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Internetfähige Fernseher: Von der „Glotze“ zum iPad an der Wand

Der Boom der internetfähigen TV-Geräte versetzt die Fernsehbranche in Euphorie. Deren Absatz steigt rasant und soll sich in den nächsten fünf Jahren vervierfachen. Die Fernsehsender sehen die technischen Innovationen jedoch nicht uneingeschhränkt als Chance, ihre Reichweite auszubauen.

2011 wird das Schlüsseljahr für die Branche. Quelle: Reuters
2011 wird das Schlüsseljahr für die Branche. Quelle: Reuters

LAS VEGAS/DÜSSELDORF. "Wir werden mit unseren Inhalten auf allen Vertriebskanälen präsent sein", sagte ein Sprecher der RTL Group. Europas größter Fernsehkonzern befindet sich derzeit in Gesprächen für eine Rahmenvereinbarung mit der Geräteindustrie, um die neuen Möglichkeiten zum Vorteil beider Seiten zu nutzen. In den Niederlanden hat die dortige RTL-Tochter bereits eine Vereinbarung mit Philips getroffen, um mit ihren Fernsehinhalten auf den neuen Multimedia-TV-Geräten präsent zu sein.

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Der Absatz der internetfähigen Fernseher steigt rasant. Bereits 2015, schätzt die Analysefirma Park Associates aus dem texanischen Dallas, gehen weltweit rund 350 Millionen web-fähige TV-Geräte, Bluray-Player, Spielekonsolen oder Settop-Boxen wie Google TV oder Apple TV über die Ladentheken. Das wäre dann eine glatte Vervierfachung gegenüber 2010. Shawn Dubravac, Analyst beim US-Branchenverband CEA geht davon aus, dass dann über 50 Prozent aller verkauften TV-Geräte einen Internetanschluss haben werden.

2011 wird dabei ein Schlüsseljahr: "Wir sehen jetzt die vierte Generation der internetfähigen TV-Geräte, und alle namhaften Hersteller zeigen in Las Vegas Neuheiten", so Kurt Scherf, Branchenanalyst bei Parks Associates. "Außerdem hat das Inhalteangebot endlich zu den Möglichkeiten der Hardware aufgeholt. TV-Sender und Kabelanbieter zeigen eine breite Unterstützung für die Internet-Inhalte."

Tatsächlich begreifen die Fernsehsender die Innovationen als Chance, um ihre Reichweite auszubauen. "Durch internetfähige TV-Geräte und Apps wird die Nutzungsdauer des Fernsehens weiter steigen", hieß es bei der Bertelsmann-Fernsehtochter RTL. Vor allem der amerikanische Markt sorgt bei TV-Konzernen und der Geräteindustrie für Zuversicht. Dort haben Internet-TV-Geräte bereits 3-D-TV in der Käufergunst überholt. 2009 hatten 3-D-Fernseher einen Marktanteil von drei Prozent, Web-Geräte kamen auf vier Prozent.

Der Vorteil für die Käufer: Das TV-Gerät wandelt sich von der "Glotze" aus früheren Zeiten zu einer Art riesigem iPad an der Wand. Software, sogenannte "Apps" von Google, Apple, Yahoo oder Microsoft, ermöglicht dem Zuschauer, seinen Fernseher individuell aufzurüsten. Die Web-Download-Seite Netflix verhandelt bereits mit Herstellern, um auf den Fernbedienungen direkt einen eigenen Netflix-Knopf neben den Programmwahltasten einzufügen. Spielekonsolen machen den Fernseher zur Unterhaltungszentrale. Aktuell kämpfen im Markt geschlossene Systeme wie von Apple, Samsung oder Yahoo, die auf stärkere Inhaltekontrolle setzen, gegen offene Plattformen, wie sie Google mit seinem Videoportal Youtube plant.

Allerdings zeigen derzeit die Sender wenig Neigung, ihre Programme in solchen Umgebungen zur Verfügung zu stellen. Bereits im vergangenen Jahr warnte RTL-Vorstandschef Gerhard Zeiler vor der "parasitären Nutzung unserer Sendesignale über neue Technologien". Eine mögliche Lösung des Dilemmas zeigen Intel und der Prozessorhersteller ARM in Las Vegas: spezielle Chips, die das unerlaubte Abspielen urheberrechtlich geschützter Medien verhindern sollen.

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