_

Mega-Rechner D-Wave One: Eine Wette auf die Zukunft

Ist der D-Wave ein echter Quantencomputer oder nicht? Der Hersteller des Mega-Rechners feiert seine Entwicklung, die die IT-Welt revolutionieren soll. Doch namhafte Wissenschaftler bezweifeln die Echtheit.

Einen ersten experimentellen Quantencomputer will die kanadischen Firma D-Wave entwickelt haben. Quelle: D-Wave
Einen ersten experimentellen Quantencomputer will die kanadischen Firma D-Wave entwickelt haben. Quelle: D-Wave

San FranciscoVor wenigen Wochen feierte die Universität von Südkalifornien (USC) in Marina del Rey bei Los Angeles ihren jüngsten Zuwachs. Einen großen schwarzen Block, im Inneren bis auf Minus 273 Grad gekühlt, Millionen von Dollar teuer. Es ist der angeblich erste serienreife Quantencomputer, hergestellt durch die kleine kanadische Firma D-Wave.

Anzeige

Die Geschichte des D-Wave One - so heißt der Megarechner - ist lang. Immer wieder vollmundig angekündigt, immer wieder verschoben, soll er jetzt aus einem Büropark in der Nähe von Vancouver die IT-Landschaft revolutionieren. Mit Hilfe des Quantencomputers sollen sehr spezielle Aufgaben deutlich schneller als mit jedem aktuellen Supercomputer auszuführen sein. Alleine den Beweis ist das Unternehmen noch schuldig geblieben.

Hinter der 1999 gegründeten Firma stehen große Investoren und Venture-Capital-Firmen wie Goldman Sachs und Harris & Harris. In den Augen vieler Branchenkenner erklärt der Druck, den solche Geldgeber üblicherweise aufbauen, auch das aggressive Marketing in Sachen Quanten-Computing.

Namhafte Wissenschaftler wie Professor Scott Aaronson vom MIT zweifeln jedenfalls an, dass der D-Wave One ein echter Quantencomputer ist. Auch Alfred Spector, Leiter des Research & Development bei Google in Mountain View zeigt sich zurückhaltend: Google arbeite seit Jahren an den Möglichkeiten, die Quantencomputer bieten könnten, sagt er. Und man spreche auch mit D-Wave. Aber einen Quantencomputer habe der Webriese noch nicht, schon gar keinen von D-Wave.

Das aber hält die Wissenschaftler im Küstenstädtchen Marina del Rey nicht ab weiterzuforschen. Der gigantische Eisklotz wird in einem hermetisch abgeriegelten Gehäuse betrieben, jede noch so kleine Störung könnte die Ergebnisse verfälschen, warnt D-Wave.

Gadgets und Hardware

Für den Luftfahrtkonzern Lockheed Martin ist der D-Wave eine Wette. Der D-Wave One soll in Zusammenarbeit mit Batterien von konventionellen Rechnern, sozusagen als Hilfsknecht, Softwarefehler aufspüren und sogar irgendwann potenzielle Fehlerquellen nennen können, bevor sie entstehen, so Thad Madden, Sprecher von Lockheed.

Solche Pannen kosten viel Geld, erst kürzlich musste eingeräumt werden, dass der neue F-35-Jäger rund 20 Prozent teurer geworden ist als geplant. Wenn man so etwas in Zukunft verhindern kann, sind zehn Millionen Dollar gut angelegtes Geld.

  • Die aktuellen Top-Themen
Ethik-Diskussion: Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Bei einer Tagung des Chaos Computer Club haben Hacker versucht, für sich eine neue Ethik zu formulieren. Doch die Szene streitet, was Hacker dürfen sollen.

Expo 2012: Viel High Tech, wenig Gäste

Viel High Tech, wenig Gäste

Mit einer Expo zur nachhaltigen Nutzung der Meere will Südkorea Gäste aus aller Welt ins Land locken. Allein im deutschen Pavillon stecken 15 Millionen Euro. Doch die ersten Besucherzahlen waren enttäuschend.

Dragon besucht ISS: Das Andock-Manöver in Bildern

Das Andock-Manöver in Bildern

Erstmals dockt an der Raumstation ISS etwa 350 Kilometer über der Erdoberfläche ein privat finanzierter Raumtransporter an. Die beeindruckenden Bilder zu einem Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft