
Auch Gattin Stephanie zu Guttenberg – bekannt vor allem durch die umstrittene RTL-2-Sendung „Tatort Internet“ – setzte sich als Präsidentin der deutschen Sektion des Vereins „Innonence in Danger“ für die Netzsperren ein. Viel Kritik zog sie mit ihrem Fokus auf die angeblichen Gefahren des Internets auf sich, obwohl die weitaus meisten Missbrauchsfälle im familiären Umfeld von Kindern verzeichnet werden.
Auch bei anderen Themen, die Netzaktivisten bewegen, stand zu Guttenberg bislang immer auf der anderen Seite des politischen Spektrums. So stimmte er für die von Netzaktivisten scharf kritisierte Vorratsdatenspeicherung – und verteidigte dieses Stimmverhalten auf dem Politik-Portal abgeordnetenwatch.de. Das Gesetz verpflichtet Telekommunikationsanbieter Verbindungsdaten wie aufgerufene Websites verdachtsunabhängig zu speichern – nur für den Fall, dass die Daten in einem Strafverfahren noch relevant werden könnten. Auch in der Sendung „Tatort Internet“ von Stephanie zu Guttenberg wurde für das politische Vorhaben der Vorratsdatenspeicherung geworben.
Entsprechend schlecht ist zu Guttenbergs Ruf unter Netzaktivisten. Zahlreich beteiligten sie sich am Guttenplag-Wiki, um plagiierte Fundstellen in seiner Doktorarbeit zu dokumentieren. Die Netzaktivisten des Wikis zwangen den Minister letztlich zum Rücktritt, da ihn die zahlreichen Fundstellen der Lüge überführten. Zu Anfang hatte er Plagiatsvorwürfe bezüglicher seiner Doktorarbeit noch als „abstrus“ zurückgewiesen.
Dass er sich jetzt zum Anwalt seiner Kritiker erklären will, löst im Netz nur noch Kopfschütteln aus. Der Verein Digitale Gesellschaft weist Neelie Kroes via Twitter auf etablierte Netzaktivisten hin, die Datenschutzaktivistin Anne Roth nennt Guttenbergs Berufung die „schlechteste mögliche Entscheidung“. „Das diskreditiert die gesamte Idee“. „Ein schlechter Scherz“ urteilt der Anti-Zensur-Aktivist Florian Walther. Andere reagieren mit bitteren Spott: „Karl-Theodor zu Guttenberg berät jetzt die EU in Sachen Internet. Seine erste Lektion: Copy und Paste“, schreibt „Scherzinfarkt“.
Wenn Guttenberg aus seiner persönlichen Geschichte lernt, Urheberrecht im Internet abschaffen und freies Kopieren für alle einführen will, hat da sicher keiner was dagegen.
Wenn er bei der Gelegenheit noch demokratisch würde, also vorweg erstmal die dummen Adels“titel“ ablegen würde, dreiste Lügen nicht mehr als legitimes Stilmittel des Politikers zu begreifen oder sogar lernen würde basisdemokratisch die Person hinter den Inhalten hintan zu stellen, könnte er sicher aus dem einen oder anderen Parteiprogramm wertvolle Inhalte zusammenkopieren und als Antrag auf dem nächsten Bundesparteitag der Piraten als Antrag zur Satzung vertreten ;-)
Leider wird es wohl nicht soweit kommen und so lange es nicht soweit kommt, ist dieser Mann zu bekämpfen.
Guttenberg geht es nicht um die größtmögliche Freiheit im Internet, sondern um ein Spezialthema: Freies Internet in totalitären Staaten. Was das genau meint, haben die Journalisten zu fragen versäumt, weil sie sich zu sehr auf seine Person konzentriert hatten. Geht es evtl. um eine Art Destabilisierung gewisser Staaten wie Kuba, indem über das Internet ein Aufstand angezettelt wird? Wenn Guttenberg mithilft, die Castro-Regierung zu stürzen, dann wird er vielleicht anschließend aus Dankbarkeit zum kubanischen Tourismus-Minister ernannt.
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