
std/HB DÜSSELDORF/LONDON. Wer relevante Suchbegriffe wie "Oil Spill" bei den drei großen Suchmaschinen Google, Yahoo oder Bing eingibt, bekommt noch über den Treffern die Werbung des Konzerns angezeigt. Der Konzern verspricht dort "Neuste Nachrichten und Fakten über den Golf von Mexiko". "Wir haben Suchbegriffe bei Suchmaschinen wie Google gekauft, damit die Leute leichter erfahren können, was wir unternehmen", sagte BP-Sprecher Toby Odorne dem US-Sender ABC.
Welche Begriffe das Unternehmen gekauft hat, legte eine Sprecherin des Konzerns auf Anfrage nicht offen. Tests zeigen, dass auch bei der Kombination aus "BP" und "gulf disaster" (Golf-Desaster) oder "leak" (Leck) die Anzeige erscheint. Laut einem Bericht des amerikanischen TV-Senders ABC News lässt BP sich das mehr als 10 000 Dollar pro Tag kosten.
"Wir wollen es den Nutzern erleichtern, wichtige Informationen zu finden", begründete die BP-Sprecherin den Schritt. So werde auf der Website beschrieben, wie man bei Schäden seine Ansprüche geltend machen oder sich freiwillig im Kampf gegen die Ölpest engagieren könne. Die Kampagne dürfte auch eine Reaktion auf die massive Kritik sein, die sich der Konzern insbesondere im Internet ausgesetzt sieht. So besitzt der Twitter-Account BPGlobalPR inzwischen über 150 000 Follower.
"Aus Sicht von BP ist das ein brillanter Schachzug", zitiert die Nachrichtenagtur AFP Kevin Ryan von der PR-Beratung Motivity Marketing dem Sender. "Die andere Option für BP wäre, einfach den Nachrichten die Interpretation des Geschehens zu überlassen. Wenn man aber so viel schlechte Presse hat, ist es eine sehr gute PR-Strategie, den Suchverkehr im Internet auf die eigene Seite zu lenken", so Ryan. Gekaufte und als Anzeige gekennzeichnete Treffer werden als Suchmaschinenmarketing (SEM) bezeichnet. Marktführer Google versteigert die Anzeigenplätze zu bestimmten Suchbegriffen. Sie sind über oder neben den Ergebnissen aus dem Such-Index zu sehen und als Anzeigen markiert.
Der massive öffentliche Druck gegenüber BP zeigt immer deutlicher Wirkung. Das US-Justizministerium erwägt bereits Schritte gegen BP, um sicherzustellen, dass der Konzern tatsächlich alle entstehenden Kosten übernehmen kann. Ein hochrangiger Vertreter des Ministeriums sagte bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses, es werde derzeit geprüft, ob BP mit einer einstweiligen Verfügung an der Auszahlung einer Dividende gehindert werden könne. Am Dienstag hatten 33 Abgeordnete des Repräsentantenhauses BP-Chef Tony Hayward in einem Brief aufgefordert, kein Geld für Dividenden und Werbekampagnen zur Imagereparatur auszugeben, solange noch hohe Kosten wegen der der Ölpest ausstehen.
Der britische Premierminister David Cameron erklärte, seine Regierung sei bereit, BP bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Der Ölkonzern müsse alles in seiner Macht stehende tun, um die Situation zu bewältigen, sagte Cameron. Er verstehe die Frustration der US-Regierung über die Umweltkatastrophe und werde das Thema bei anstehenden Treffen und Telefongesprächen mit US-Präsident Barack Obama diskutieren. Es müsse nun vor allem versucht werden, die Folgen abzumildern und das Problem in den Griff zu bekommen.
Britische Unternehmensverbände und Aktionäre haben sich bereits besorgt über die zunehmend schärfere Tonart der US-Regierung geäußert. Der dramatische Absturz der BP-Aktien und der Druck auf den Konzern, keine Dividende auszuzahlen, könnte für britische Pensionsfonds und andere Anleger ernsthafte Folgen haben. Am Mittwoch stürzten die in New York notierten BP-Anteilsscheine fast 16 Prozent auf den tiefsten Stand seit 14 Jahren ab, schien sich einen Tag später aber wieder mit Aufschlägen von mehr als neun Prozent zu erholen. In London brach die Aktie am Donnerstag zeitweise um elf Prozent ein. Die Dividendenzahlungen BPs belaufen sich auf zwölf bis 13 Prozent der Gewinnausschüttungen in Großbritannien. BP hat seit der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April zudem bereits mehr als die Hälfte seines Marktwertes eingebüßt.