ endlich im All

Privater Raumfrachter „Dragon“ endlich im All

Nach wochenlangem Aufschub ist der Start der unbenannten Fähre „Dragon“ endlich geglückt. Der private Raumfrachter bringt mehr als zwei Tonnen Material und Vorräte zur ISS. Dort wird der Nachschub dringendst erwartet.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer