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Musikindustrie: Wie der Online-Handel die CD verdrängt

Ob als Album oder als Datei - Musik wird zunehmend online gekauft. In den USA, Großbritannien und Frankreich verschwinden CDs aus den Geschäften. In Deutschland scheint das Schicksal der Scheibe noch offen.

Stundenlang an CD-Regalen stöbern, hier reinhören, dort reinhören. Gehört das bald der Vergangenheit an? Quelle: dpa
Stundenlang an CD-Regalen stöbern, hier reinhören, dort reinhören. Gehört das bald der Vergangenheit an? Quelle: dpa

Berlin/New YorkStundenlang an CD-Regalen stöbern, hier reinhören, dort reinhören. Das war einmal. So sehen es zumindest einige Branchenexperten und stimmen einen Abgesang auf die CD in den Geschäften an. In den USA verschwinden die Musikläden fast völlig aus den Innenstädten und Einkaufszentren. In Großbritannien und Frankreich stehen mit HMV und Virgin Megastore große Ketten vor dem Aus. Wie sieht es in Deutschland aus?

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Der Berliner Musikproduzent und ehemalige Chef des Major-Labels Universal Music in Deutschland, Tim Renner, ist überzeugt: „In Zukunft wird der Markt für Musik zu 90 Prozent digital und zu 10 Prozent physisch sein.“ Die Musikladen-Kette WOM, vor nicht allzu langer Zeit noch ein Treffpunkt der Jugend in deutschen Innenstädten, existiert nur noch als Internet-Marke. Noch bieten zwar Elektromärkte CDs an. Aber auch dort werden sie nach Renners Einschätzung fast vollständig verschwinden. „Irgendwann reicht vermutlich ein kleiner CD-Ständer aus, wie heute schon die kleinen Vinyl-Ständer.“

Nachrichten aus der Musikbranche

Ein Blick ins Ausland verrät, wohin die Reise gehen könnte: In US-Metropolen ist es schwer geworden, überhaupt einen guten Laden für Tonträger zu finden. Am ehesten haben sich noch Geschäfte gehalten, die Musik abseits des Massengeschmacks anbieten oder eine breite Auswahl an Schallplatten anbieten, darunter gern auch gebrauchte Alben. Ein Beispiel ist Academy Records & CDs in Manhattan.

Die Kette Tower Records mit zum Schluss noch 89 Läden hat dagegen schon im Jahr 2006 in den USA aufgeben müssen. Im gleichen Jahr begann der schleichende Niedergang von Sam Goody. Und 2009 schloss am Union Square in Manhattan der letzte von einst 23 Virgin Megastores in Nordamerika. Damit verlor gleichzeitig New York City seinen letzten großen Plattenladen.

Die Insolvenz der traditionsreichen britischen Musikladen-Kette HMV Mitte Januar ist das jüngste Beispiel für den Druck auf die Branche. Die seit 1921 bestehende HMV mit einem Hund mit Grammophon im Logo kämpfte seit Jahren gegen zurückgehende CD-Käufe, Billigpreise in Supermärkten und das wachsende Geschäft mit Musik-Downloads. HMV war erst 2010 ins Geschäft mit der digitalen Musik eingestiegen. Nun will das Unternehmen mit einem abgespeckten Konzept weitermachen.

  • 23.06.2013, 15:18 UhrTheOne

    Gebe Cucco hier auch Recht. Die CD hat viele Nachteile, die die Vorteile der Cassetten nie auch nur annähernd aufgreifen konnten:

    - Deutlich länger haltbar (wir sprechen hier von Jahrzehnten (Cassettenspieler), eigentlich sogar unbegrenzt vs. wenige Jahre bei nem CD-Player! Und das eigentlich nur, weil die Laser nunmal nicht ewig halten.

    - CDs klingen besser als MP3s. Das ist längst bewiesen. Allerdings hören halt immer mehr Menschen immer weniger. Das ist eben so. Die Leute gehen in die Disko, zerstören ihre Ohren und hören so bestimmte Töne nicht mehr. Auch soll die Altershörigkeit heute gesundheitsbedingt (weil die Welt immer schlimmer wird was den Einfluss aufs Gehirn/Ohren angeht, z.b. wird heute wohin wir auch gehen, überall für den Menschen schädliches WLAN ausgestrahlt- die Folgen von WLAN-Dauerbestrahlung werden erst in 20 Jahren sichtbar sein) deutlich früher einsetzen.

    Und schauen wir uns MP3s mal näher an. Sie sind billig. Trotzdem ist der MP3-Player heute schon so gut wie ausgestorben, der Nachfolger der MP3 steht unmittelbar bevor.

    Übrigens: Der Rückschritt ist nicht nur bei Tonformaten und Medien so - sondern auch bei Monitoren! Röhrenmonitore hielten damals 25 Jahre lang! Nun zumindest 10-15 Jahre hielten alle.

    Schauen wir uns heute dagegen LCD-Monitore an - wie lange halten die? Im Durschnitt rechnet man mit 3-4 Jahren. In Ausnahmefällen auch mal 7 Jahre. Aber danach ist Schluss. Die sind einfach anfällig wie sonstwas. Und durch die größeren Pixel (ein LCD-Pixel ist deutlich größer als es ein Pixel auf einem Rörenmonitor ist), braucht man z.b. auch in PC-Spielen deutlich mehr Grafikpower, um aufs selbe Ergebnis zu kommen.

    Auch die Bildqualität von LCD, und der Nachfolgetechnik LED kann bis heute nicht mit Rören mithalten. Das Schwarz ist immer noch schlecht heute bei LCDs und LEDs!

    Gut, es gibt noch Plasma! Aber das kann auch nicht mithalten. Und OLED? Von deren Haltbarkeit fangen wir gar nicht erst an...

  • 23.02.2013, 14:30 UhrFortun

    @cucco

    Das ist kein Rückschritt sondern Fortschritt. Der natürliche Lauf der Dinge eben. Ich bin absolut audiophil und mit meinen starken AKG Q701 Referenzkopfhörern höre ich keinen Unterschied zwischen einer 256 kbit codierten MP3 und einer 10mal so großen Wave-Datei. Also bitte geschmeidig bleiben... ;)

  • 16.02.2013, 18:04 Uhrcucco

    So sieht Rückschritt aus. Die Industrie hatte es nicht geschafft CD Spieler zu verkaufen, die in ihrer Haltbarkeit und Zuverlässigkeit auch nur annähernd an den klassischen Vinyl Plattenspieler heran kam. Hatte mein Dual Spieler noch ein Jahrzehnt ohne Probleme gehalten, brauche ich jedes Jahr einen neuen CD Spieler.

    Der Tonkassetten Spieler ist haltbarer als der CD Spieler und eignet sich gut für den eigenen Ton Aufnahme Check während MP3 Formate klingen als hätte man eine Decke über die Lautsprecher geworfen, damit ja keine echten Klänge dabei herauskommen: Unzumutbar.
    Die digitale Cassette war der beste und pratischste Tonträger, der dei Qualität von Studio Aufnahmen erreichte. Fürs normale Publikum zu teuer.
    Jetzt hat man die die kleinen Player und die Leute mit den Ohrstöpseln, die nun mit einem Leichtgewicht wo immer sie sind dem schrecklich normalen Alltag mit einer Musiksosse entfliehen können. Nichts für Liebhaber.

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