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Kritik bei Twitter: Netzgemeinde fremdelt mit ihrem Liebling

Als SPD und Grüne den Bürgerrechtler Joachim Gauck 2010 als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten nominiert hatten, wurde Gauck schnell zum Liebling der Netzgemeinde. Doch inzwischen wächst die Kritik.

Joachim Gauck - der ehemaliger Star im Netz wird inzwischen scharf kritisiert. Quelle: dapd
Joachim Gauck - der ehemaliger Star im Netz wird inzwischen scharf kritisiert. Quelle: dapd

Düsseldorf2010 elektrisierte ein damals 70-jähriger Polit-Rentner das Netz: Die Zahl der Mitgliedschaften in der Facebook-Gruppe „Joachim Gauck als Bundespräsident“ explodierte. In dem Bürgerrechtler, der sich in der ehemaligen DDR für Freiheitsrechte einsetzt, sahen viele der Netzgemeinde einen geistigen Verwandten. Immerhin ist die Freiheit des Internets eines der stärksten Anliegen von Netzaktivisten. Für sie war Gauck ein unabhängiger Kopf – aber chancenlos gegen den von CDU/CSU und FDP damals nominierten Parteipolitiker Christian Wulff.

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Nun, da Gauck der offizielle überparteiliche Kandidat aller Fraktionen mit Ausnahme der Linken ist, mischt sich viel Kritik in die Jubelarie. Ein näherer Blick auf das politische Wirken Gaucks offenbart eine große Kluft zwischen dem liberal-konservativen Bürgerrechtler und den klar linksliberal tickenden Netzaktiven. Die Vorratsdatenspeicherung, ein rotes Tuch der Netzgemeinde, führe nicht in den Überwachungsstaat sagte Gauck einmal.  „Sie müssen wissen, dass etwa die Speicherung von Telekommunikationsdaten nicht der Beginn eines Spitzelstaates ist“, sagte er bei einer Diskussion im Dezember 2010.

Das Zitat ließ die Netzgemeinde aufhorchen – und tiefer graben. Tatsächlich gibt es weitere Zitate Gaucks, die zeigen, dass zwischen den jungen Bürgerrechtlern im Netz und dem DDR-Bürgerrechtler eine tiefe Kluft besteht. Dem umstrittenen Islamkritiker Thilo Sarrazin nannte Gauck „mutig“, die im Netz mit viel Sympathie begleiteten Occupy-Wall-Street-Proteste „unsäglich albern“. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit, denn vor allem das Sarrazin-Zitat wurde aus dem Kontext gerissen, wofür sich beispielsweise die Ex-Grüne Netzaktivistin und Journalistin Julia Seeliger bereits auf ihrem FAZ-Blog entschuldigt hat.

  • 21.02.2012, 09:38 UhrToStri

    Die breite Unterstützung für Gauck in der Bevölkerung erscheint mir herbeigeredet und herbeigeschrieben. Wenn die Politiker (fast aller Parteien) in ihm einen „wahren Demokratielehrer" (Merkel, CDU) oder „Einen, der Glanz in die Demokratie bringt" (Roth, Grüne) sehen, so empfinde ich dies als krotesk. Ich dachte wir wären schon weiter, dachte die gewählten Volksvertreter hätten Demokratie verstanden und das Parlament wäre der Glanz darin. Dem ist wohl nicht so! Der alte Herr Gauck mit seinem Kauderwelsch, bei dem sich die Argumente pseudo-intellektuell nur so ineinander verschachteln und gegenseitig relativieren, der aber – wenn mal etwas eindeutig ist – eher arrogant und anmaßend daherkommt (wenn auch durch die Blume), ist in meinen Augen keine präsidiale Besetzung des Bundespräsidenten-Amtes. Dieses Foto, das ihn mit Finanzhai Maschmeyer und Ferres zeigt, passt ja bestens zu seiner respektlosen Art z.B. gegenüber Empfängern von Hartz 4 oder zu seiner Veralberung der Finanzkapitalismus-Kritik. Gauck: Vom Regen in die Traufe?

  • 20.02.2012, 20:12 UhrFerdinand_Hauser

    Die Königsmacher

    Ich wette, die Grünen werden die Dummheit bald bereuen, zu den Königsmachern gehört zu haben. Oder sich noch weiter von dem wegbewegen müssen, was sie vor unendlich langer Zeit mal waren: ein Alternative. Mittelweile wissen wir, was Fischer so treibt, und daß die Parteivorsitzende sich mit Beckstein duzt. Seit gestern auch, daß die Grünen (von der SPD ganz zu schweigen) nicht nur wegen ESM und Eurobonds keine Alternative mehr sind. Sie haben sich nicht nur an den vorherrschenden Politikstil angepaßt, sondern teilen ihre Vorlieben mittlerweile sogar mit der FDP(!). Alleine Gaucks Bemerkung zur Occupy-Bewegung hätte ausgereicht, ihn vehement abzulehnen: Zum größten Problem der Zeit wird Gauck nur Niveauloses beisteuern. Piraten und Linke werden den Mißgriff des politischen Establishments für sich zu nutzen verstehen. Wer Roth & Co. heute noch zuhören mag, muß schon schwerhörig sein.

  • 20.02.2012, 13:46 UhrGeneral-Investigation

    @ Pendler

    " Denn ein Opfer der Stasi war er zu DDR-Zeiten ganz gewiss nicht, im Gegenteil, Gauck durfte sich nicht nur frei in der DDR bewegen, sondern auch in den Westen reisen, ein Privileg, das nicht viele seiner Landsleute hatten. "

    Fast identisches lässt sich auch über Frau Merkel berichten, mit dem kleinen Nachbrenner das sie tatsächlich für die Stasi einen bekannten Menschenrechtler in der DDR bespitzelt hat. Frau Merkel hat frühzeitig dafür gesorgt das IHRE Stasiakte nicht veröffentlicht werden darf.

    Warum machen wir es nicht einfach so und lassen von allen Bundestagsabgeordneten die Unterlagen der Stasi veröffentlichen - vielleicht tritt der eine oder andere ja schon vorher zurück; Wulff hat es ja vorgemacht wie man zurücktritt wenn es eng wird.

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