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Iran: Die Revolution wird gezwitschert

Das wichtigste Kommunikationsinstrument der iranischen Opposition ist der in Deutschland gern geschmähte Kurznachrichtendienst Twitter. Und: Er wird zum handfesten Hilfsinstrument der globalen Internet-Gemeinde.

Für viele junge Iraner sind Dienste wie Facebook, Twitter oder Flickr essentieller Bestandteil ihres Lebens. Quelle: dpa
Für viele junge Iraner sind Dienste wie Facebook, Twitter oder Flickr essentieller Bestandteil ihres Lebens. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Es ist ein Hilferuf auf 140 Zeichen: "Twitter ist derzeit der EINZIGE Weg Nachrichten aus dem Iran zu kommunizieren. BITTE nehmt es nicht vom Netz." Irgendwann gegen 1 Uhr am deutschen Morgen ging diese Nachricht über den Kurznachrichtendienst Twitter, verschickt vom Nutzer Moussavi1388.

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Gerichtet ist sie an das Management von Twitter. Das hat Wartungsarbeiten angekündigt, unverschiebbare Arbeiten, ohne sie sei der Bestand der Plattform gefährdet. Twitters Dienstleister NTT America hat alles geplant: Natürlich soll die Auszeit möglichst wenig Nutzer treffen - und ist deshalb vor Monaten schon auf die amerikanische Nachtzeit terminiert worden. Doch wenn es dunkel ist in den USA, ist es hell im Iran. Twitter reagiert: Die Wartung wird auf 1.30 Uhr am iranischen Morgen verschoben.

Viel ist in den vergangenen Wochen geschrieben worden über jenen scheinbar schnöden Dienst, mit dem Nachrichten bis zu 140 Zeichen veröffentlicht werden können. Das deutsche Feuilleton erhitzte sich ob des "nervenden Geschnatter" ("Die Zeit") das "keinen Gewinn bringt" ("Süddeutsche Zeitung"). Nun aber ist Twitter nicht nur der vielleicht wichtigste Teil der Nachrichtenflusses aus dem Iran - er ist zum handfesten Hilfsmittel geworden.

Ohne Twitter würde die Weltöffentlichkeit derzeit deutlich weniger erfahren über das Geschehen im Iran. Zum einen wird jeder Link zu Fotos, Videos oder Berichten von den Nutzern weitergetragen wird. Seit Tagen ist das Schlagwort "Iranelection" das meistbenutzte der globalen Nutzer.

Entscheidend dazu beigetragen hat die Internet-Freude eines Teils der iranischen Bevölkerung: Für viele junge und westlich orientierte Iraner sind Dienste wie Facebook, Twitter oder Flickr essentieller Bestandteil ihres Lebens. Hier können sie kommunizieren ohne Angst vor Repressalien. Denn diese Netze lassen sich war durch einen Internet-Filter komplett blockieren - die Kommunikation innerhalb ihres Bereichs aber ist sicher. Wer also den Filter umgehen kann, hat freie Bahn.

Mit Beginn der Wahlen aber hat die iranische Regierung ihre vorhandenen Internet-Sperren verschärft. Das bekam vor allem Friendfeed zu spüren. Der US-Dienst, bei dem Nutzer all ihre Web-Aktivitäten gesammelt abbilden können, ist mit einer Million Nutzern weltweit wenig relevant. Doch ist er unter iranischen Studenten extrem populär. Folge: In den vergangenen Tagen ist die Zahl der Zugriffe auf Friendfeed um rund 80 Prozent gesunken.

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