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Ifa 2009: Web-TV: Per Hintertür ins Wohnzimmer

Früher war die TV-Welt einfach: Produzenten erstellten Inhalte, die sie an Sender verkauften. Die bauten bezahlte Werbung ein und lieferten das Gesamtpaket als Programm an die Verteiler wie Kabel, Satellit oder Antenne. Heute drängen sich von allen Seiten neue Spieler in das Geschäft - und mischen die alten Wertschöpfungskette auf. Kabelbetreiber, Satellitenfirmen und Sendeanstalten sind entsetzt.

Die Fernsehwelt steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Quelle: dpa
Die Fernsehwelt steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Quelle: dpa

BERLIN. Matthias Greve ist sich ganz sicher: „Videoweb wird die Fernsehwelt verändern“, verspricht der Mitgründer des erfolgreichsten deutschen Internet-Unternehmens, Web.de. Videoweb, das ist sein neues Baby. Das alte Web.de ist längst an den DSL-Konzern 1&1 verkauft, und Greve hat seinen bequemen Vorstandsposten im neuen Mutterkonzern aufgegeben. Energie und Geld steckt er nun in das Karlsruher Start-Up. Auf der Ifa in Berlin wird er ab Freitag sein erstes Produkt vorführen.

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Der kleine schwarze Kasten mit dem Namen S 500 wird nicht nur - wie bei Settop-Boxen üblich - brav das TV-Signal von der Satellitenschüssel auf den Bildschirm des Fernsehers bringen, sondern per DSL auch das Internet und mehr. Gezappt wird dann nicht mehr nur zwischen den TV-Kanälen, sondern zwischen TV und Web.

Kabelbetreiber, Satellitenfirmen und Sendeanstalten sind entsetzt. Die Hintertür ins Wohnzimmer ihrer Kunden steht jetzt sperrangelweit auf. Wer will, spaziert einfach rein und nimmt sich seinen Teil am ohnehin schrumpfenden Werbekuchen. Warum in der „ersten Reihe“ den Millionen-Euro teuren Werbespot buchen, wenn der gleiche Konsument Minuten später auf Youtube mit einer Anzeige für ein paar Euro erreichbar ist? Kollabierende Werbeumsätze der TV-Sender sprechen bereits eine deutliche Sprache.

Vor ein paar Jahren hatten Technikfreaks noch amateurhaft lärmende PCs an Fernseher angeschlossen, um zu surfen, Digitalfotos anzuschauen oder die MP3-Musik über die Glotze zu steuern. Heute steht ein schickes Kästchen namens Apple TV unter dem Fernseher und holt bequem und lautlos die Digitalwelt ins Haus.

Steve Jobs nennt Apple TV gerne sein „Hobby“, aber das glaubt ihm längst niemand mehr. Apple TV ist ein zentrales Zukunftsprojekt und die Zeit scheint langsam reif. Konkurrent Microsoft macht nach Schätzungen von Parks Associates bereits über eine Mrd. Dollar jährlichen Umsatz nur mit Video-Downloads, Abo-Gebühren, Spieleverkäufen und sonstigen Einnahmen über den Online-Dienst seiner TV-Spielekonsole Xbox360, die in Großbritannien seit wenigen Monaten als Settop-Box für Pay-TV-Sender angeboten wird.

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